Freitag, 24. Mai 2013

Kreuth und Rottach will Falschmeldeproblem mit 500-Euro-Pauschale lösen

Brandmelder lassen Feuerwehrler verzweifeln

Drei Mal musste die Freiwillige Feuerwehr in Kreuth letzte Woche ausrĂŒcken. Jedesmal war es ein automatisch von einem Brandmelder ausgelöster Alarm. „In diesem Jahr hat diese Art der Alarmierungen die HĂ€lfte aller unserer EinsĂ€tze ausgemacht“, weiß Kreuths Erster Kommandant Thomas Wolf.

Dabei kommt es nicht selten vor, dass die ehrenamtlichen Retter mitten in der Nacht rausfahren, um nach kurzer Zeit wieder heim zu kommen und der Familie mitteilen zu mĂŒssen: „War wieder nur ein Fehlalarm.“ ZusĂ€tzlich leiden auch die Arbeitgeber, die den Arbeitsausfall decken mĂŒssen.

Von links: Thomas Wolf, Kreuths BĂŒrgermeister Josef Bierschneider, TEG GeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Reith, Feuerwehrvorstand Hans Leo und der kaufmĂ€nnische Leiter des E-Werks Manfred Pfeiler. Bild: Archiv

Oft können es sehr kuriose Dinge sein, die einen Brandmeldealarm auslösen: Ein Hausmeister, der in einer Garage seine SchneefrĂ€se fĂŒr den Winter testet. Handwerker, die zu viel Staub aufwirbeln, ohne den Melder zuvor vom Netz zu nehmen. Oft ist es auch menschliches Versagen, wenn beispielsweise die Essen auf der Herdplatte vergessen wird. Manchmal sogar Milben, die in den Vorrichtungen KurzschlĂŒsse auslösen.

Das schlimme ist nur: Bei der Feuerwehr kann man nicht unterscheiden – ist es ein echter Brand oder rĂŒckt man zum X-ten Mal „umsonst“ aus. FĂŒr Kommandant Wolf ein Missstand, der zukĂŒnftig sogar noch schlimmer werden könnte:

Der Gesetzgeber macht Vorgaben, so dass es in den nÀchsten Jahren immer mehr Brandschutzanlagen in privaten und gewerblichen RÀumen geben wird.

Pauschale von 500 Euro fĂŒr wiederholten Fehlalarm

Einen grundsĂ€tzlichen Vorwurf will Wolf den Kreuther Hauptverursachern – die Seniorenresidenz Villa Brunneck, das Ringbergschloss und auch das Hotel Bachmair an der Weissach – nicht machen. „Sie geben viel Geld fĂŒr WartungsvertrĂ€ge der Brandschutzanlagen aus.“

Andererseits Àrgert es Wolf allerdings, dass die Haustechniker einfach nicht lernen wollen, einzelne Zimmer bei Handwerksarbeiten vom Brandmeldenetz zu nehmen.

Von Seiten der Gemeinden in Kreuth und Rottach hat man nun – soweit es den RĂ€ten möglich ist – auf die MissstĂ€nde reagiert und die AufwandsentschĂ€digungen fĂŒr das AusrĂŒcken der Feuerwehrler deutlich nach oben geschraubt.

So werden beispielsweise in Kreuth bei einem wiederholten Fehlalarm zukĂŒnftig bis zu 500 Euro pauschal in Rechnung gestellt.

Gemeinde deckt Arbeitsausfall

Ob teure Rechungen jedoch des Weisheits letzter Schluss sind, muss hinterfragt werden. Schon heute leiden laut Wolf die Zahlen der Feuerwehrler, die bei einer Alarmierung tatsĂ€chlich ausrĂŒcken. “Bei einem Alarm kommen immer weniger Feuerwehrler zum Feuerwehrhaus. Vor allem nachts ist das ein Problem.”

Noch dazu wĂ€chst der Ärger von Seiten der Arbeitgeber, weil relativ viele Stunden ausfallen wĂŒrden. „Zum Teil holt man die ausgefallene Zeit und die liegengebliebene Arbeit abends wieder nach“, erklĂ€rt Wolf. Aber solche Opfer fĂŒr die ehrenamtliche TĂ€tigkeit bringen zu mĂŒssen, die am Ende keinen erkennbaren Nutzen hat, sehen viele einfach nicht mehr ein.

Da wĂŒrde es auch nicht immer helfen, dass es zwischen Arbeitgebern und der Gemeinde eine Übereinkunft gibt, dass ausgefallen Stunden der Gemeinde in Rechnung gestellt werden können, um so dem Arbeitgeber einen Teil seiner Kosten zu erstatten.

Die wĂŒrde laut Wolf vor allem dann nichts bringen, wenn die Feuerwehrler nachts um 3 Uhr nicht zuletzt auch fĂŒr Fehlalarme aus dem Bett mĂŒssten und wenig spĂ€ter wieder ganz normal zur Arbeit gehen. “Ein mĂŒder Feuerwehrler ist eben kein sehr produktiver Feuerwehrler.”

Bildquelle – Startseite: weichner.de

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  • http://www.ffw-kreuth.de FFW Kreuth

    Hier ist die richtige Bildunterschrift fĂŒr das abgebildete Foto:

    http://www.tegernseerstimme.de/spenden-entlasten-den-gemeinde-haushalt/44591.html#more-44591

    • http://www.tegernseerstimme.de Tegernseer Stimme

      Danke fĂŒr den Hinweis. Wir haben das im aktuellen Artikel angepasst.

  • http://www.zug-oberach.de Feuerwehrler

    Die RĂ€te haben die Preise der AufwandsentschĂ€digung fĂŒr das AusrĂŒcken ehrenamtlicher Feuerwehrler deutlich nach oben geschraubt. Die Tatsache, dass ausschließlich die Freiwilligen auf dem Weg zum Feuerhaus und auf dem Weg zum Einsatzort höchstes Risiko gehen, keinen Cent AufwandsentschĂ€digung bekommen und die Kommunen dafĂŒr die Hand weiter als bisher aufhalten, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. FĂŒr EinsĂ€tze tagsĂŒber kann der Arbeitgeber der Gemeinde ausgefallene Stunden in Rechnung stellen, das ist so o.k., Mehr-Einnahmen durch zahlreiche Nacht-Fehlalarme landen hingegen direkt in den Gemeindekassen. Wie sollen freiwillige Feuerwehrleute motiviert werden, mit der Aussicht, dass sie dank des Gesetzgebers immer hĂ€ufiger freiwillig und rund um die Uhr wegen zahlreicher Fehlalarme ausrĂŒcken sollen und gleichzeitig das Unfallrisiko auf dem Weg zum Feuerhaus bzw. zum Einsatzort deutlich ansteigt ? Ein rasches Umdenken der Verantwortlichen wĂ€re notwendig, um dem spĂŒrbaren RĂŒckgang freiwilliger Helfer entgegenzusteuern. Die EinfĂŒhrung der Ehrenamtskarte wird dazu nicht ausreichen.

    • auch Feuerwehrler

      “auf dem Weg zum Feuerhaus und auf dem Weg zum Einsatzort höchstes Risiko gehen”

      Wenn ich das lese, tut’s mir fĂŒr viele freiwillige Kollegen Leid. Denn es scheint wieder die Aktionsgeilheit von wenigen zu bestĂ€tigen…

      Ankommen statt umkommen! Egal ob Fehl- oder Echtalarm – wer mit höchstem Risiko auf der Straße unterwegs ist, gehört nicht ans Steuer eines Einsatzfahrzeuges!

      • ebenfalls Feuerwehrler

        Ich denke, dass man die Bezeichnung “höchstes Risiko” im o.g. Text nicht ĂŒberbewerten darf.
        Bei jeder Fahrt zum GerÀtehaus trÀgt der Feuerwehrler ein Risiko. NÀmlich das allgemeine
        Risiko im Strassenverkehr. Durch die Einsatzsituation werden die meisten wohl auch ein wenig
        schneller als normal zum GerÀtehaus fahren. Wenn einer sagt er tut das nicht, glaube ich Ihm das nicht.

        Auch bei der Fahrt zur Einsatzstelle mit dem Feuerwehrauto besteht ein erhöhtes Risiko. Dies ist
        bei Blaulichtfahrten nun mal so. Das heisst nicht, dass man deshalb hirnlos fahren muss.
        Und ich denke, dass man den doch sehr geringen Unfallzahlen mit Einsatzfahrzeugen sieht, dass
        hier verantwortungsvoll gehandelt wird.

        Das grosse Ärgernis ist eher, dass die Alarmierungen zu den Brandmeldeanlagen in letzter Zeit
        wieder hĂ€ufiger sind und das meistens aus absolut nichtigen und vermeidbaren GrĂŒnden. Und zudem
        im Bereich Kreuth bei den immer gleichen Objekten. Eines ist besonders schlimm.

        Hier fehlt es einfach am sorgfÀltigen Umgang mit der Anlage vom Betreiber. Wenn es Ihn nichts kostet,
        wenn die Feuerwehr kommt, hat er auch keinen Grund etwas zu Àndern.

        Und wie schon erwĂ€hnt, sinkt die Einsatzmoral drastisch. Bei Alarmierungen bei den immer gleichen Objekten ĂŒberlegt man es sich mittlerweile schon zweimal, ob man die Arbeitsstelle oder das warme Bett verlassen soll. Überwiegend siegt der Helfertrieb und der Gedanke “Wenn jetzt wirklich was ist?”.