Freitag, 18. April 2014

Facebook-Party in Kreuth lÀuft aus dem Ruder

Der Teufel steckt im Detail

Haben Sie schon mal von einer Facebook-Party gehört? Nein? Dabei kommen Hunderte von Leuten, die dem Gastgeber selber meist gar nicht bekannt sind, zu ihm nach Hause und wollen dort eine Party feiern. Schuld daran sind meist falsche Einstellungen bei den ĂŒber Facebook versendeten Einladungen. Genau dies ist auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Kreuth passiert.

Eigentlich sollte es bloß eine nette kleine Party mit Freunden werden, schließlich waren die Eltern verreist, und man hatte das ganze Haus fĂŒr sich. Doch dank einer kleinen Unachtsamkeit kam alles ganz anders.

Auf der Facebook-Party in Kreuth. Zu der Zeit waren es noch wenige GĂ€ste.

Beim Erstellen der Veranstaltung auf Facebook vergaß der 18-JĂ€hrige, bei den Einstellungen zur PrivatsphĂ€re auf „Freunde“ zu klicken, machte damit die Veranstaltung fĂŒr alle sichtbar und zu einem nunmehr öffentlichen Event. Jetzt konnte jeder, der wollte, darauf zugreifen und noch mehr Freunde darauf aufmerksam machen.

Ein Schneeballsystem

Innerhalb von wenigen Stunden gab es bereits ĂŒber 2.000 Zusagen. Sogar aus Baden-WĂŒrttemberg kĂŒndigte sich ein DJ an, der fĂŒr die Musik sorgen wollte.

Sobald dem Veranstalter seine missliche Lage klar wurde, blies er die ganze Aktion aus „rechtlichen GrĂŒnden“ ab. Er hoffe, es werden nicht mehr als 150 Personen, ließ er noch verlauten, bevor er die Veranstaltung löschte.

Doch natĂŒrlich war es jetzt nicht mehr aufzuhalten. Viele hatten sich bereits vorher die Adresse rausgeschrieben und machten sich nun auf den Weg. Uns wurde spĂ€ter mitgeteilt, es sollen sich um Mitternacht herum 160 Personen auf dem GrundstĂŒck aufgehalten haben. Wir waren etwas frĂŒher am Abend ebenfalls anwesend, können jedoch nur von bis zu 50 Personen berichten.

Der junge Facebook-Nutzer versuchte, das Beste aus der misslichen Situation zu machen, und mischte sich unter die unerwĂŒnschten GĂ€ste. An einer aus Biergarnituren zusammengezimmerten Bar gab es sogar GetrĂ€nke.

Freunde helfen mit

Durch den ganzen LĂ€rm aufgeschreckt, informierten Verwandte die Eltern des Jungen. Diese brachen ihren Urlaub sofort ab und begaben sich aus SĂŒdtirol zurĂŒck in die Heimat nach Kreuth. Dort angekommen, zeigten sie sich wenig begeistert von dem Chaos, das vor ihrer TĂŒr herrschte.

Mithilfe von Freunden aus dem Ort wurde dem Treiben dann auch ein schnelles und abruptes Ende bereitet. Die Polizei musste – trotz anderer Meldungen – nicht ausrĂŒcken.

Dass es noch viel schlimmer hĂ€tte kommen können, zeigt ein Beispiel aus Oberbayern. Nur zwei Tage spĂ€ter kam es in Ebersberg zu einem Einsatz von 50 Polizisten, die gezwungen waren, eine Facebook-Party aufzulösen, weil es zu mehreren SachbeschĂ€digungen an Straßenschildern gekommen war. In solchen FĂ€llen sind die Veranstalter voll haftbar und mĂŒssen gegebenenfalls sogar die Kosten des Polizeieinsatzes tragen.

So gesehen, ist der 18-JĂ€hrige aus dem Tal noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Fotos: Marinus Jennerwein

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  • gast

    Ich war auch da. SpĂ€ters wars schon voll. Aber kein großer Stress. WĂ€hre interessant gewessen mit 500 Leuten oder so ;-)

  • Anonymous

    ich hoffe mir wird die Freude zu Teil den Autor persönlich kennen zu lernen. :)

  • Anonym

    @gast: Herzlichen GlĂŒckwunsch!
    WĂŒrdest du auch zu einer Facebook-RechtschreibĂŒbung oder -Dudenvergabe gehen zu der du nicht eingeladen bist??

    Armes Deutschland!

    • gast

      WĂŒrd ich mitmachen. Viellleicht klappts dann besser mit der Rechtschreibung, auch von unterwegs und mit dem Handy ;-)

  • http://heddesheimblog.de Hardy Prothmann

    Guten Tag!

    Es ist leider vielen immer noch nicht klar, dass man nicht einfach so bei Facebook ist, sondern dass man kompetent mit Medien umgehen muss.

    Dazu braucht man Wissen und eine entsprechende Vermittlung – an vielen Schulen ist das leider noch kein Thema, ebensowenig wie in Familien.

    Das Beispiel zeigt aber schön, dass es nicht wie so oft von Zeitungen um das böse Internet und irgendwelche LĂŒstlinge geht, sondern die heftigen Sachen eher aus mangelnder Erfahrung passieren.

    Das zum Beispiel war ein Riesenaufreger bei uns:
    http://www.ladenburgblog.de/2010/11/16/hitlerbart-und-nazi-symbole-wie-sich-ein-teil-der-cbg-jugend-im-internet-auslebt/

    Schöne GrĂŒĂŸe
    Hardy Prothmann
    Partner im istlokal.de-Netzwerk

    • MarcoK

      So heftig war es nicht, auch wenn es das hĂ€tte werden können. Das nĂ€chste Mal weiß es derjenige besser und dann bekommen seine Eltern keinen Herzinfarkt und mĂŒssen nicht aus dem Urlaub zurĂŒckkommen.

    • Oberlandlerin

      Genau Herr Prothmann,
      Leider meint der Großteil der Jugendlichen (aber auch der unwissenden) Eltern, daß “facebook” eine Art Spielzeug sei. Ich sehe hier auch in Zukunft noch einen großen Handlungsbedarf in Sachen AufklĂ€rung zur Internetnutzung, also richtigen Umgang mit den neuen Medien, sowohl fĂŒr Jugendliche, als auch fĂŒr Erwachsene (Eltern).
      Auch ist es wichtig zum Thema “Internetsucht” mehr aufzuklĂ€ren. Das wird in den kommenden Jahren ein immer problematischeres Theam zu werden.
      Ich möchte damit nicht sagen, daß alle “Facebook”-Nutzer nicht fĂ€hig oder sĂŒchtig sind (als GeschĂ€ftsfrau/-mann, Gewerbetreibende kann hier auch sehr gut prĂ€sentieren …), aber als Erwachsene / Eltern hat man ja Vorbildfunktion, und muss diesen “gesunden” Umgang mit den neuen Medien vorleben, bzw. “realitĂ€tsnah” weitergeben.

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