Geblitzt zu werden, ist fĂŒr Betroffene immer ein Ărgernis. Manchmal fĂŒhrt es aber auch zu kreativen Ideen. So rief ein Waakirchner vor wenigen Monaten eine Facebook-Gruppe ins Leben, in der Mitglieder Radarfallen des Tegernseer Tals melden können. Jeder, der in dieser Gruppe ist, weiĂ somit ziemlich schnell, wann und wo die Blitzer stehen.
Aber was verdienen eigentlich die Komunen an “Rasern”, und wird ĂŒberhaupt in jeder Tal-Gemeinde geblitzt? Wir haben in den RathĂ€usern und bei der Polizei nachgefragt.
âIch wurde geblitzt und habe die Gruppe eigentlich aus Ărger darĂŒber gegrĂŒndet. Eine Spontanreaktion, wĂŒrde ich sagenâ, meint Thomas Schmidt zur Entstehung der Facebook-Gruppe “Blitzer im Tal“, die mittlerweile schon ĂŒber 400 Mitglieder zĂ€hlt. Und tĂ€glich werden es mehr.
Blick auf das Handy genĂŒgt
âIch hĂ€tte nicht gedacht, dass die Gruppe so einen Zuwachs bekommt”, sagt Schmidt. Mittlerweile seien solche Blitzer-Gruppen echte Exportschlager geworden. Auch fĂŒr die umliegenden Landkreise und darĂŒber hinaus haben sich in letzter Zeit solche Gemeinschaften zusammengetan.
Ein Pluspunkt der Gruppe ist laut dem Waakirchner sicherlich die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit der Informationen. âIm Radio muss man schon GlĂŒck haben, dass man die Blitzermeldungen auch mitbekommt.
Bei Facebook reicht vor dem Losfahren ein Blick auf das Handy.â GrundsĂ€tzlich sei Schmidt fĂŒr Geschwindigkeitskontrollen, aber keiner zahle gerne selbst dafĂŒr Verwarngelder. Mit dieser EinschĂ€tzung steht er wohl nicht allein da.
“Wollen kein GeschĂ€ft machen”
Nicht selten wird der Gemeinde vorgeworfen, mit den Geschwindigkeitskontrollen nicht der Sicherheit zu dienen, sondern vielmehr der eigenen Kasse. Leicht verdientes Geld, mag sich da der eine oder andere denken. Doch wie oft im Leben ist die RealitÀt nicht ganz so einfach.
âWir hatten nie die Absicht, ein GeschĂ€ft machen zu wollenâ, betonte Rottachs BĂŒrgermeister Hafner bereits vor einem Jahr und bezeichnete die Messungen als Nullsummenspiel. Die harten Zahlen scheinen Hafner nun in seiner Aussage zu bestĂ€tigen.
Es stimmte zwar, dass in den letzten eineinhalb Jahren Rottach rund 28.000 Euro durch ĂŒberhöhte Geschwindigkeit eingenommen hat. Die Wahrheit ist aber auch, dass davon 23.250 Euro an den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland (ZVO) abgefĂŒhrt werden mussten. Dieser ist mit den Geschwindigkeitsmessungen beauftragt. Dabei werden pro Ăberwachungsstunde pauschal 95 Euro abgerchnet – plus sechs Euro pro Messung.
Zwei StraĂenlaternen Gewinn
Damit hat die Gemeinde insgesamt nur 4.750 Euro Reingewinn verdient. FĂŒr eine Privatperson sicherlich viel Geld, aber kein ernst zu nehmender Haushaltsposten in einer Gemeinde. Zum Vergleich: Mit dem Geld könnte man zwei StraĂenlaternen mehr anschaffen.
Ein zusĂ€tzlicher “Beweis” ist die Tatsache, dass Rottach-Egern die Blitzergebnisse regelmĂ€Ăig öffentlich macht. âUns geht es um Verkehrssicherheit und Transparenz, nicht um Abzocke. Sobald wir die Statistiken vorliegen haben, geben wir sie auch weiterâ, erklĂ€rt Verkehrsreferent Michael Diegner: âWir blitzen auch nur dort, wo es einen Bedarf gibt. Es ist nicht so, dass wir auf Zuruf kommen.â

Der Ăbergang von der Ludwig-Thoma-StraĂe in die Valepper StraĂe ist einer der Raserbrennpunkte Rottach-Egerns.
Zusammen mit Rottach-Egern blitzen tatsĂ€chlich nur zwei weitere Gemeinden im Tal, nĂ€mlich Gmund und Bad Wiessee. Kreuth und Tegernsee haben sich dazu entschieden, auf Gemeindegebiet keine Radarfallen aufzustellen. âHaben wir noch nie gemachtâ, sagt dazu Kreuths GeschĂ€ftsleiter Hans Patzlsperger.
Das bedeutet aber nicht, dass in Kreuth und Tegernsee ungestraft gerast werden darf. Denn anstatt des ZVO ĂŒberwacht dort die Polizei die Einhaltung der Geschwindigkeiten per Laserpistole – und dies nach eigenen Angaben beinahe tĂ€glich. Einziger Unterschied dabei ist, dass die Verwarngeldern nicht in die Gemeindekasse, sondern direkt an den Freistaat Bayern gehen.
Wiessee blitzt selbst
“Es sind eigentlich nicht die wirklichen Raser, die den GroĂteil der Verfahren ausmachen. Das sind höchstens zwei bis drei Prozent”, meint Klaus Schuschke, der in Bad Wiessee fĂŒr die VerkehrsĂŒberwachung zustĂ€ndig ist, und ergĂ€nzt: “Der Durschnitt der von uns Geblitzten fĂ€hrt rund zwölf Kilometer pro Stunde zu schnell, was ein Verwarngeld von 25 Euro nach sich zieht.”
Im Gegensatz zu Rottach und Gmund, die in der ZVO organisiert sind, kontrolliert Wiessee den Verkehr also noch selbst. Vor allem bei der Schule und an der BayersÀg in Holz sind die Blitzer hÀufig zu finden. Dort sei es laut Schuschke schon hÀufig zu schweren UnfÀllen gekommen, weshalb dort auch vermehrt kontrolliert wird.
Reich wird die Gemeinde dadurch aber wohl auch nicht. Im Jahr 2011 wurden 223 VerstöĂe geahndet. Dabei beliefen sich die Einnahmen auf 4.090 Euro. AbzĂŒglich der entstehenden Kosten wie Zeitaufwand und jĂ€hrlicher Eichung des MessgerĂ€tes bleibt somit auch in Bad Wiessee kaum etwas ĂŒbrig.
Appell an Raser
Ob die Autofahrer jetzt aber nur in den Bereichen langsam fahren, wo die Blitzer stehen, oder ob sich eine generelle VerhaltensĂ€nderung durch die Radarfallen zeigt, bleibt weiter abzuwarten. Generell appellieren sowohl Gemeinde als auch Polizei dazu, sich immer an die geltenden Geschwindigkeitsvorschriften zu halten, da ĂŒberhöhte Geschwindigkeit neben Alkohol die Hauptursache fĂŒr VekehrsunfĂ€lle darstellt.



































Moderation von Kommentaren
Die Moderation liegt bei der Redaktion. FĂŒr uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwĂŒnscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.