Freitag, 25. April 2014

Der heilige Rasen von Rottach-Egern, ein Tegernseer Acker und die stolzen Kreuther

Wie viel investieren die Gemeinden in die SportstÀtten und was lÀsst sich die Kommune die Instandhaltung kosten? Muss hier auf Grund von Budgetknappheit vielleicht sogar gespart werden?

Eingestiegen sind wir mit der Serie in Gmund, wo Gemeinde in punkto Instandhaltung und Pflege insgesamt sehr gut wegkommt. Teils eklatant ist das Urteil fĂŒr Wiessees öffentliche Sportanlage an der Hagngasse. Dort gibt es in vielerlei Hinsicht noch KlĂ€rungs- und in Sachen Vereinsheimreinigung Nachholbedarf.

Und nun schauen wir uns die zwei verbliebenen Gemeinden Rottach-Egern und Kreuth sowie die Stadt Tegernsee an. Dabei ist vor allem die Situation in Tegernsee alles andere als optimal.

Seit Anfang Juni ist das Spielfeld in Tegernsee gesperrt. Drei Wochen wird es noch so sein.

Seit Anfang Juni ist das Spielfeld in Tegernsee gesperrt. Drei Wochen wird es noch so sein.

„Gruben und Grasdickicht“ in Tegernsee

Nicht minder große Probleme wie in Bad Wiessee finden die Fußballer des TV Tegernsee an der Sportanlage „Point“ vor. Dort gibt es nur einen Naturrasenplatz fĂŒr alle Fußballmannschaften.

Da wundert es kaum, dass der Platz, aufgrund von tiefen Löchern im Boden und seinen Unebenheiten, zum Teil als „Acker“ bezeichnet wird. Kommentar von Veritas:

Am Tegernseer Platz muss man aufpassen, dass man nicht in eine der vielen Gruben fÀllt oder dass man im Grasdickicht den Ball noch sieht.

Tegernseer Fußballer trĂ€umen von Kunstrasenplatz

Keine Ideal Bedingungen an der "Point" - trotz der wochenlangen Platzsperrung.

Keine Idealbedingungen an der "Point" - trotz der wochenlangen Platzsperrung.

FĂŒr die Fußballer steht fest, das „Grasdickicht“ hat die Stadt Tegernsee zu verantworten, die es teilweise – „trotz Nachhakens mehrfach versĂ€umte, den Platz zu mĂ€hen“, so ein Tegernseer Spieler im GesprĂ€ch mit uns.

„Zum Teil ĂŒbernehmen wir selbst diese Aufgabe, leihen uns die GerĂ€tschaften von der Stadt aus, um einigermaßen ordentliche Spielbedingungen zu schaffen.“

Die Stadt Tegernsee, der der Platz gehört, sieht die derzeitige Sperrung dagegen als nötiges Übel an.

Nur somit lasse sich die Dauerbelastung durch Trainings- und Spielbetrieb der vergangenen Saison wieder einigermaßen ausbĂŒgeln, wie Hans Staudacher, GeschĂ€ftsleiter im Tegernseer Rathaus erklĂ€rt:

UnterjĂ€hrig ist es unmöglich den Platz wieder in Schuß zu bekommen. Damit sind wir auf den Sommer angewiesen, wenn es keine Spiele gibt. Derzeit verlegen wir, wie jedes Jahr, einen neuen Rollrasen. Und somit bleibt der Platz auch noch bis Anfang September gesperrt.

Der Rasenplatz leidet aber nicht nur unter den Trainingseinheiten und Spielen des TV Tegernsee. Die Tegernseer Bundesliga Cricket Mannschaft hat bis vor kurzem noch ihre Punktspiele auf der „Point“ ausgetragen.

Die Furchen auf dem Platz waren danach so groß, dass der Platz eigentlich unbespielbar wurde. Unter anderem ein Grund, dass der Platz so frĂŒh gesperrt werden musste. Und seither die Fußballer des TV auf andere PlĂ€tze im Tegernseer Tal ausweichen.

Der Tegernseer Cricket Club (TCC) sucht noch nach einer neuen und eigenen HeimspielstĂ€tte. In Thann bei Holzkirchen schien der TCC fĂŒndig geworden zu sein. Die Verhandlungen mit dem Landwirt scheiterten jedoch.

Viele Fußballer des TVT finden, dass ein Kunstrasenplatz, wie in Bad Wiessee, die Ideallösung fĂŒr die „Point“ wĂ€re. Sehr genau wird daher die Entwicklung des Bauvorhabens der OrthopĂ€dischen Klinik Tegernsee beobachtet. Denn: sollte die geplante Tiefgarage bis unter das Fußballfeld vergrĂ¶ĂŸert werden, muss womöglich ein neuer Platz in Tegernsee angelegt werden…

FC Rottach-Egern: infrastrukturelles AushÀngeschild des Tals

Der FC Rottach-Egern ist als Kreisligist nicht nur das sportliche AushĂ€ngeschild des Tegernseer Tals. Auch infrastrukturell sind die SportstĂ€tten am Birkenmoos das „Non-Plus-Ultra“. Haupt-, Neben-, Trainings- und Hartplatz sowie ein Vereinsheim, das 1997 nochmals erweitert und modernisiert wurde. Die Rahmenbedingungen sind auch ĂŒber die Grenzen des Tegernseer Tals hinaus bekannt.

„Trainingslager und Testspiele von Profiteams tolle Werbung“

Diesen Sommer bereitete sich zum wiederholten Male der FC Basel in Rottach-Egern vor. 2006, bei der WM, war die Nationalmannschaft Russlands mit Trainer Guus Hiddink am Birkenmoos.

Das SportgelÀnde am Birkenmoos in Rottach-Egern.

Das SportgelÀnde am Birkenmoos in Rottach-Egern.

Mehrere Male ließ der FC Bayern MĂŒnchen seine Profis in Rottach-Egern schwitzen und bestritt insgesamt neun Freundschaftsspiele gegen den FC Rottach-Egern. Alle schĂ€tzen die erstklassigen Trainings- und Rahmenbedingungen – tolle Werbung fĂŒr den Ort und das ganze Tegernseer Tal.

„Ohne die Gemeinde Rottach-Egern wĂ€re das alles nicht möglich“

Fußballabteilungsleiter Anton Erlacher lobt die „seit Jahren hervorragende Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, die dem Verein viel Arbeit abnimmt. Gemeinde-KĂ€mmerer Gerhard Hofmann geht ins Detail:

Es gibt einen Platzwart, der beim Bauhof angestellt ist und sich um die komplette Pflege der Sportanlage kĂŒmmert. Dessen Frau wiederrum ist fĂŒr die Reinigung der Kabinen zustĂ€ndig.

Eineinhalb Mitarbeiter stellt die Gemeinde in der Hochsaison den Rottacher Fußballern zu VerfĂŒgung, was laut Hofmann der Gemeinde Rottach-Egern „schon ein paar Mark kostet“, und fĂŒgt an: „Der Aufwand ist sehr groß. NatĂŒrlich. Aber nur so ist die 1a QualitĂ€t der Sportanlage zu halten.

Nicht zuletzt die regelmĂ€ĂŸige Anwesenheit von nationalen wie internationalen Topclubs in Rottach-Egern rechtfertigen das.

FC Real Kreuths Eigenregie: „Ja. Wir machen alles und darauf sind wir stolz!“

Das GrundstĂŒck des VereingelĂ€ndes am Enterbach gehört der Gemeinde Kreuth. Sonst ĂŒberlĂ€sst der Ort alles dem Fußballverein. Die komplette Rasenpflege und die dazugehörigen GerĂ€tschaften wie z.B. einen RasenmĂ€her – alles erbringt der Verein in Eigenleistung und hat auch die notwendigen GerĂ€te bereits aus der Vereinskasse finanziert.

Es gibt keinen Platzwart oder Hausmeister, der von der Kreuther Gemeinde abgestellt wird. FĂŒr den FC Real Kreuth sei das kein Problem, weiß Fußballabteilungsleiter Franz Breunig zu berichten: „Wir sind sogar stolz darauf, dass wie alles in Eigenregie stemmen.“ Selbst den Bau des Vereinsheims vor 20 Jahren haben die Kreuther Fußballer getragen.

Das Vereinsheim des FC Real Kreuth am Enterbach: Vor 20 Jahren komplett von Vereinsmitgliedern errichtet und finanziert.

Das Vereinsheim des FC Real Kreuth am Enterbach: Vor 20 Jahren komplett von Vereinsmitgliedern errichtet und finanziert.

“Die Kosten fĂŒr die Instandhaltung pro Jahr belaufen sich auf etwa 12.000 Euro“, verrĂ€t Breunig. Darin enthalten sind u.a. Strom fĂŒr die Flutlichtanlage und das Vereinsheim, Benzin fĂŒr den RasenmĂ€her, RasendĂŒnger und -samen uvm.

ZusĂ€tzlich fallen noch Anschaffungskosten fĂŒr diverse Anlagen und GerĂ€tschaften an. Sponsoren, das Waldfest und MĂ€zene, wie die Familie Hafner, stemmen diesen Aufwand. Ebenfalls nicht mit eingerechnet in den Betrag ist die Arbeitszeit, die die vielen Helfer ehrenamtlich leisten.

„Der Zusammenhalt im Verein ist riesig groß“

Die Arbeit lohnt sich jedoch. Und das sieht man nicht nur an den Gegebenheiten vor Ort sondern auch am Zusammenhalt, wie Breunig verrÀt:

Zwei bis drei Mal im Jahr packen rund 20 Mitglieder gemeinsam an und bringen die Sportanlage wieder auf Vordermann. Anschließend gibt es ein Fest fĂŒr alle Helfer. Das schweißt so richtig zusammen.

Zweimal in der Woche mĂ€hen fleißige und junge Fußballer den Platz. Woche fĂŒr Woche werden Personen fĂŒrs Aufstreuen der Linien, die Kabinenpflege, TrikotwĂ€sche und „was eben alles so rund um den Spielbetrieb anfĂ€llt“ eingeteilt. Das VereinsstĂŒberl leiten Spielerfrauen in einer Wirtegemeinschaft.

Das GefĂŒhl einer großen Familie

In allen Bereichen ist dies ĂŒber Jahre gewachsen. Wie groß der Zusammenhalt im Verein ist, sieht man wohl am besten auch an den Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Kreuther Herrenmannschaft.

Immer sonntags trifft sich eine „große Familie“ um das Team, das aktuell in der Kreisklasse spielt, anzufeuern.

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  • Veritas

    Wirklich eine umfassende und sehr gut gemachte Klein-Doku der SportplÀtze.

    Hoffe solche Berichte ĂŒber andere Themen bald wieder lesen zu können.

    • Komisch

      Stimme zu!!
      Vorallem dieser artikel war hochinteresant zu lesen. Er ist mit vielen kleinen Details gespickt die ich bisher noch nicht kannte. Vielen Dank an den Autor

      • Anonymous

        Da soll sich Bad Wiessee mal ein Beispiel dran nehmen,besonders in Punkto Sauberkeit und Sicherheit wird dort an der falschen Stelle gespart!!!!!

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