Samstag, 18. Mai 2013

Rottach-Egern will eigenes Ortsbild weiter schützen

“Der übermäßigen Bauwut Einhalt gebieten”

Der Ortsgestaltung kommt gerade in einem Tourismusgebiet wie dem Tegernseer Tal immer eine große Bedeutung zu. Das homogene Ortsbild schützen zu wollen, hat sich der Gemeinderat in Rottach-Egern schon lange auf die Fahnen geschrieben.
Damit das auch weiterhin erhalten bleibt, wurde in der gestrigen Sitzung beschlossen, einem Gebiet im nördlichen Teil der Gemeinde eine Veränderungssperre aufzuerlegen.

Hausnummer 36 war der Auslöser

Konkret geht es dabei um die Grundstücke, die von der Karl-Theodor-Straße und dem Hubertusweg eingeschlossen werden. Laut Bürgermeister Franz Hafner handelt es sich hierbei um eine “homogene Bebauung”, die als solche schützenwert ist.

Plannungshoheit der Gemeinde

Auslöser für die Gemeinde hier tätig zu werden, war ein Bauvorantrag für das Grundstück mit der Hausnummer 36. Hier sollten zwei Mehrfamilienhäuser entstehen. Ein Antrag, dem die Gemeinde laut Bauamtsleiter Walter Hübsch deutlich ablehnend gegenübersteht.

„Leider deckt sich unsere Haltung nicht mit der vom Landratsamt Miesbach, weswegen wir nun von unserer Planungshoheit Gebrauch machen sollten“, so Hübsch. Darum hat sich der Gemeinderat nun dazu entschieden, den in Rottach eher selten angewandten Weg eines Bebauungsplans zu gehen. Dieser soll das Entstehen von Mehrfamilienhäusern in diesem Ortsteil auch in Zukunft verhindern.

Veränderungssperre

Da die Erstellung eines solchen Planes jedoch einige Zeit in Anspruch nimmt, musste eine schnelle Lösung gefunden werden. So entschieden sich die Räte dafür, eine zeitlich begrenzte Veränderungssperre für das Gebiet zu erlassen. Diese soll verhindern, dass in der Bearbeitungszeit nicht noch schnell unerwünschte Bauvorhaben realisiert werden.

„Ich finde das eine gute Sache“, verkündete der Zweite Bürgermeister Hermann Ulbricht in der Sitzung: „Wir müssen hier der übermäßigen Bauwut Einhalt gebieten.“


Dieser Bereich ist von der Veränderungssperre betroffen auf einer größeren Karte anzeigen

Gemeinderätin Gabriele Schultes-Jaskolla fand sogar, die Maßnahmen wären im Sinne der Eigentümer: „Ich bin überzeugt davon, dass das hunderttausendste Bauernluxushaus irgendwann seinen Wert verlieren wird und die jetzigen Besitzer damit langfristig eine Wertsteigerung erleben.“

Die Erstellung eines Bebauungsplans und der Erlass einer Veränderungssperre wurde am Ende einstimmig beschlossen. Und auch Franz Hafner fand abschließende Worte: „Jetzt versuchen wir mal damit unsere Zielsetzung voranzutreiben, das Ortsbild zu erhalten.”

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Moosrainer

    Respekt Rottach. Mit gutem Beispiel voran.

  • Demokratie Jetzt!

    Das Bild stimmt ja eh nicht mehr, bei dem Anwesen hinter dem Karg wurde schon ein Haus hineingesetzt und der Karg Peter hat einen Schwimmteich gebaut

    • Tegernseer Stimme

      Wir haben gerade nochmal genau nachgeprüft. Das Bild ist von heute Vormittag, Punkt 10:45. Wir gehen davon aus, dass sich in der Zwischenzeit keine gravierenden Änderungen ergeben haben. ;-)

      Sie meinen wahrschenlich das Nachbargrundstück. Wie auf der Karte (siehe oben) gut zu sehen ist, ist Hausnummer 36 das Eckgrundstück.

      • Demokratie Jetzt!

        Ich fahre jeden Tag daran vorbei, dann werd ich es wohl wissen oder?

        • Tegernseer Stimme

          Wir reden wahrscheinlich aneinander vorbei. Die Google Maps Karte stammt natürlich nicht von heute morgen sondern das Foto.

  • Heini mit dem Hammer

    Aus juristischer Sicht sehe ich hier Entschädigungsansprüche der Eigentümer.

    Diese Bauleitplanung verfolgt keinen konkreten Zweck, sondern verhindert lediglich die weitere Bebauung von Grundstücken die nach §34 im Innenbereich liegen und daher bereits Baurecht besitzen.

    Das ist daher eine Form der kalten Enteignung. Ich bin gespannt auf den Ausgang der möglichen Streitverfahren.

    • Demokratie Jetzt!

      Das íst das eine, klar, daß so einen zugereisten mit dem entsprechenden Geld, die befindlichkeiten der Menschen die hier leben einen Kehrricht interessiert. Mal sehen wie es ausgeht! Die Fehler wurden schon vor Jahren gemacht als man sich die entsprechende Klientel ins Tal geholt hat.

  • Auswärts

    Das Bild stammt von 2009. Es ist exakt die gleiche Aufnahme mit allen Schatten usw. die man bei Google Earth sehen kann. Bildaufnahmedatum 1.1.2009.

    • Chris

      Es ist doch egal wie alt das Bild von Google Maps ist!

      Demokratie meinte wohl den Bildausschnitt aus Google Maps und die TegernseerStimme meinte wohl das Bild von Hausnummer 36! Und ich denke dass der Fotograf am besten weiß wann er es fotografiert hat! Aber das sich gleich so eine Diskussion ergibt ist schon verwunderlich!

      • Demokratie Jetzt!

        Ich sagte ja auch, daß die beiden Anwesen hinter dem auf dem Bild K-T. Str 36, also auf dem Google Bild westlich gelegen, bereits verändert wurden. Innerhalb des letzten Jahres sogar!

    • Thomas

      2009 könnte stimmen, aber der 1.Januar passt niemals zum Bild.

  • Der heilige Geist

    @Heini mit dem Hammer Ich hoffe in Ihrem Sinne, Sie sind nicht Anwalt, denn ansonsten muss ich Ihnen sagen, dass Sie Ihren Beruf verfehlt haben.

    Auch wenn Sie Laie sind (was ich hoffe :) ), darf ich Ihnen mitteilen, dass Sie vollkommen falsch liegen.

    Die Gemeinde kann sehr wohl einen B-Plan trotz § 34 erstellen, sie können da juristisch vorgehen, oder das Geld gleich im Casino Bad Wiessee verzocken, hier würde es aber wenigstens zur Verbesserung der Finanzlage unserer jod-schwefelnden Vorzeigegemeinde beitragen :)

    • Auswärts

      Das stimmt schon, ein Bebauungsplan der außer einer Veränderungssperre keinen Inhalt hat, ist mißbräuchlich. Maßgeblich ist, was im Flächennutzungsplan steht. Wenn dort jetzt Baurecht nach §34 besteht, kann man zwar einen B-Plan erstellen, er wird aber ohne zutreffende Begründung keinen Bestand haben.

      Eine Veränderungssperre dient der Sicherung einer Planung. Wenn gar keine Planung beabsichtigt ist, dann ist das fragwürdig. Eine Veränderungssperre gilt 2 Jahre, kann um ein Jahr verlängert werden. Sofern die Veränderungssperre länger als 4 Jahre dauert, hat der betroffene Bürger einen Anspruch auf angemessene Entschädigung in Geld (§18 BauGB). Danach besteht natürlich wieder Baurecht nach §34 Bauordnung.

    • Eine Frau

      Der Heini hat gar nicht behauptet, daß man keinen Bebauungsplan erstellen dürfte, Sie heiliger Geist.
      Warum denn gleich so gereizt?

  • Ein Zugereister

    Der Beschluss zeigt sicherlich nicht das Verantwortungsbewusstsein des Gemeinderates im Sinne eines vernünftigen Ortsbildes, sondern ist vielmehr auf der einen Seite eine kalte Enteignung des Besitzers des besagten Grundstücks und gibt einem letztendlich auch ein gutes Bild über die Strukturen am Tegernsee zwischen Gemeinde, etablierten Bauträgern, Architekten und Maklern. Denn schaut man sich einmal an wer, wo und wie Grundstücke erwirbt und problemlos seine Vorstellungen umsetzen kann, dann wird klar, dass man hier einer Privatperson einmal zeigen wollte wie das System Tegernsee/Rottach-Egern funktioniert. Man kann nur hoffen, dass der Eigentümer alle Mittel und Wege auschöpft, vielleicht auch mit Unterstützung des Landratsamtes, um wieder “Eigentümer” seines Grundstücks zu werden. …und vielleicht schaut man sich einmal die Baustruktur im Umfeld besagter Adresse an, dann wird klar, dass man auf dem Grundstück eine ansprechende Bebauung hätte erzielen können. die sich in das Umfeld einfügt.
    Sicherlich sind auch verkaufte Eigentumswohnung mit Ihren möglicherweise nur latent anwesenden Eigentümern ein nicht zu unterschätzender wichtiger wirtschaftlicher Faktor in Rottach-Egern. Entscheidungen wie diese werden aber sicherlich dazu führen, dass der ein oder andere sich lieber in Kitzbühel oder Seefeld/Tirol nach geeignetem Wohnraum umschauen wird.

    • Demokratie Jetzt!

      Genau, denn dort verlangen immer mehr Einheimische diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben und die haben mittlerweile einen prominenten Mitstreiter!

  • veritas

    Endlich wird hier mal konkret gegen die Bauwut vorgegangen. Da kann man nur hoffen, dass es für die Gemeinde gut geht und die anderen Talgemeinden mitziehen.

  • Vidur

    Schön so. Sollen Sie ruhig nach Kitzbühel oder in die Schweiz gehen. Hauptsache es gibt dann weniger Häuser wo man am liebsten mit der Abrissbirne anrücken würde…

  • Der heilige Geist

    @Eine Frau Hallo, ich bin nicht gereizt, sondern total ausgeglichen – ist ja auch nicht mein Grundstück um das es geht.

    Nein, wir sind beide einig, dass man dort einen Bebauungsplan erstellen kann. Heini meinte, der Eigentümer kann in diesem Falle juristisch dagegen vorgehen und Entschädigung verlangen, und meiner Meinung nach ist dies unrealistisch, da die Rechtsprechung entsprechende Fälle bereits behandelt hat. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Gemeinden hier den Eigentümer unter dem Mantel des Ortsbildes enteignen, aber kann dies unfair finden, aber nichts dagegen tun.

    Die Gemeinde wird dort einen B-Plan aufstellen, status quo festlegen, Klappe zu. Ortsbild gerettet!

    Aber was ist eigentlich schon ein Ortsbild? Es geht um die Hausgröße, es soll verhindert werden, dass ein Mehrfamilienhaus und somit Wohnungen entstehen.
    Aber erstens profitiert die Gemeinde von Zweitwohnungen extrem, und zweitens kann man eben auch nicht die heutigen Lebensumstände ignorieren, was ich viel wichtiger finde!!!
    Alte Menschen wollen heutzutage im Alter lieber in einer passenden Wohnung als in einem zu großen Haus leben, Stichwort altersgerechtes Wohnen mit Lift, ect.,, außerdem ist es immer noch günstiger, in einer Wohnung wie in einem ganzen Haus zu leben, auch von der energietechnischen Seite.
    Dies sind im übrigen auch Erstwohnungen von Talbürgern/Einheimischen, dies wird oft von denen vergessen, die aus mir unerfindlichen Gründen immer nur schimpfen, dass bei uns nichts mehr gebaut werden soll. Im Endeffekt kann keiner, der selbst Haus und Grund hat und etwas nachdenkt, sich auf die Seite der Verhinderer stellen.

    Ich finde, ob nun auf dem Grundstück ein Einfamilienhaus oder ein Mehrfamilienhaus entsteht, ist doch für das Ortsbild absolut egal, man sollte lieber schöne, oberbayerische Häuser bauen und kein schiaches Graffel :)
    Die Überfahrt stört das Ortsbild, aber doch kein Mehrfamilienhaus in der Karl-Theodor Straße in dieser Lage.
    Ist aber nur meine Meinung.

    • Demokratie Jetzt!

      Eins müßen Sie mir mal erklären, warum Rottach-Egern von den Zweitwohnungen profitiert? Das treibt nur die Mietpreise in die Höhe sonst nix!

      • http://www.tegernseerstimme.de Tegernseer Stimme

        814.456 Euro Zweitwohnungssteuer im Jahr 2011 sind jetzt per se nichts schlechtes für Rottach-Egern.

        • Demokratie Jetzt!

          Dazu müßen Sie aber auch einkalkulieren, daß in diesen Straßen evtl. jeden Schnee geräumt werden muss, die Straßenbeleuchtung brennen muß usw.! Da wird dann die Rechnung schnell kleiner. Aber was hat der Einheimische davon, wenn ein honoriger Bürger dieses Landes ein Haus baut, das er wenige Wochen im Jahr bewohnt?

  • Der heilige Geist

    @Demokratie jetzt: Glauben Sie wirklich allen Ernstes, die Gemeinde muss mehr Straßen räumen, weil es in einer Straße Zweitwohnungen gibt? Oder mal anders gefragt, wollen Sie die Straßenbeleuchtung nur jeden zweiten Tag anschalten, wenn es in einer gewissen Straße 50% Zweitwohnungen gibt?

    Es ist doch eine unbegründete Aussage, zu behaupten, Zweitwohnungen würden den Mietpreis in die Höhe treiben. Man könnte auch weiter behaupten, alle “Zoagroasten” sind Schuld, dass die Waren im Supermarkt teurer werden – hier wäre wenigstens noch ein erkennbarer Zusammenhang.

    Die Mietpreise werden im übrigen von unseren Baulandpreisen und Baukosten bestimmt, und die sind in beiden Fällen höher als in 95% der übrigen Repubik. Ich kaufe doch auch keine Wohnung, um sie dann mit 0,5% Rendite weiterzuvermieten! Sie auch nicht oder? Wenn wir keine Nachfrage nach Mietwohnungen hätten, dann wird der Markt sie auch nicht anbieten, Gesetz von Nachfrage und Angebot.

    @Tegernseer Stimme: Danke für die konkrete Summe. Wäre noch interessant zu erfahren, was die Gemeinde für uns alle mit diesem Geld bewerkstelligt. Ich denke, dass mit über € 800.000 doch eindeutig die hier fest Lebenden deutlich profitieren.

    • Demokratie Jetzt!

      Sie bekommen ein wunderschönes Seeforum mit hoffendlich sehr guten Veranstaltungen die dann auch hoffendlich von einem guten Puplikum zahlreich besucht werden. Dann können sie sich einigemale den Weg nach München sparen, ist denn das nichts? Schauen Sie mal in anderen Gemeinden allein die Sauberkeit der Wege an und vor allem wieviele Leute die Gemeinde Rottach im Bauhof beschäftigt. Ist das nicht? Dann die neue Turnhalle und und und.

  • Der heilige Geist

    Auch wenns jetzt mit der Sache nichts zu tun hat – wenn ich mir Ihren Beitrag so ansehe, bräuchten wir eher mehr Schulen.