Donnerstag, 24. April 2014

E-Werk will in Rottach Pilotprojekt initiieren

Der Tegernsee als Seewasserkraftwerk

ErgÀnzung vom 9. Juli / 13:41 Uhr
“Wir werden der Gemeinde Rottach-Egern ein Angebot unterbreiten”, hat E-Werk-Chef Dr. Norbert Kruschitz heute auf Nachfrage bekanntgegeben.

In dem Angebot soll es um die Finanzierung sowie Machbarkeit der Energiegewinnung aus dem Wasser des Tegernsees gehen. ZukĂŒnftig sollen so das Rottacher Seeforum und das angeschlossene See- und Warmbad mit WĂ€rme versorgt werden.

Doch bis es soweit ist, muss Rottach noch eine Analyse zum genauen WĂ€rmebedarf der beiden GebĂ€ude ermittelt. HierfĂŒr wurde vor kurzem vom Gemeinderat der Auftrag erteilt, wie BĂŒrgermeister Franz Hafner mitteilte.

Über Seewasser Energie zu gewinnen ist grundsĂ€tzlich nichts Neues. Vor allem in der Schweiz praktiziert man diese Art der umweltfreundlichen Energiegewinnung schon seit einiger Zeit. Die Seen in ZĂŒrich und in St. Gallen sind hier wohl gute Beispiele.

Idee mehr als eine Vision?

Die Idee, dieses moderne Prinzip zur Energiegewinung nun auch fĂŒr den Tegernsee anzuwenden, schien hingegen bis vor kurzem eher eine langfristige Vision zu sein. Öffentlich brachte das Vorhaben Peter Janssen zur Sprache. Anfang Mai sagte er: “Der Klimaausschuss hat sich damit befasst. Nun geht es seinen gewohnten Weg”, gab Janssen zu Protokoll.

Mittlerweile ist klar, dass die Stadt sich die Energiegewinnung aus Seewasser fĂŒr die OrthopĂ€dische Klinik am Leeberg vorstellen kann. Doch der Transport des Wassers ĂŒber die nötigen Höhenmeter mit einem Pumpsystem bis zur Klinik sei laut Kruschwitz zu energieintensiv.

Die Folge: eine energieeffektive Nutzung muss in Frage gestellt werden. FĂŒr die Stadt Tegernsee kommt die Lösung somit – zumindest derzeit – nicht in Frage

Attraktive Sache fĂŒr Rottach

Umso attraktiver scheint die Energiegewinnung aus dem Wasser des Tegernsees hingegen fĂŒr Rottach-Egern und das energetisch runderneuterte Seeforum und das direkt angerenzende See- und Warmbad zu sein. Doch noch ist nicht klar, wie hoch der ganzjĂ€hrliche WĂ€rmeenergiebedarf fĂŒr die beiden GebĂ€ude zusammen ist.

Bekommt das Rottacher Seeforum eine moderne und umweltfreundliche Heizanlage zur WĂ€rmegewinnung?

Bekommt das Rottacher Seeforum eine moderne und umweltfreundliche Heizanlage zur WĂ€rmegewinnung?

Ein Gutachten, dass die Gemeinde in diesem Zusammenhang in einer der letzten Gemeinderatssitzungen in Auftrag gegeben hat, soll den zu erwartenden Energiebedarf ermitteln.

“Erst wenn wir den genauen Bedarf kennen, können wir ein entsprechendes Angebot machen”, gibt Kruschwitz zu verstehen, der daher auch noch keine konkreten Zahlen in Bezug auf Investitionssumme und Unterhaltkosten nennen will und kann.

Das Seeforum und das Warmbad in Rottach seien laut Kruschwitz jedoch grundsĂ€tzlich fĂŒr ein derartige WĂ€rmegewinnung geeignet und fĂŒr Rottach-Eger eine durchaus attraktive Lösung.

Ob und wie sich der Rottacher Gemeinderat dann letztlich in dieser Sache entscheidet, wird sich noch zeigen mĂŒssen. Das Gremium könnte mit einer positiven Entscheidung – vorausgesetzt der Betrieb eines Seewasser-Kraftwerk rechnet sich – sicherlich ein echtes Zeichen in punkto Energiewende am Tegernsee setzten.

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 14. Mai mit der Überschrift: Der Tegernsee als Kraftwerk
BĂŒrgermeister Peter Janssen hat in einem GesprĂ€ch mit Pressevertreten am letzten Mittwoch einen Vorschlag des Arbeitskreises Klimaschutz aufgegriffen. Dieser lautet: Energiegewinnung durch Seewasser.

Laut Janssen will man sich am Tegernsee dabei an bereits bestehende WĂ€rmekraftanlagen in ZĂŒrich und St. Moritz orientieren. Doch wie funktioniert das Prinzip im Einzelnen?

Unterm Strich steht ein Energiegegewinn

Seen wie der Tegernsee verfĂŒgen in der Tiefe das ganze Jahr ĂŒber eine nahezu konstante Temperatur von 4 Grad Celsius, auch im Winter und unter einer dicken Eisschicht. Zur Energiegewinnung wird dem See ĂŒber eine Rohrleitung Wasser aus der Tiefe entnommen und zur WĂ€rmepumpe geleitet. Diese kĂŒhlt das Wasser auf eine Temperatur von 1 Grad Celsius herunter und leitet das Wasser zurĂŒck in den See.

Das Prinzip der Heizung mit Seewasser gleicht dabei dem KĂŒhlschrankprinzip. Dieser entzieht den eingelagerten Lebensmitteln WĂ€rme und gibt sie ĂŒber ein Gitter an der RĂŒckwand an die Umgebung des KĂŒhlschranks ab. Die fĂŒr diesen Vorgang notwendige Energie muss dabei von außen durch ElektrizitĂ€t in die Pumpenanlage eingespeist werden. Das gleiche Prinzip gilt auch fĂŒr das Seekraftwerk. Zur Gewinnung von drei Kilowattstunden Energie ist dabei eine Kilowattstunde Strom vonnöten. Unterm Strich steht dadurch ein deutlicher Energiegewinn.

Der Kanton ZĂŒrich dient als Vorbild

Der Arbeitskreis Klimaschutz orientiert sich, so BĂŒrgermeister Janssen, dabei am Kanton ZĂŒrich. Der dortige ZĂŒrichsee ist ein beliebtes und bekanntes Erholungsgebiet und zugleich das wichtigste Trinkwasserreservoir fĂŒr die Stadt und Umgebung. Sein Wasser dient auch als ideale Energiequelle fĂŒr drei Seewasserverbunde, die rund um das ZĂŒricher Seenbecken verschiedene GebĂ€ude heizen und auch kĂŒhlen.

Ob und in welchen Umfang sich die Idee auch am Tegernsee umsetzen lĂ€sst, wird derzeit erörtert. Neben der Frage nach den Kosten sind auch die GrĂ¶ĂŸe des Sees und die Durchströmung des GewĂ€ssers wichtige Punkte, die es zu beachten gilt.

Ökologisch vertretbar?

Die Frage nach der ökologischen VertrĂ€glichkeit hat dabei natĂŒrlich oberste PrioritĂ€t. Negative Auswirkungen fĂŒr die WasserqualitĂ€t und das Ökosystem des Sees sind bisher nicht bekannt, solange die Grundtemperatur des Sees sich nicht wesentlich verĂ€ndert.

Nichtsdestotrotz bleibt immer auch ein gewisses Restrisiko. Immerhin werden heute anders als noch vor 20 Jahren nur noch FCKW-freie, biologisch abbaubare Stoffe im Pumpen- und Leitungssystemen verwendet.

E-Werk bisher nicht involviert

Das fĂŒr die Umsetzung der Idee zustĂ€ndige E-Werk Tegernsee ist derzeit noch nicht involviert. Auf Nachfrage hat der Technische Leiter Frank Thinnes keine EinschĂ€tzung fĂŒr den Einsatzbereich des Tegernsees abgegeben können. Das grundsĂ€tzliche Verfahren der WĂ€rmegewinnung aus Seewasser sei bekannt, so Thinnes, wĂŒrde jedoch fĂŒr den Tegernsee bisher nicht in Bertacht gezogen werden.

Und auch der Direktor des E-Werks, Dr. Norbert Kruschwitz, Ă€ußerte sich gegenĂŒber der Tegernseer Stimme zurĂŒckhaltend. “Das ist eine Idee des Arbeitskreises Klimaschutz, dazu werde ich mich jetzt nicht Ă€ußern.”

Wie konkret also die Überlegungen der Stadt Tegernsee tatsĂ€chlich sind, wird sich zeigen. Zumindest BĂŒrgermeister Peter Janssen scheint der Vision eines durch Tegenseer Wasser betriebenen WĂ€rmekraftwerks nicht abgeneigt.

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  • Thomas

    Wie ist denn die Effizienz wenn am ende nicht Strom sondern Warmwasser raus kommen soll? Die Seesauna in Tegernsee und das Schwimmbad in Wiessee, könnten so deutlich gĂŒnstiger beheizt werden, als bisher.

  • Frank Wenz

    irgendwie gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass dieser BĂŒrgermeister, rein aus Prinzip, grundsĂ€tzlich einen eigenen und nur selten abgestimmten Weg einschlĂ€gt… Ob das zielfĂŒhrend ist oder einfach nur dem eigenen Ego dient, sei mal dahingestellt.

  • Freu mich

    Juhuu, das ist doch mal toll.
    Endlich schafft man Grundlagen und Grundgedanken fĂŒr die VerĂ€nderung der Lebensbedingungen im Tegernsee. Im Rahmen der VerĂ€nderungen ausserhalb des SeeÂŽs, also der Energiemehrverbrauch und Mehrverbrauch, kann man dem See seine Energie ein bisschen entziehen und damit der globalen ErwĂ€rmung entgegenwirken. Daher bohrt man ja auch im Eis. Also da unten gaaanz weit weg und gaaanz tief um zu schauen, was lebt denn tief unten wenn es sehr kalt ist. Das könnte dann auch bei uns unten im See leben, tief und kalt eben. Mann, dann kommen Touristen und schauen sich das an und wir haben mehr Geld. Dann können wir doch noch ein Hotel bauen und es können mehr Touristen kommen. Dann können wir die neue Artenvielfalt unten im See durch Glastunnel betrachten.
    Durch das neue Wehr können wir den See dann höher aufstauen, damit er tiefer wird.
    Wao ich freu mich ja so.
    Übrigens, wenn man einen Stein ganz oben am Berg abbricht und runterschmeisst, dann hat der auch viel Energie. Und da oben hat®s viel Stein. Also ganz viel und ganz hoch. Nur so ein Tip.

    • :-)

      dieser Kommentar war ĂŒberflĂŒssig! Ich finde es gut, dass Leute darĂŒber nachdenken, wie man “GrĂŒne Energie” gewinnen kann!!

    • Demokratie Jetzt!

      Dieses Bohren in der Arktis und Antarktis, ist auch dazu da, um nach Rohstoffen zu suchen. Dazu muss auch gesagt werden, daß es ein Spiel mit dem Feuer ist, Denn wenn da nur das geringste schief lĂ€uft geht haben wir eine Umweltkatastrophe von ungekanntem Ausmass. Genauso wie die RegenwĂ€lder, sind auch die Pole fĂŒr unser Weltklima zustĂ€ndig. Der Trend mĂŒĂŸte dazu hingehen weniger Energie zu verbrauchen und die vorhandenen Recourcen besser zu nutzen. Die Artenvielfalt hat in den letzten Jahren um 60% abgenommen. Wir leben auf dieser Erde ĂŒber unsere VerhĂ€ltnisse. Wenn man ĂŒberlegt welchen LebensmittelĂŒberschuss es bei uns gibt, ein Blick in die MĂŒlltonnen genĂŒgt, Dann sollte man sich fragen ob man jeden Mist haben muß. Krabben in der Nordsee gefangen, in Marokko gepuhlt und dann bei ALDI billig verramscht. Ein Wahnsinn! Milch nach Italien gekarrt und den KĂ€se wieder hoch. Die Meere sind leergefischt, der Kabeljau eine bedrohte Fischart. Und wenn Du im See bohrst und es geht dabei was schieft und er Tegernsee wird zur Kloake, dann kommt kein Touri mehr ins Tal.

  • Freu mich

    Danke. Die beste Energie ist heutzutage die gesparte.

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