Donnerstag, 23. Mai 2013

Tegernsee und Sparkasse einigen sich auf Kompromiss zu Werbeanlagen

Roter Schriftzug muss bronze werden

ErgÀnzung vom 04. Oktober / 16:57 Uhr
Nachdem in der letzten Sitzung der Tegernseer Bauausschuss noch zu keiner Entscheidung bezĂŒglich des unliebsamen Schriftzuges am SparkassengebĂ€ude gekommen war, wurde der Antrag der Kreisparkasse vom Stadtrat nun mit einer kleinen Änderung durchgewunken.

Der Kreisbaumeister, der bisher anderer Meinung ist als die StadtrÀte, könnte die Entscheidung allerdings immer noch kippen lassen.

Hier sieht man die geplante Fassadengestaltung / Quelle: Kreissparkasse Miesbach Tegernsee

Dabei gestaltete sich die Entscheidungsfindung erwartungsgemĂ€ĂŸ als gar nicht so einfach. Schließlich ging es in der Sache um ein GebĂ€ude an einem der prominentesten PlĂ€tze in Tegernsee: dem Rathausplatz.

Nicht passend

Bedacht werden musste aus Sicht der StadtrĂ€te dabei vor allem das Zusammenspiel des neugestalteten Schriftzugs mit dem angrenzenden Haus des Gastes sowie dem denkmalgeschĂŒtzten Rathaus. Gestört hat da in erster Linie die rote Farbe der Apotheke und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee.

„Diese Farbe mag zwar fĂŒr die Sparkasse ĂŒblich sein und auch einen Wiedererkennungswert haben.FĂŒr den Rathausplatz ist sie jedoch einfach nicht passend“, so die ĂŒberwiegende Meinung. BĂŒrgermeister Peter Janssen erklĂ€rte daraufhin, dass man sich in einem Treffen tagsdavor bereits mit der Sparkasse geeinigt habe. Einzig das Sparkassen „S“ und das Apotheken „A“ werden wie geplant in dem ĂŒblichen Rot gestaltet. Der Rest des Schriftzuges soll jedoch bronzefarben werden.

Waakirchen macht es vor

Den Vorwurf einer Extra-Wurst will man in Tegernsee aber nicht auf sich sitzen lassen: „Wenn ich richtig informiert bin, dann ist man diesen Kompromiss auch bei der Sparkasse in Waakirchen schon eingegangen“, so Janssens Frage an die anwesenden Sparkassenvertreter. Eine Information, die die Angesprochenen bestĂ€tigten.

In Waakirchen wurde auf Wunsch auch auf den roten Schriftzug verzichtet

Im Antrag der Sparkasse war allerdings noch von einem roten Schriftzug die Rede gewesen, weshalb dieser zunĂ€chst abgelehnt werden musste. Gleichzeitig wurde Janssen vom Stadtrat bevollmĂ€chtigt, einen neuerlichen Antrag der Kreissparkasse mit brozenem Schriftzug eigenmĂ€chtig zu beschließen.

Kreisbaumeister kann Veto einlegen

„Schließlich wollen wir ja alle, dass die Sparkasse bis zur Eröffnung am 29. Oktober auch ihren eigenen Schriftzug anbringen kann“, erklĂ€rte Janssen. Gleichzeitig betonte er jedoch auch, dass die endgĂŒltige Entscheidung nicht bei der Stadt liegt.

„Wir geben nur das Einvernehmen ab, entscheiden muss das Landratsamt“, so der Rathauschef. Die ausstehende Entscheidung könnte jedoch durchaus noch zu einem Problem fĂŒr Tegernsee werden. Denn der Kreisbaumeister hat sich in seinem Bericht explizit fĂŒr die rote Schriftfarbe ausgesprochen.

„Das wundert mich zwar ehrlich gesagt sehr, aber wenn das Landratsamt dann so entscheidet, mĂŒssen wir uns auch daran halten“, fand Janssen noch abschließende Worte und erklĂ€rte damit den Tagesordnungspunkt fĂŒr erledigt.

UrsprĂŒnglicher Artikel mit der Überschrift: Apotheke und Sparkasse – Reklame scheitert an GeschmĂ€ckern
Die Kreisparkasse und die Hof-Apotheke haben Mitte August jeweils einen Antrag auf Errichtung von Werbeanlagen am Rathausplatz gestellt und benötigen fĂŒr die endgĂŒltige Anbringung eine Genehmigung der Stadt.

Nach viel Diskussion hat der Tegernseer Bauausschuss am gestrigen Abend die Entscheidung jedoch vertagt. „Die Gestaltung gefĂ€llt nicht“, so die BegrĂŒndung. FĂŒr Andreas ObermĂŒller (FWG) ist das nicht nachvollziehbar.

Über den Schaufensterscheiben im Erdgeschoss soll zwei Werbeanlagen angebracht werden. Doch noch scheitert eine Genehmigung an GeschmĂ€ckern.

Über den Schaufensterscheiben im Erdgeschoss sollen zwei Werbeanlagen angebracht werden.

Über 30 Minuten diskutierten die StadtrĂ€te in Tegernsee ĂŒber den eigentlich rein formellen Tagesordnungspunkt zur Anbringung zweier Werbeanlagen. Letztlich sei in dieser Zeit ĂŒber vieles gesprochen worden, nur nicht ĂŒber die Sache an sich, so sieht es zumindest Andreas ObermĂŒller.

Der FWG-Vorsitzende entscheidet normalerweise am Ratstisch mit, musste jedoch wegen persönlicher Befangenheit – er betreibt die Hof-Apotheke – das Geschehen als neutraler Zuschauer verfolgen.

Apotheken “A” und Sparkassen “S” tangieren Denkmalschutz

GrundsĂ€tzlich geht es auf der linken Seite des GebĂ€udes um die Anbringung eines „A“ und des Apothekennamens. Die 35 Zentimeter hohen Buchstaben der Reklame sollen zudem mit Leuchtdioden angestrahlt werden.

Auf der rechten Seite des gerade frisch renovierten Hauses will die Kreissparkasse das Sparkassen-„S“ im Eingangsbereich anbringen. ZusĂ€tzlich soll auch der Schriftzug “Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee” ĂŒber den Schaufenstern platziert werden.

Das „A“ und das „S“ alleine können ĂŒbrigens einfach so angebracht werden. Sie sind kleiner als ein Quadratmeter und bedĂŒrfen daher keiner Genehmigung durch die Stadt. Die grĂ¶ĂŸeren Elemente brauchen jedoch eine Freigabe.

Und so kamen bei der gestrigen Diskussion unter anderem Themen wie der Denkmalschutz von angrenzenden GebÀuden, die allgemeine Fassadengestaltung am Rathausplatz 5 an sich und einige weitere Bedenken zur Sprache.

Runder Tisch soll Unklarheiten beseitigen

„In der Sache gibt es noch weiteren GesprĂ€chsbedarf“, teilt uns Tegernsees GeschĂ€ftsleiter Hans Staudacher auf Nachfrage mit. Die gestrige Beschlussfassung sei “an Geschmacksfragen gescheitert” und auch in Bezug auf die allgemeine Fassadengestaltung gĂ€be es noch KlĂ€rungsbedarf.

FĂŒr ObermĂŒller ist das alles nur schwer nachzuvollziehen. „Was es gegen die SchriftzĂŒge einzuwenden gibt, erschließt sich mir nicht“, sagt der Apotheker und kritisiert:

So ein Verhalten hat es im Bauauschuss wegen eines Antrags auf Anbringung einer Werbeanlage in den letzten zehn Jahren nicht gegeben.

Die Diskussion entsprach genau dem Gegenteil von dem, wie ich mir eine regelgerechte Behandlung eines Antrags vorstelle.

Entweder mĂŒsse laut ObermĂŒller ein solcher Antrag mit entsprechenden rechtlichen BegrĂŒndungen abgelehnt (vgl. Großwerbeanlage abgelehnt) oder eben genehmigt werden. Eine Vertagung sei hier völlig unĂŒblich.

Die Sanierungsarbeiten an der Hausfassade am Rathausplatz 4 sind fest abgeschlossen. Nun soll die Gestaltung doch nicht so sein, wie sie sich der Stadtrat vorstellt.

Die Sanierungsarbeiten an der Hausfassade am Rathausplatz 5 sind fast abgeschlossen.

Laut BĂŒrgermeister Peter Janssen ist die Vertagung dagegen völlig einwandfrei: “Wir sind mit dem Ergebnis der Fassadengestaltung einfach noch nicht zufrieden.” Die Werbeanlagen könnten besser gestaltet sein. Daher wurde die Entscheidung vertagt und soll nun nochmals in großer Runde im Stadtrat Anfang Oktober behandelt werden.

Zuvor will sich Janssen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse sowie mit Vertretern des Denkmalschutzes treffen, um mögliche Anpassungen zu besprechen.

Der gesamte Rathausplatz sei in den letzten Jahren fĂŒr viel Geld neu gestaltet worden. Dementsprechend will Janssen nun auch die Fassade des Sparkassenhauses nicht einfach so stehen lassen. Dabei steht das GebĂ€ude selbst nicht unter Denkmalschutz. Allerdings tangiere die Werbeanlage das denkmalgeschĂŒtzt Rathaus und das Haus des Gastes.

So wird die Sache bereits am 2. Oktober in der nĂ€chsten Stadtratssitzung behandelt. Dann darf sich der Apotheker wieder zurĂŒcklehnen und hoffen, dass seine Werbung – und die der Sparkasse – doch noch genehmigt wird.

Moderation von Kommentaren

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  • s

    …dem GebĂ€ude hĂ€tte man wieder FensterlĂ€den spendieren sollen. So sieht das im Kontrast zum Rathaus doch sehr merkwĂŒrdig aus.

  • veritas

    Volle zustimmung “s”.

    An sich finde ich es gut wenn GebĂ€ude die in unmittelbarer NĂ€he von denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€ude stehen gewissen Pflichten unterstehen, aber wieso “darf” dann die Sparkasse jetzt so ausschauen? Sieht im Moment aus wie ein 0815 Fertigbau.

    Oder kommen noch FensterlÀden an die Sparkasse?

  • Hermann Singer

    Um es mit Heinz RĂŒhmann zu sagen: Das Aussehen des SparkassengebĂ€udes ist “hĂŒbsch hĂ€sslich”

  • Herbert Richter

    Haben D I E keine anderen Sorgen?

  • Tegernseer

    So wie das GebĂ€ude jetzt ausschaut, kann die Farbe der SchriftzĂŒge eh nichts mehr verschandeln. Die gelbe Farbe paßt nicht zu Rathaus und Haus des Gastes. Mit FensterlĂ€den könnte man wahrscheinlich die Schießscharten optisch wieder abmildern.
    Normalerweise sollte eine Renovierung auch eine Verbesserung mit sich bringen – hier ist das Gegenteil der Fall.

    • Da Gmunder

      Ja, sehr richtig! Ich bin auch der Meinung das man eher drauf schauen hĂ€tte mĂŒssen,dass das Gelb der Fassade zu den andern beiden GebĂ€uden passt, als sich jetz ĂŒber die Farbe der SchriftzĂŒge den Kopf zu zerbrechen!
      Aber ehrlich gesagt wundert mich in Tegernsee schon lange nichts mehr. Die Vorhaben und durchgefĂŒhrten Vorhaben des Herrn Jansen haben mir schon oft die Haare zu Betge stehn lassen!!

    • Tegernseer Stimme

      In der Sitzung ist von BĂŒrgermeister Peter Janssen ebenfalls angesprochen worden, dass bei der Sparkasse dieser Eindruck offenbar auch entstanden ist. Deswegen möchte man sich jetzt nochmal zusammen setzten und die Fassadengestaltung ĂŒberarbeiten. Wann dies jedoch zu einem Ergebnis fĂŒhren wird, ist derzeit noch offen.

      Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

      Die Redaktion

  • Ex-Tegernseeerin

    schon wieder eine Chance verpasst! Kein Interesse an Baukultur und Archiektur! Und sowas an dieser Stelle! Schande

  • Der heilige Geist

    Find es nicht gut, dass die Stadt Tegernsee auch noch die Farbe des Schriftzuges festlegen will – haben die keine anderen Probleme? Das Rot ist nunmal die Farbe der Sparkasse, so erkennt man die Sparkasse; Unternehmen geben fĂŒr ihr “Coporate Identity” viel Geld aus, gerad um wiedererkannt zu werden.

    Mit solch einer Entscheidung tut sich die Gemeinde keinen Gefallen, die sollte sich nicht in geschÀftliche Angelegenheiten von ansÀssigen Unternehmen so massiv einmischen.

    • Susi

      Ach je wenn das so einfach wĂ€re, jeder der an seinem GeschĂ€ft Werbung/ GeschĂ€ftsnamen anbringen will muss das fĂŒr teuer Geld bei der jeweiligen Gemeinde bewilligen lassen, bei mir sind damals wegen des auswechselns einer verschimmelten, vergammelten Markise zu einer neuen (in der Farbe meines GeschĂ€ftslogos- so wie die Sparkasse rot hat) 5(!!!!) Juristen im Laden gestanden und haben Stunden lamentiert ob das nun so geht oder nicht und das Ende vom Lied war, dass ich eine andere Farbe wĂ€hlen musste sonst hĂ€tte ich immense Strafen zahlen mĂŒssen und die Markisen trotzdem wieder abbauen……
      Das ist doch so schön bei uns in Bayern!! juhu