Dienstag, 21. Mai 2013

Realschule Gmund informiert über Gefahren im Internet

Cybermobbing und Facebook

Unter dem Motto “Gefahren im Internet” hatten sich gestern in der Realschule Gmund (derzeit noch in Bad Wiessee) etwa 90 Zuhörer – in der Mehrheit Eltern von Schülern – eingefunden. Für viele der Anwesenden war der Vortrag eine Art Unterrichsstunde.

Vor allem bei der Frage nach der Facebook-Nutzung wurde die Diskrepanz zwischen den Erwachsenen und ihren Kindern offensichtlich. Doch mangelnde Nutzung kann in so einem Fall zu Problemen führen. Vor allem wenn die Eltern nicht wissen welche neuartigen Risiken auf ihre Schützlinge zukommen können.

Tobias Schreiner bei seinem Vortrag in der Turnhalle der Realschule Gmund

Dass Facebook aber nur ein Teil der neuen und relativ komplexen Medienwelt ist, wurde in dem sehr praxisnahen Vortrag von Tobias Schreiner, IT-Lehrer an der Realschule, klar. Und so ging Schreiner in seiner 90-minütigen Präsentation auch auf die allgemeinen Risiken des Internets ein.

Rechtliche Probleme, jugendgefährdende Inhalte, Suchtrisiken für Jugendliche und Cybermobbing. Vor allem das letzte Thema lag dem Lehrer am Herzen.

“Mobbing hat es schon immer gegeben”

Denn im letzten Jahr sind der Wiesseer Schulleitung um Stefan Ambrosi drei Fälle von Mobbing übers Internet bekanntgeworden. Betroffen waren Kinder aus der 6. und 7. Klasse. “Das ganze fängt ganz einfach an. Da werden peinliche Bilder bei facebook eingestellt und mit dem Namen des Jugendlichen markiert. Alles sehr subtil, trotzdem wirksam,” so Schreiner, der dazu rät im Ernstfall schnell die richtigen Schritte einzuleiten:

- Das Gespräch mit den Kindern suchen
- Offenheit zeigen
- Beweise sichern
- Nicht im Internet reagieren
- Hilfe in Anspruch nehmen
- Wenn nicht anders möglich Anzeige bei der Polizei erstatten

In den drei Wiesseer Fällen konnte das Problem über ein persönliches Gespräch zwischen Schulleitung, einer Jugendbeauftragten und den Kindern aus der Welt geschafft werden. Doch das so Schreiner sei nicht immer möglich, weil vor allem nicht alle Fälle bekanntwerden. “Kinder können eben grausam zueinander sein. Das gabs aber auch schon vor dem Internet.”

Die Herausforderung liegt vor allem in der Medienkompetenz der Eltern. Wenn diese nicht vorhanden ist, können auch die eigenen Kinder nicht ausreichend geschützt werden. Die ebenfalls anwesende Dorothee Erpenstein, medienpolitische Referentin der Bayerischen Staatskanzlei, wies daraufhin dass die Eltern an erster Stelle stehen, wenn es heißt Kindern Medienkompetenz beizubringen. Die Schule könne das nur unterstützen.

Neben lesen, schreiben und rechnen sei es laut Erpenstein unumgänglich sich auch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und sich den Zugang zu “diesem Internet” zu erarbeiten.

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  • auchWiesseer

    Sicherlich ist das Onlinemobbing ein ernstzunhemendes und immer größer werdendes Problem. Gut ist es auch, dass die Schulen hier die Initiative ergreifen und die Eltern mit ins Boot nehmen um diese zu sensibilisieren.
    Was wird allerdings an den Schulen gegen das tägliche Mobbing unternommen? Was wird dagegen unternommen wenn Lehrer wegschauen? Was wird dagegen unternommen wenn die Schulleitung wegschaut?
    In meinen Augen liegt hier noch einiges im Argen. Meistens sind es doch die Lehrer die sich durch Wegschauen stillschweigend mit den Mobbern solidarisieren.

  • http://www.realschule-gmund.de Tobias Schreiner

    Lieber auchWiesseer,

    da es im ursprünglichen Artikel ja um unsere Schule geht, versuche ich mich mal an einer Antwort:

    Die Rückfrage, was Schulen gegen “normales” Mobbing unternehmen, ist sicherlich berechtigt. Zunächst muss man feststellen, dass es ja meistens so ist, dass Hänseleien, Streitereien und handfestes Mobbing im Internet ja zumeist die Folge von ähnlichem Verhalten in der Realität sind. Im Netz wird nur das fortgesetzt, was im Klassenzimmer schon begonnen hat.

    Wir versuchen auf verschiedenen Ebenen, präventiv und intervenierend tätig zu sein: Das beginnt mit Klassenfahrten in der 5. Klasse, bei denen gemeinsam mit Sozialpädagogen anhand von erlebnisorientierten Übungen konfliktfreie Kommunikation und Kooperation eingeübt werden soll. Außerdem fahren wir Projekte wie z.B. SAFE (SchülerAufmerksamkeit FürEinander), wobei Schüler sensibilisiert werden sollen, aufeinander zu achten. Daneben arbeiten wir eng mit der Polizei und hier vor allem mit der Jugendbeamtin in Bad Wiessee zusammen, die uns einerseits mit Präventionsprojekten zum Thema Mobbing sehr unterstützt und die wir andererseits aber auch dann zu Hilfe rufen, wenn wir das Gefühl haben, dass Grenzen in einer Art und Weise überschritten werden, dass dem Betreffenden eine ernste Ansprache der staatlichen Gewalt hilfreich sein könnte.

    Der wesentlichste Punkt ist aber wohl, offen zu sein für die Sorgen und Probleme der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern. Wir sind schon ein bisschen stolz, dass z.B. bei unserer Elternbefragung im vergangenen November 87,5% der Eltern der Schulleitung bescheinigen, für ihre Anliegen jederzeit ansprechbar zu sein (alle Ergebnisse der Umfrage: http://realschule-gmund.de/download/elternumfrage_grafische_auswertung.pdf).

    Ausgrenzung, Hänseleien, Streit und Mobbing kommen meines Erachtens an jeder Schule vor. Und auch bei uns läuft sicher nicht immer alles super. Aber, um die Fragen wenigstens ansatzweise zu beantworten:

    Gegen das tägliche Mobbing (ich hoffe, dass es nicht täglich ist), fahren wir verschiedene Projekte und versuchen, schnell einzugreifen, wenn wir davon erfahren. Damit wir schnell davon erfahren, versuchen wir eine “Kultur des Hinsehens und Zuhörens” zu etablieren, die auch von möglichst allen Lehrkräften mitgetragen werden soll, die auch durch die Präventionsprojekte für dieses Thema sensibel sind.

    Tobias Schreiner
    Mitarbeiter i.d. Schulleitung

    Staatliche Realschule Gmund a. Tegernsee

    • auchWiesseer

      Sehr geehrter Herr Schreiner,

      vielen Dank für Ihre aufschlussreiche und ausführliche Darstellung.

      Es es ist schön zu hören welche großen Anstrengungen hier unternommen werden um betroffenen Schülern zu helfen.

      Mobbing von Schülern wird es sicherlich immer geben, nur ein konsequentes Einschreitein und Vermitteln der Lehrer kann zu einer spürbaren Verbesserung für den betroffenen Schüler führen.

      Ich wünsche auf jeden Fall für den eingeschlagenen Weg viel Erfolg.