In den letzten zwei Jahren haben sich die Ăbernachtungszahlen in den Tal-Gemeinden wieder stabilisiert. Trotzdem ist noch viel Luft nach oben.
So ist beispielsweise der hĂ€ufigste Buchungsweg, den die meisten GĂ€stehĂ€user am Tegernsee bevorzugen, immer noch die persönliche Kommunikation mit dem Gast – entweder per Telefon oder E-Mail. Das Buchungssystem âim-webâ wird dabei nur von rund 25 Prozent aller Anbieter direkt genutzt. Dabei buchen etwa 75 Prozent der Deutschen ihre Reisen ĂŒber das Netz. Eine Suche nach den GrĂŒnden fĂŒr die aktuell noch sehr geringe Akzeptanz.
Nur 25 Prozent bieten Online-Buchung an
Die angebliche Angst der Hoteliers und GĂ€stehausbetreiber am Tegernsee vor dem Internet war auch Thema auf der letzten Gemeinderatssitzung in Bad Wiessee. Trotz der fĂŒr Wiessee sehr positiven Entwicklung bei den Ăbernachtungs- und GĂ€stezahlen, sprach BĂŒrgermeister Peter Höà den Vermietern ins Gewissen:
Auf diesem Gebiet haben wir einen unglaublichen Nachholbedarf. Gibt man die Schlagwörter âBad Wiesseeâ und âOktoberâ in die Internet-Suchmaschine ein, erhĂ€lt man nur wenige Ergebnisse und das obwohl gegenwĂ€rtig viele Zimmer frei sind.
Als Grund fĂŒr die ZurĂŒckhaltung nannte Höà vor allem die Ă€ngstliche Haltung vieler Ă€lterer Vermieter, die den persönlichen Kontakt noch immer einem Buchungsangebot im Internet vorziehen wĂŒrden.
In der Tat nutzen nur rund 25 Prozent der Hotels und GĂ€stehĂ€user im Tegernseer Tal einen direkten Buchungsweg ĂŒber das Internet, wie Georg Overs, Chef der TTT bestĂ€tigt.
Doch der von Höà genannte Grund ist keineswegs die einzige Ursache fĂŒr die geringe Akzeptanz des Internets bei den Vermietern. FĂŒr Georg Overs liegt das auch an einer kompletten Umstellung der Vermieterphilosophie, die mit dem neuen Vertriebsweg einhergeht.
FrĂŒher hatte man mit jedem Gast persönlichen Kontakt gehabt. Ăber die GesprĂ€che hat man gemerkt, passt man ĂŒberhaupt zueinander. Das ist bei der Onlinebuchung nicht mehr der Fall. Der Kontakt ist anonymer geworden. Und auch die Aufgaben eines Vermieters haben sich geĂ€ndert. Dass das nicht jeder gutheiĂt, muss man akzeptieren.
Das Internet werde allzuoft als Bedrohung gesehen, weniger als Chance – so fasst es Overs zusammen. Eine ErklĂ€rung, die vielen Vermietern zu kurz greift. So hören wir von mehreren Seiten, dass beispielsweise die im Mai 2012 eingefĂŒhrte neue Online Buchungsplatform “im-webâ nicht so einfach zu bedienen sei.
Komplizierte Bedienbarkeit und hoher Aufwand
So sind einige Begriffe wie âKleinkinderfreibetragâ und âKarenzzeitâ aber auch die genaue Kategorisierung leicht miĂzuverstehen oder wĂŒrden ein umfangreiches Tourismusfachwissen erforden.
Was gilt als Ferienhaus? Ist ein GĂ€stehaus das selbe wie eine Pension? Das sind alles Fragen, die sich der ein oder andere Nutzer der Buchungsplattform stelen dĂŒrfte. Die TTT bietet hierfĂŒr zwar eigens Schulungen fĂŒr die Hoteliers an. Doch zu den VerstĂ€ndnisproblemen kommen oft auch Schwierigkeiten mit den eigenen Ressourcen. Das Angebot auf der Plattform immer tagesaktuell zu halten, verschlingt Zeit und damit Geld.
Eine Aufgabe, die vor allem kleinere GĂ€stehĂ€user und Pensionen nur schwer erfĂŒllen können, sagt Heinz Waldenmeier vom GĂ€stehaus Ludwig-Thoma in Rottach-Egern.
Die Pflege der âim-Webâ Plattform bringt einen Zeitaufwand mit sich, den wir nicht so ohne Weiteres erfĂŒllen können. Ich kann eben als Familienbetrieb nicht mehrere Stunden am Tag am Computer verbringen und eine weitere Arbeitskraft fĂŒr diese Aufgabe ist zu teuer.
Abgabe verhindert Akzeptanz
Dabei schreckt viele Vermieter auch die Provison ab, die sie an die TTT entrichten mĂŒssen. 12 Prozent des Bruttobetrages werden fĂ€llig, wenn der Gast ĂŒber ein online buchbares Angebot kommt. Bei einer Buchung per E-Mail, Telefon oder aber dem persönlichen Kontakt, der nicht ĂŒber die Buchungsplattform abgewickelt wird, entfĂ€llt diese Abgabe dagegen.
Grund genug fĂŒr viele kleine GĂ€stehĂ€user und Pensionen nicht auf das Onlinebuchungssystem von âim-webâ zurĂŒckzugreifen, sondern dort nur einen Kontakt zu hinterlegen. Auch die Möglichkeit bei einer Online Buchung einfach die fĂ€llige Abgabe auf den Zimmerpreis drauf zu schlagen erscheint Waldenmaier als nicht praktikabel.
Dann mĂŒssten wir ja zwei verschiedene Preise anbieten, einen im Falle der Online Buchung ĂŒber das Portal und einen im Falle einer sonstigen Buchung. Das ist vor allem aus Sicht des Gastes nicht zu erklĂ€ren.
Online Buchung grundsÀtzlich sinnvoll
Trotz aller Kritik sehen jedoch nicht alle GĂ€stehausbetreiber die Abgabe als negativ und auch nicht als den gröĂten Faktor fĂŒr die mangelnde Akzeptanz der Online-Buchungsmöglichkeit. Bernhard Kaiser, Inhaber des Wiesseer Hotels Askania und gleichzeitig Vorsitzender des Verkehrsvereins sagt:
Die Abgabe an den alten Anbieter tiscover war deutlich höher als die jetzigen zwölf Prozent bei im-web. Meines Erachtens leistet die TTT einen wichtigen Beitrag bei der Vermarktung des Tegernseer Tals im Allgemeinen und dem Online-Marketing im Besonderen. Dies wird auch durch das Geld der Vermieter sichergestellt.
Nichts desto trotz gibt auch Kaiser zu bedenken, dass gerade die kleinen Betriebe natĂŒrlich Schwierigkeiten hĂ€tten den mit der Pflege des Buchungssystems verbundenen Zeitaufwand zu schultern.
Das Thema Onlinebuchung wird demnach auch innerhalb der Hoteliers und GĂ€stehausbetreiber kontrovers diskutiert. Dabei ist weniger die von BĂŒrgermeister Höà vermutete Angst der Betreiber vor dem Internet sondern eher die mit der Online Plattform âim-web” verbundenen Konditionen sowie der Aufwand das Thema.
Ein Einwand, den Georg Overs nachvollziehen kann. Allerdings gibt der TTT-Chef zu bedenken, dass der Gast entscheidet, welches Angebot man ihm vorsetzt und welches nicht. “Wir mĂŒssen uns alle gemeinsam Gedanken machen, wie wir die Herausforderungen meistern.” So gĂ€be es laut Overs Dienstleister, die den Vermietern einen Teil der neuen Aufgaben abnehmen könnten.
Fest steht, dass ein gutes Onlinebuchungsangebot fĂŒr den Gast mittlerweile ein KO-Kriterium darstellt. Jedoch ersetzt das, vor allem im StammkundengeschĂ€ft, den persönlichen Kontakt des Vermieters zum Gast nicht. Und so bleibt fĂŒr jedes GĂ€stehaus auch die Möglichkeit, Neukunden in wiederkehrende GĂ€ste umzuwandeln. Der Vorteil dieser Gruppe: sie ist loyal und bucht direkt. Das verbessert die Auslastung und spart bares Geld.




































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