Sonntag, 20. April 2014

Geschwindigkeitskontrollen im Tal

Alles reine Abzocke?

Geblitzt zu werden, ist fĂŒr Betroffene immer ein Ärgernis. Manchmal fĂŒhrt es aber auch zu kreativen Ideen. So rief ein Waakirchner vor wenigen Monaten eine Facebook-Gruppe ins Leben, in der Mitglieder Radarfallen des Tegernseer Tals melden können. Jeder, der in dieser Gruppe ist, weiß somit ziemlich schnell, wann und wo die Blitzer stehen.
Aber was verdienen eigentlich die Komunen an “Rasern”, und wird ĂŒberhaupt in jeder Tal-Gemeinde geblitzt? Wir haben in den RathĂ€usern und bei der Polizei nachgefragt.

Unter anderem aus diesem Bus heraus wird geblitzt. Foto: Privat

„Ich wurde geblitzt und habe die Gruppe eigentlich aus Ärger darĂŒber gegrĂŒndet. Eine Spontanreaktion, wĂŒrde ich sagen“, meint Thomas Schmidt zur Entstehung der Facebook-Gruppe “Blitzer im Tal“, die mittlerweile schon ĂŒber 400 Mitglieder zĂ€hlt. Und tĂ€glich werden es mehr.

Blick auf das Handy genĂŒgt

„Ich hĂ€tte nicht gedacht, dass die Gruppe so einen Zuwachs bekommt”, sagt Schmidt. Mittlerweile seien solche Blitzer-Gruppen echte Exportschlager geworden. Auch fĂŒr die umliegenden Landkreise und darĂŒber hinaus haben sich in letzter Zeit solche Gemeinschaften zusammengetan.

Ein Pluspunkt der Gruppe ist laut dem Waakirchner sicherlich die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit der Informationen. „Im Radio muss man schon GlĂŒck haben, dass man die Blitzermeldungen auch mitbekommt.

Bei Facebook reicht vor dem Losfahren ein Blick auf das Handy.“ GrundsĂ€tzlich sei Schmidt fĂŒr Geschwindigkeitskontrollen, aber keiner zahle gerne selbst dafĂŒr Verwarngelder. Mit dieser EinschĂ€tzung steht er wohl nicht allein da.

“Wollen kein GeschĂ€ft machen”

Nicht selten wird der Gemeinde vorgeworfen, mit den Geschwindigkeitskontrollen nicht der Sicherheit zu dienen, sondern vielmehr der eigenen Kasse. Leicht verdientes Geld, mag sich da der eine oder andere denken. Doch wie oft im Leben ist die RealitÀt nicht ganz so einfach.

„Wir hatten nie die Absicht, ein GeschĂ€ft machen zu wollen“, betonte Rottachs BĂŒrgermeister Hafner bereits vor einem Jahr und bezeichnete die Messungen als Nullsummenspiel. Die harten Zahlen scheinen Hafner nun in seiner Aussage zu bestĂ€tigen.

Es stimmte zwar, dass in den letzten eineinhalb Jahren Rottach rund 28.000 Euro durch ĂŒberhöhte Geschwindigkeit eingenommen hat. Die Wahrheit ist aber auch, dass davon 23.250 Euro an den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland (ZVO) abgefĂŒhrt werden mussten. Dieser ist mit den Geschwindigkeitsmessungen beauftragt. Dabei werden pro Überwachungsstunde pauschal 95 Euro abgerchnet – plus sechs Euro pro Messung.

Zwei Straßenlaternen Gewinn

Damit hat die Gemeinde insgesamt nur 4.750 Euro Reingewinn verdient. FĂŒr eine Privatperson sicherlich viel Geld, aber kein ernst zu nehmender Haushaltsposten in einer Gemeinde. Zum Vergleich: Mit dem Geld könnte man zwei Straßenlaternen mehr anschaffen.

Ein zusĂ€tzlicher “Beweis” ist die Tatsache, dass Rottach-Egern die Blitzergebnisse regelmĂ€ĂŸig öffentlich macht. „Uns geht es um Verkehrssicherheit und Transparenz, nicht um Abzocke. Sobald wir die Statistiken vorliegen haben, geben wir sie auch weiter“, erklĂ€rt Verkehrsreferent Michael Diegner: „Wir blitzen auch nur dort, wo es einen Bedarf gibt. Es ist nicht so, dass wir auf Zuruf kommen.“

Der Übergang von der Ludwig-Thoma-Straße in die Valepper Straße ist einer der Raserbrennpunkte Rottach-Egerns.

Zusammen mit Rottach-Egern blitzen tatsĂ€chlich nur zwei weitere Gemeinden im Tal, nĂ€mlich Gmund und Bad Wiessee. Kreuth und Tegernsee haben sich dazu entschieden, auf Gemeindegebiet keine Radarfallen aufzustellen. „Haben wir noch nie gemacht“, sagt dazu Kreuths GeschĂ€ftsleiter Hans Patzlsperger.

Das bedeutet aber nicht, dass in Kreuth und Tegernsee ungestraft gerast werden darf. Denn anstatt des ZVO ĂŒberwacht dort die Polizei die Einhaltung der Geschwindigkeiten per Laserpistole – und dies nach eigenen Angaben beinahe tĂ€glich. Einziger Unterschied dabei ist, dass die Verwarngeldern nicht in die Gemeindekasse, sondern direkt an den Freistaat Bayern gehen.

Wiessee blitzt selbst

“Es sind eigentlich nicht die wirklichen Raser, die den Großteil der Verfahren ausmachen. Das sind höchstens zwei bis drei Prozent”, meint Klaus Schuschke, der in Bad Wiessee fĂŒr die VerkehrsĂŒberwachung zustĂ€ndig ist, und ergĂ€nzt: “Der Durschnitt der von uns Geblitzten fĂ€hrt rund zwölf Kilometer pro Stunde zu schnell, was ein Verwarngeld von 25 Euro nach sich zieht.”

Im Gegensatz zu Rottach und Gmund, die in der ZVO organisiert sind, kontrolliert Wiessee den Verkehr also noch selbst. Vor allem bei der Schule und an der BayersÀg in Holz sind die Blitzer hÀufig zu finden. Dort sei es laut Schuschke schon hÀufig zu schweren UnfÀllen gekommen, weshalb dort auch vermehrt kontrolliert wird.

Reich wird die Gemeinde dadurch aber wohl auch nicht. Im Jahr 2011 wurden 223 VerstĂ¶ĂŸe geahndet. Dabei beliefen sich die Einnahmen auf 4.090 Euro. AbzĂŒglich der entstehenden Kosten wie Zeitaufwand und jĂ€hrlicher Eichung des MessgerĂ€tes bleibt somit auch in Bad Wiessee kaum etwas ĂŒbrig.

Appell an Raser

Ob die Autofahrer jetzt aber nur in den Bereichen langsam fahren, wo die Blitzer stehen, oder ob sich eine generelle VerhaltensĂ€nderung durch die Radarfallen zeigt, bleibt weiter abzuwarten. Generell appellieren sowohl Gemeinde als auch Polizei dazu, sich immer an die geltenden Geschwindigkeitsvorschriften zu halten, da ĂŒberhöhte Geschwindigkeit neben Alkohol die Hauptursache fĂŒr VekehrsunfĂ€lle darstellt.

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  • Anonym

    Der rote Caddy oben hat das Kennzeichen MB XX YY !

    GrĂŒĂŸe an alle die trotz gegenteiliger Äußerungen immer noch, zumindest teilweise, auch einen Abzockgedanken vermuten, anders sind so manche Orte an denen Blitzer aufgestellt werden einfach nicht zu begrĂŒnden.

    • Tegernseer Stimme

      Aus datenschutzrechtlichen GrĂŒnden dĂŒrfen wir das Kennzeichen – weder im Artikel, noch in den Kommentaren – veröffentlichen. Bitte respektieren Sie dies, da wir anderenfalls dafĂŒr haftbar gemacht werden können.

  • iswurscht

    Ich bin vor ca zwei Jahren in Ostin geblitzt worden, an einen Sonntag gegen 6.30 Uhr, auf dem Weg zur Arbeit. Wohnte selbst dort , kam aus einer Seitenstraße und beschleunigte Richtung Ortsausgang, der Blitzer stand beim Kistlerwirt. Nun bin ich wirklich fĂŒr VerkehrsĂŒberwachung und ich war zu schnell, deshalb wĂ€re das Bußgeld gerechtfertigt, aber aus welchen Grund stellt sich jemand an eine verkehrsarme Ortsdurchfahrt am Sonntag um 6.00 Uhr? Weil jeder der da durchfĂ€hrt zu schnell ist, sicher verdientes Geld, erzieherisch gleich Null, wenn die Schulbusse kommen, in der Woche, hab ich nie einen gesehen.
    Das ist es, was bei den Menschen Frust erzeugt, und die fĂŒrstlichen GehĂ€lter, die sich die “Überwacher” einstecken.

    • Tergernseer

      Hallo Herr Iswurscht

      Ihr Argument ist also, wenn da jeder zu schnell fÀhrt sollte da nicht geblitzt werden weil es keinen erzieherischen Wert hat ? Ist das Ihr ernst ??????

      Da wĂŒrde ich dann appelieren, das die Geldstrafen in einen FĂŒhrerscheinentzug gewandelt werden,
      vieleicht erzieht ja das.
      Eine Woche ohne Schein beim nĂ€chten mal zwei usw. da hat man doch Zeit zum ĂŒberlegen.

      Ich finde es ohnehin mehr als peinlich dass Erwachsene Menschen zur Einhaltung von Vorschriften erzogen werden mĂŒssen.

      • iswurscht

        @Tegernseer, da Sie es anscheinend falsch oder nicht verstanden haben, hier geht es um Abzocke(sicher verdientes Geld), wie ich schrieb, habe ich nichts gegen Kontrollen und finde sie auch wichtig, dort wo sie Sinn machen (Erziehung).
        Wenn Sie also der Meinung sind, ich wĂŒrde behaupten, das man nicht blitzen sollte, wo zu schnell gefahren wird, haben Sie etwas grĂŒndlich missverstanden.

  • duckanterl

    Am Ortseingang Tegernsee von St. Quirin kommend steht sehr wohl der rote Caddy der ZVO, ebenso
    in St. Quirin beim Zweckwasserverband rechts und linker Hand auf der Zufahrtsstraße SĂŒdl. Hauptstraße.
    Von wegen Tegernsee lĂ€ĂŸt nicht blitzen! Oder hat sich die Gemeinde Gmund Richtung Tegernsee ausge-
    breitet?

    • Da Gmunder

      Also erstens muss ich anmerken das der rote Caddy nicht dem ZVO sondern der Polizei gehört und zweitens sollten Sie sich Gedanken um ihre Geographischen Kenntnisse machen, da St. Quirin voll und ganz zur Gemeinde Gmund gehört!!!!!!!

  • Anonymous

    Achtung,Blitzer in der Seestrasse in Rottach Egern auf der Höhe Maier-Kirschner,die Meldung ist Aktuell!!!!!!

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