ErgÀnzung vom 11. Februar / 14:14 Uhr
Letzte Woche waren wir bei den Restaurateuren, die bereits seit drei Jahren das Heilige Grab aus der Egerner Kirche in mĂŒhevoller Kleinstarbeit wieder herstellen. Dabei ist neben dem Bericht und den Bildern auch ein schönes Video von den Arbeiten am Werk Ignaz Schilling`s entstanden. Das letzte Mal Ostern 1889 errichtet, soll es zur 900-Jahrfeier der Egerner Kirche in diesem MĂ€rz wieder aufgebaut werden.
Viel Spass mit dem Video:
UrsprĂŒnglicher Artikel vom 07. Februar mit der Ăberschrift “Das Heilige Grab von Rottach-Egern â Wie der gealterte Zustand mit Fingerfertigkeit erhalten wird”:
âSo etwas bekommt man nur einmal im Leben.â Begeistert zeigt Stefan HundbiĂ seinen Arbeitsplatz zwischen Engelschören und himmlischen Heerscharen. Als Sanierer von der sanften Sorte hat er meist mit Heiligen zu tun.
âJa, ich bin katholisch,â schmunzelt HundbiĂ. Kirchen sind sein Arbeitsplatz. Ein Arbeitsplatz zwischen Kruzifixen, Engeln und Heiligen. Und das nötigt ihm natĂŒrlich eine besondere Ehrfurcht ab. Hier in der Werkstatt der Restaurierungsfirma Erwin Wiegerling in GaiĂach spĂŒrt man so etwas wie eine sakrale AtmosphĂ€re. Das mag mitunter auch an der Temperatur in der Halle liegen.
11 Meter hoch, 6 Meter breit â gefunden auf einem Dachboden
Exakt 8,5 Grad Celsius werden per Klimaanlage gehalten. Bei 55 Prozent Luftfeuchtigkeit. âWas die Bilder gar nicht mögen, ist, wennâs feucht ist,â erzĂ€hlt HundbiĂ, der Restaurierungsleiter. Seit zahlreichen Monaten befasst sich der gelernte Kirchenmaler zusammen mit seinem Team mit der Sanierung des Heiligen Grabes von Rottach-Egern.

Das Heilige Grab der Pfarrkirche St. Laurentius zu Rottach-Egern. Probeaufstellung in den RestaurierungswerkstĂ€tten Erwin Wiegerling in GaiĂach/Obb.
Pfarrer Norbert Kley hatte das elf Meter hohe und sechs Meter breite riesige Konstrukt vor vier Jahren auf dem Dachboden der Egerner Kirche gefunden. Stark gezeichnet war das Bilderwerk von WitterungseinflĂŒssen durch Wind, Regen und Schnee. Deshalb wurde dem Geistlichen auch nicht gleich bewusst, welchen Schatz er da vor sich hatte: Das Heilige Grab der Pfarrkirche, das in seinem Glanz zuletzt Ostern 1889 im Altarraum aufgebaut worden war. Gemalt von Ignaz Schilling, einem Kirchen- und BĂŒhnenmaler, gestorben im Jahr 1773.
Ein wenig andĂ€chtig bewegt sich Stefan HundbiĂ zwischen den GerĂŒsten aus Fichtenholz.
âDa ist fast nichts geschraubt,â erklĂ€rt er die Unterkonstruktion des GemĂ€ldekomplexes. Das OriginalgerĂŒst ging in der Vergangenheit verloren. âVerheizt wahrscheinlich,â vermutet der Sanierer.
GroĂe schwarze Eisenstecker halten das Holz zusammen. Vier Schreiner und ein Schlosser waren mit der Sanierung des komplette HolzgerĂŒstes beschĂ€ftigt, auf dem das Werk steht. âFast originalgetreu,â versichert der Restaurator, âbis auf die Treppen, die musste wir ein bisschen anders anlegen.â
Getragen von der stabilen Unterkonstruktion: Das eigentliche Heilige Grab â 27 GemĂ€ldeteile â bestehend aus Kulissen und Figuren. Grobe Leinwand auf Spannrahmen und Holz. Aufgebaut wie eine BĂŒhne, fĂŒllt es, wenn es in der Kirche steht, den kompletten Altarraum aus. Insgesamt vier Register reihen sich hintereinander. Die GröĂe ist beeindruckend.
Jedes Jahr zur Osterzeit ist das Werk zu bestaunen
Immer wieder entdeckt man kleine Szenen, die einem erst auf den zweiten Blick auffallen. Figurengruppen aus der Leidensgeschichte Jesu. Etwa die Dornenkrönung, die GeiĂelung, Jesus bei Pilatus, Jesus das Kreuz tragend oder die Kreuzigung sind detailgetreu nachgebildet. Zahllose namenlose Putti umrahmen die Passionsszenen.
Es wird einem ganz andĂ€chtig zumute. âFrĂŒher hat es so was öfters gegeben,â erzĂ€hlt HundbiĂ zum Heiligen Grab, âaber nicht in dieser GröĂeâ. Stattliche elf Meter ragt das Werk in die Höhe. Heute haben in unserer Region neben den Rottachern noch die GaiĂacher, Fischbachauer und Wolfratshauser ein Heiliges Grab.
Aufgebaut wird das gewaltige Werk jedes Jahr zur Osterzeit. Nach der Karfreitagslithurgie wird es aufgestellt und steht von da an bis zur Osternacht. Dann verschwindet die BĂŒhne wieder fĂŒr fast ein Jahr vor der Ăffentlichkeit.
Als Kirchenmaler und Restaurator sorgt HundbiĂ mit seinem Team dafĂŒr, die Werke frĂŒherer Baumeister und KĂŒnstler in seinem gealterten Zustand zu erhalten. âSo was kann man nicht alleine machen.â Die grobe Leinwand muss vorsichtig gereinigt, mit Tempera oder Leimfarbe die Farbe erneuert werden. Zum Schluss wird neues Blattgold mit Wachs aufgebracht.
Die Restauratoren brauchen vor allem eins: Geduld – und groĂe Sorgfalt. Denn die groĂen FlĂ€chen werden in mĂŒhevoller Kleinarbeit bearbeitet. Die kleinen Schollen werden eingeweicht und geglĂ€ttet. WeiĂe Stellen werden weggetĂŒftelt. Nur mit PĂŒnktchen und Stricheln wird nachgemalt. âAlles sieht aus wie marmoriertâ, erklĂ€rt der Restaurationsleiter die einzelnen Arbeiten. Auch wo und wie das Gold genau aufgebracht wird, hat Konzept. âSehen Sie, wie das schimmert,â begeistert er sich.
âZu unserem Beruf gehört viel Wissen und Erfahrungâ, schmunzelt HundbiĂ und fĂ€ngt wieder an zu SchwĂ€rmen. Von den GerĂŒsten, den Kirchen, der Verantwortung â immer in Abstimmung mit den Auftraggebern. Und von den Farben. Auf dem Tisch in der Werkstatt stehen GlĂ€ser mit allerhand Erdfarben. Roter Ocker, Gelber Mordent, Veroneser GrĂŒn â solch sprechende Namen tragen die geheimnisvoll anmutenden PĂŒlverchen.

Roter Ocker, Gelber Mordent, Veroneser GrĂŒn - das sind nur einige Namen der Farben, die verwendet werden
Dass sich bei dieser Arbeit eine intensive Beziehung zwischen Handwerker und dem zu sanierenden Objekt aufbaut, versteht sich von selbst. âDie KĂŒnstler arbeiteten frĂŒher sehr genau, mit viel Geschick und Zeitâ, erkennt HundbiĂ die Leistung alter Meister an. Zahlreiche HĂ€nde braucht es, um so ein umfangreiches Bild nach 300 Jahren wieder ansehnlich zu machen.
“Der Aufwand ist nur in Jahren zu messen
Drei GemĂ€lderestauratoren sind ĂŒber Jahre hinweg, mit Pausen eingerechnet, mit der Sanierung beschĂ€ftigt. âSeit vorletztem Jahr arbeiten wir daran,â fĂ€hrt HundbiĂ fort. Rund 100 Quadratmeter bemalte FlĂ€che sind zu bearbeiten. âIm Augenblick retuschieren wir gerade mit Farbe und Gold.â Ziemlich viel Kleinarbeit falle dabei an. Die Grundierung muss gefestigt, Bruchstellen geglĂ€ttet werden, bevor mit dem eigentlichen Malen begonnen werden kann.
âBauwerke und DeckengemĂ€lde haben mich schon immer fasziniert.â Es ist die Auseinandersetzung mit groĂformatiger Kunst, die HundbiĂ schon in jungen Jahren begeisterte. ZunĂ€chst lernte er Kirchenmaler, dann folgte die Ausbildung fĂŒr Wandmalerei. Seit 1983 beschĂ€ftigt er sich mit Restauration.
Inzwischen beschĂ€ftigt die Firma Erwin Wiegerling 50 festangestellte Mitarbeiter. âUnsere Jungen verschlĂ€gt es in die ganze Weltâ, erzĂ€hlt er stolz: Sie bekommen Anstellungen in Japan, Tibet und anderswo. Das Spektrum der Leistungen ist abwechslungsreich. Die Kunden: Meist die Kirche.
âZuerst fahren wir hin,â beschreibt er die Vorarbeiten. Auch in der Egerner Kirche hatten sich zahlreiche Vertreter von Behören und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz getroffen, um das Werk unter die Lupe zu nehmen. Die Firma Wiegerling hatte dann erst einmal ein Restaurationskonzept erstellt. Auf 37 Arbeitsphasen kommt HundbiĂ, wenn er alle Arbeitsschritte zusammenrechnet.
Viele Sponsoren aus dem Tal machen die Arbeit erst möglich
Diese wollen natĂŒrlich auch bezahlt werden. Um die Mittel zusammen zu bekommen, haben sich viele Talbewohner stark gemacht. Kurt Baiker, Vorstandsmitglied des Lions Clubs Tegernsee und Erwin Horak, PrĂ€sident der Staatlichen Lotterieverwaltung waren zwei Vorreiter, um die Spenden zu sammeln. Auch die Stiftung Denkmalschutz zĂ€hlt zu den Hauptgeldgebern. Die Landesstiftung, der Landkreis, das Landesamt fĂŒr Denkmalschutz, alle trugen sie, in Zusammenarbeit mit der Diözese, zum Gelingen der Finanzierung bei.
âBis Ostern wollen wir das Werk wenigstens hier fertig aufgebaut haben,â hofft der Restaurationsleiter. Zu den 900-Jahr-Feierlichkeiten soll das Heilige Grab dann wieder in Rottach sein.




































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