Mittwoch, 22. Mai 2013

Tourismus im Tal: Nur jeder vierte Vermieter nutzt das Internet

Am Ende entscheidet der Kunde

In den letzten zwei Jahren haben sich die Übernachtungszahlen in den Tal-Gemeinden wieder stabilisiert. Trotzdem ist noch viel Luft nach oben.

So ist beispielsweise der hĂ€ufigste Buchungsweg, den die meisten GĂ€stehĂ€user am Tegernsee bevorzugen, immer noch die persönliche Kommunikation mit dem Gast – entweder per Telefon oder E-Mail. Das Buchungssystem “im-web” wird dabei nur von rund 25 Prozent aller Anbieter direkt genutzt. Dabei buchen etwa 75 Prozent der Deutschen ihre Reisen ĂŒber das Netz. Eine Suche nach den GrĂŒnden fĂŒr die aktuell noch sehr geringe Akzeptanz.

Nur 25 Prozent bieten Online-Buchung an

Die angebliche Angst der Hoteliers und GĂ€stehausbetreiber am Tegernsee vor dem Internet war auch Thema auf der letzten Gemeinderatssitzung in Bad Wiessee. Trotz der fĂŒr Wiessee sehr positiven Entwicklung bei den Übernachtungs- und GĂ€stezahlen, sprach BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ den Vermietern ins Gewissen:

Auf diesem Gebiet haben wir einen unglaublichen Nachholbedarf. Gibt man die Schlagwörter „Bad Wiessee“ und „Oktober“ in die Internet-Suchmaschine ein, erhĂ€lt man nur wenige Ergebnisse und das obwohl gegenwĂ€rtig viele Zimmer frei sind.

Georg Overs, Chef der TTT

Als Grund fĂŒr die ZurĂŒckhaltung nannte HĂ¶ĂŸ vor allem die Ă€ngstliche Haltung vieler Ă€lterer Vermieter, die den persönlichen Kontakt noch immer einem Buchungsangebot im Internet vorziehen wĂŒrden.

In der Tat nutzen nur rund 25 Prozent der Hotels und GĂ€stehĂ€user im Tegernseer Tal einen direkten Buchungsweg ĂŒber das Internet, wie Georg Overs, Chef der TTT bestĂ€tigt.

Doch der von HĂ¶ĂŸ genannte Grund ist keineswegs die einzige Ursache fĂŒr die geringe Akzeptanz des Internets bei den Vermietern. FĂŒr Georg Overs liegt das auch an einer kompletten Umstellung der Vermieterphilosophie, die mit dem neuen Vertriebsweg einhergeht.

FrĂŒher hatte man mit jedem Gast persönlichen Kontakt gehabt. Über die GesprĂ€che hat man gemerkt, passt man ĂŒberhaupt zueinander. Das ist bei der Onlinebuchung nicht mehr der Fall. Der Kontakt ist anonymer geworden. Und auch die Aufgaben eines Vermieters haben sich geĂ€ndert. Dass das nicht jeder gutheißt, muss man akzeptieren.

Das Internet werde allzuoft als Bedrohung gesehen, weniger als Chance – so fasst es Overs zusammen. Eine ErklĂ€rung, die vielen Vermietern zu kurz greift. So hören wir von mehreren Seiten, dass beispielsweise die im Mai 2012 eingefĂŒhrte neue Online Buchungsplatform “im-web” nicht so einfach zu bedienen sei.

Komplizierte Bedienbarkeit und hoher Aufwand

So sind einige Begriffe wie “Kleinkinderfreibetrag” und “Karenzzeit” aber auch die genaue Kategorisierung leicht mißzuverstehen oder wĂŒrden ein umfangreiches Tourismusfachwissen erforden.

Was gilt als Ferienhaus? Ist ein GĂ€stehaus das selbe wie eine Pension? Das sind alles Fragen, die sich der ein oder andere Nutzer der Buchungsplattform stelen dĂŒrfte. Die TTT bietet hierfĂŒr zwar eigens Schulungen fĂŒr die Hoteliers an. Doch zu den VerstĂ€ndnisproblemen kommen oft auch Schwierigkeiten mit den eigenen Ressourcen. Das Angebot auf der Plattform immer tagesaktuell zu halten, verschlingt Zeit und damit Geld.

Eine Aufgabe, die vor allem kleinere GĂ€stehĂ€user und Pensionen nur schwer erfĂŒllen können, sagt Heinz Waldenmeier vom GĂ€stehaus Ludwig-Thoma in Rottach-Egern.

Die Pflege der “im-Web” Plattform bringt einen Zeitaufwand mit sich, den wir nicht so ohne Weiteres erfĂŒllen können. Ich kann eben als Familienbetrieb nicht mehrere Stunden am Tag am Computer verbringen und eine weitere Arbeitskraft fĂŒr diese Aufgabe ist zu teuer.

Abgabe verhindert Akzeptanz

Dabei schreckt viele Vermieter auch die Provison ab, die sie an die TTT entrichten mĂŒssen. 12 Prozent des Bruttobetrages werden fĂ€llig, wenn der Gast ĂŒber ein online buchbares Angebot kommt. Bei einer Buchung per E-Mail, Telefon oder aber dem persönlichen Kontakt, der nicht ĂŒber die Buchungsplattform abgewickelt wird, entfĂ€llt diese Abgabe dagegen.

Grund genug fĂŒr viele kleine GĂ€stehĂ€user und Pensionen nicht auf das Onlinebuchungssystem von “im-web” zurĂŒckzugreifen, sondern dort nur einen Kontakt zu hinterlegen. Auch die Möglichkeit bei einer Online Buchung einfach die fĂ€llige Abgabe auf den Zimmerpreis drauf zu schlagen erscheint Waldenmaier als nicht praktikabel.

Dann mĂŒssten wir ja zwei verschiedene Preise anbieten, einen im Falle der Online Buchung ĂŒber das Portal und einen im Falle einer sonstigen Buchung. Das ist vor allem aus Sicht des Gastes nicht zu erklĂ€ren.

Online Buchung grundsÀtzlich sinnvoll

Trotz aller Kritik sehen jedoch nicht alle GĂ€stehausbetreiber die Abgabe als negativ und auch nicht als den grĂ¶ĂŸten Faktor fĂŒr die mangelnde Akzeptanz der Online-Buchungsmöglichkeit. Bernhard Kaiser, Inhaber des Wiesseer Hotels Askania und gleichzeitig Vorsitzender des Verkehrsvereins sagt:

Die Abgabe an den alten Anbieter tiscover war deutlich höher als die jetzigen zwölf Prozent bei im-web. Meines Erachtens leistet die TTT einen wichtigen Beitrag bei der Vermarktung des Tegernseer Tals im Allgemeinen und dem Online-Marketing im Besonderen. Dies wird auch durch das Geld der Vermieter sichergestellt.

Nichts desto trotz gibt auch Kaiser zu bedenken, dass gerade die kleinen Betriebe natĂŒrlich Schwierigkeiten hĂ€tten den mit der Pflege des Buchungssystems verbundenen Zeitaufwand zu schultern.

Das Thema Onlinebuchung wird demnach auch innerhalb der Hoteliers und GĂ€stehausbetreiber kontrovers diskutiert. Dabei ist weniger die von BĂŒrgermeister HĂ¶ĂŸ vermutete Angst der Betreiber vor dem Internet sondern eher die mit der Online Plattform “im-web” verbundenen Konditionen sowie der Aufwand das Thema.

Ein Einwand, den Georg Overs nachvollziehen kann. Allerdings gibt der TTT-Chef zu bedenken, dass der Gast entscheidet, welches Angebot man ihm vorsetzt und welches nicht. “Wir mĂŒssen uns alle gemeinsam Gedanken machen, wie wir die Herausforderungen meistern.” So gĂ€be es laut Overs Dienstleister, die den Vermietern einen Teil der neuen Aufgaben abnehmen könnten.

Fest steht, dass ein gutes Onlinebuchungsangebot fĂŒr den Gast mittlerweile ein KO-Kriterium darstellt. Jedoch ersetzt das, vor allem im StammkundengeschĂ€ft, den persönlichen Kontakt des Vermieters zum Gast nicht. Und so bleibt fĂŒr jedes GĂ€stehaus auch die Möglichkeit, Neukunden in wiederkehrende GĂ€ste umzuwandeln. Der Vorteil dieser Gruppe: sie ist loyal und bucht direkt. Das verbessert die Auslastung und spart bares Geld.

Moderation von Kommentaren

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  • Wollmaus

    Warum sollte ich bei “online-buchen” mitmachen, wenn es auch so bestens lĂ€uft, so gut wie in dieser Saison war es schon lange nicht mehr, fast alle GĂ€ste blieben bei uns 14 Tage. Kein Tag Leerlauf, keine LĂŒcken und viele haben schon fĂŒr nĂ€chstes Jahr gebucht. Da weiss man, wer kommt und freut sich auf nette GĂ€ste und braucht auch nichts “abdrĂŒcken”.

  • tegarinseo

    Was heißt, es “entscheidet auch der Kunde”? NUR der Kunde entscheidet, wohin er fĂ€hrt. Niemand anderes. Und es ist auch allein seine Entscheidung, ob er ĂŒber das Internet bucht oder auf einem anderen Weg.

    • http://www.tegernseerstimme.de Tegernseer Stimme

      Da haben Sie Recht. Das Wort “auch” in der Überschrift ist tatsĂ€chlich ĂŒberflĂŒssig.

  • Schorsch

    Auf dem Gebiet “Suchverhalten im Internet” hat auch Herr BĂŒrgermeister HĂ¶ĂŸ noch Nachholbedarf. Wer sucht im Internet schon nach “Bad Wiessee” UND “Oktober” ?

  • wiesseer

    siehe oben

    “GesprĂ€che hat man gemerkt, passt man ĂŒberhaupt zueinander.”

    Na das GeschÀft scheint ja extrem gut zu laufen alle HÀuser ganzjÀhrig ausgebucht.
    Der Gast muss in Wiessee Bewerbungsunterlagen vorlegen, nur wenn er zum Vermieter passt bekommt er ein Zimmer.

    Da kann man nur sagen “die arroganz stirbt zuletzt”