Samstag, 25. Mai 2013

Mythen und Sagen rund um den Tegernsee - Teil 1

Die Gründung des Klosters am “tegarin-seo”

Neben den historisch klar belegbaren Fakten, die die Geschichte des Tegernseer Tals beschreiben, existieren auch zahlreiche Mythen und Sagen rund um den See. In diesen Geschichten werden Personen, aber auch Orte, Bauwerke und die Landschaften thematisiert. Wir haben uns daher auf die Suche nach eben solchen Erzählungen begeben und haben faszinierende Geschichten gefunden.

Im heutigen ersten Teil unserer neuen Serie “Mythen und Sagen rund um den Tegernsee” geht es um die Gründung des Tegernseer Klosters im Jahre 746 nach Christus.

Ein Todesfall als Auslöser

Die beiden Brüder Oatkar und Adalbert, die dem altbayerischen Adelsclan der Huosi angehörten, gründeten im Jahr 746 ein Benediktiner Kloster in Tegernsee. Dieser Teil der Geschichte dürfte den meisten Eiheimischen noch bekannt sein. Doch es gibt eine Sage, die sich mit der Gründung des Klosters beschäftigt. Diese kann historisch zwar nicht lückenlos belegt werden, ihr wird jedoch dennoch ein hoher Wahrheitsgehalt nachgesagt.

Erst ein tragischer Todesfall hat die beiden Brüder zur Klostergründung bewogen. Ereignet hatte sich dieser seinerzeit in Frankreich.

Adalbert und Oatkar / Quelle: br.de

Die beiden fürstlichen Brüder Oatkar und Adalbert aus dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger lebten mit ihren Familien am Hofe des Königs Pippin (714-768 n.chr) im damaligen Frankenreich. Die Sage berichtet, dass der Sohn des Frankenkönigs Pippin, den Sohn Oatkars beim Schachspiel im Jähzorn mit dem Schachbrett erschlug. Pippin fürchtete die Rache der mächtigen und in Bayern und Burgund reich begüterten fürstlichen Brüder. Vorerst war die schreckliche Bluttat aber weder am Königshof noch Oatkar, dem Vater, bekannt geworden.

König Pippins List

Daher rief der König einige Fürsten darunter auch Oatkar zusammen und fragte sie mit einiger List: “Was ist eure Meinung: Wie soll man einem Übel begegnen, dem man in keinem Fall abhelfen kann?” Alle, auch Oatkar sagten: “Ein solches Übel muß man mit Gleichmut ertragen.”

Jetzt erst berichtete Pippin den traurigen Vorfall. Der unglückliche Vater schwieg in Schmerz und Trauer. Er wollte mit seinem Bruder Adalbert nun für immer der Welt entsagen.

Klostergründung 746 am “tegarin-seo”

Daher gründeten Otkar und Adalbert ein Kloster am tegarin-seo (Großer See), wie der Tegernsee bis zum Jahr 1000 n.Chr. in altdeutscher Sprache genannt wurde. Dort suchten sie sich eine der schönsten und sonnigsten Uferstellen für ihr Vorhaben aus.

Das Kloster Tegernsee / Quelle: derwesterhof.de

Die fürstlichen Gründer übertrugen dem Kloster Tegernsee ihre reichen Besitztümer, die bis weit hinaus ins Unterland bis über den Ammersee reichten und den Grundstock für den großen Landbesitz des Stiftes bildeten. Beide Brüder traten selber in das Kloster als Mönche ein. Dabei wurde Adalbert der erste Abt von Tegernsee. Die ersten Klosterbrüder, die nach der Regel des Heiligen Benediktus lebten, wurden eigens aus Sankt Gallen berufen.

Reliquien für das Kloster

Um für die neuzuerbauende Klosterkirche die Reliquien eines großen Heiligen zu erlangen, pilgerten die beiden Brüder 756 nach Rom. Die ewige Stadt wurde bei ihrer Ankunft gerade von heidnischen Seeräubern bedroht. Noch einmal griffen die Oatkar und Adalbert mit ihren schwerbewaffneten Begleitern zum ritterlichen Kriegshandwerk. Sie halfen den Römern und besiegten die Seeräuber.

Die Überlieferung besagt, dass der Papst den Brüdern aus Dankbarkeit die Gebeine des Heiligen Quirinus versprach. Quirinus war ein römischer Kaisersohn gewesen, der in früheren Jahrhunderten wegen seines Glaubens den Märtyrertod durch das Schwert erlitten hatte. Uto, der Neffe der beiden Klostergründer, durfte dann die vom römischen Volk hochverehrten Reliquien heimlich abholen und über die Alpen bringen.

Die heilige Quirinusquelle entspringt

In der letzten Nacht vor der feierlichen Übertragung der Gebeine nach Tegernsee machte Uto auf dem Platz der heutigen Kapelle von St. Quirin ein letztes Mal Halt. Da wo der Leib des Heiligen geruht hatte, entsprang zum Segen des ganzen Tales die heilkräftige Quirinusquelle.

Das uralte, schöne Wappen von Tegernsee hat neben zwei Seeblättern auch drei Kronen. Diese weisen wohl hin auf die zwei fürstlichen Gründer und auf den römischen Kaisersohn St. Quirinus. Das Tegernseer Kloster erlebte über die folgenden Jahrhunderte sowohl Zeiten der Blüte, als auch Phasen der Bedrohung.

Erst im Jahr 1803 läutete die Sekularisierung das Ende der Klosterzeit ein. 1810 verstarb mit Gregor Rottenkolber, der letzte Abt des Klosters.

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  • iswurscht

    Wenn ich mir die Bilder so anschaue und das, was jetzt noch steht, dann bin ich froh, das es damals weder Schutzgemeinschaften, Gemeinderäte, Landkreisarchitekten in der Form gab, das sie Ortstypische Bauweisen verlangt hätten. Das wären zu dieser Zeit wohl Höhlen gewesen.

    • Marc B.

      Das gemeinte Bild stellt nicht die (damalige) Wirklichkeit dar, sondern geht auf den berühmten Stich von Michael Wennig zurück. Es zeigt einen Idealplan, wie das Kloster rund um 1700 aussehen hätte sollen, wenn die Planungen vollständig verwirklicht worden wären. Wurden sie aber nicht. Die Fassade der Kirche mit den beiden hohen Türmen im Barockstil gab es nie. Auch die Gebäude-Flügel um den vorderen (östlichen) Hof wurden nie vollständig hergestellt.

      Außerdem ging die Nutzung des Klosters schon im 18. Jahrhundert stark zurück, große Teile der Bausubstanz wurden niocht mehr genutzt und verfielen. So dass nach der Säkularisation 1803 das Kloster auf die heute vorhandenen Teile reduziert, und die verfallenden Teile abgerissen wurden.

      • iswurscht

        @ Marc B., erst mal danke für diese Information, sehr interessant und gut zu wissen, das es hier Menschen mit Hintergrundwissen gibt.
        Aber egal wo, man hat immer im Stil seiner Zeit gebaut, oder wie in der Renaissance den Stil offen kopiert. Entwicklung gibt immer und auf allen Gebieten, und das ist gut so.
        Hätten wir sonst diese Vielfalt an den verschiedensten Orten? Eigenständigkeiten entwickeln sich durch Gegebenheiten, und so kommt es zu den, durchaus erwünschten Unterschieden.
        Wichtig ist, nach meiner Meinung, das Entwicklung nicht gebremst wird mit Hinweiß auf Tradition, sondern diese kreativ und den Umständen angepasst fortgesetzt wird.

  • unbequem

    … dem ist nichts hinzuzufügen!!!