Sonntag, 19. Mai 2013

Bundesjustizministerin zu Besuch bei Büttenpapierfabrik Gmund

Gmunder Patent sorgt für Aufsehen

Die Büttenpapierfabrik ist auf dem Weltmarkt der Papierproduzenten nur eines von unzähligen Unternehmen. Doch regelmäßig sorgt der von Florian Kohler geführte und in Gmund ansässige Familienbetrieb für Furore. So stammt beispielsweise das Papier, auf dem die Namen der Oskar-Preisträger stehen, aus Mangfalltal.

Nun legten die Gmunder mit der Anmeldung des Patents zur Herstellung eines völlig undurchsichtigen Papiers mit dem Namen „BLOCKER“ nochmals nach. Eine Entwicklung, die heute sogar Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zusammen mit einer chinesischen Delegation nach Gmund führte.

Florian Kohler im Gespräch mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Florian Kohler im Gespräch mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Knapp vier Jahre hat es gedauert, bis das Patent endgültig angemeldet war. „Hin und wieder haben wir darüber nachgedacht, das Anmeldeverfahren abzubrechen“, berichtet Florian Kohler von dem langwierigen Vorhaben.

Den Grund für das zwischenzeitliche Unbehagen erläutert Kohler so:

Man weiß nie so wirklich, ob so ein Patent tatsächlich anerkannt wird. Noch dazu ist die Anmeldung sehr kostenintensiv. Die genaue Summe kann ich nicht nennen. Aber einen sechsstelligen Betrag hat das Patent gekostet.

Patent gilt für gesamten europäischen Wirtschaftsraum

Letztlich kam dann doch grünes Licht vom Patentamt. Bedeutet: Auf dem europäischen Markt darf die Gmunder Neuerung für die nächsten 20 Jahre nicht kopiert werden. Der Preis für 100 Gramm „BLOCKER“, das zwischen 80 bis 270 Gramm schwer ist, liegt bei bis zu fünf Euro. Vertrieben werden soll es hauptsächlich in Unternehmerkreisen und wird je nach Wunsch auch individuell produziert.

Abgesehen davon sei die Anmeldung eines Patents auf dem weltweit nahezu gesättigten und wegen des Internetzeitalters rückläufigen Marktes sehr ungewöhnlich, wie der Vertriebsleiter der Büttenpapierfabrik Axel Schreiner betont. „Zwar haben sich Unternehmen in der Vergangenheit Verfahren zur Herstellungen von Papier sichern lassen. Doch das ist zurückgegangen. Unser Patent ist daher auch besonders, weil ihm technische Neuerungen zugrunde liegen“.

Hoher Besuch im Louisenthal in Gmund. Neben der Bundesjustizministerin war auch der chinesische Minister des Rechtsamts mit einer großen Delegation vor Ort.

Neben der Bundesjustizministerin war auch der chinesische Minister des Rechtsamts mit einer großen Delegation vor Ort.

Dass solche Innovationen Geld kosten, ist für die Chinesen dabei kein Grund, diese nicht zu kopieren. Daran ist zum Teil auch der chinesische Markt verantwortlich, wie beim heutigen Spitzentreffen in Louisenthal klar wurde.

Gute Kopien werden in China honoriert

In China kennt man einen echten Schutz von geistigen Eigentum oder gar eine Patentanmeldung eher nicht. Vielmehr noch: In China sei es sogar eine besondere Leistung, wenn es Unternehmen gelingt, ein Produkt annähernd perfekt zu imitieren.

Ein Missstand, auf den auch die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im heutigen Gespräch mit dem chinesischen Minister des Rechtsrats, Dahan Song, zur Sprache brachte. „Der Schutz vom kulturellem Eigentum ist in China meines Wissens schon ein Begriff“, so die Ministerin.

Trotz der „latenten Angst“, dass die in Deutschland für viel Geld entwickelten Produkte auf dem asiatischen Markt nachempfunden werden könnten, will Kohler sich mit „seiner“ Büttenpapierfabrik auch nach China vorwagen und hat hierfür einen – wie er selbst sagt – „integren Großhändler“ gefunden.

„Wir werden dort aber nicht das neu patentierte Papier anbieten, sondern eine bereits auf dem Markt etablierte Produktlinie.“ Alles andere sei für Kohler, auch aufgrund der negativen Erfahrungen in der Vergangenheit, dann doch zu riskant.

Hier noch ein paar Eindrücke des heutigen Besuchs:

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Rudolf Müller

    Ob Frau Ministerin auch auf das Versagen Ihres Ministeriums bezüglich der noch immer fehlenden Gesetzesnovelle zur Vorratsdatenspeicherung und den damit verbundenen Strafzahlungen der BRD gegenüber der EU – zum Leidwesen aller Steuerzahler – hingewiesen hat?

    Obwohl, Vorratsdatenspeicherung und der “gläserne” Bürger passen ja so gar nicht zu “undurchsichtigem” Papier…

    • Manfredos

      Kann man sich über eine positive Meldung in der heutigen Zeit nicht mal freuen und sie wirken lassen?
      Da muss immer mit deutscher Gründlichkeit irgendein Sch… an den Haaren herbeigegezogen werden, damit alles a bisserl griesgrämig ausschaut.

      Setzen, sechs.

      • Rudolf Müller

        Mein Kommentar wertet weder die Leistung der Büttenpapierfabrik herab, noch ist es an den Haaren herbeigezogener Sch…

        Nur fände ich es begrüßenswert, wenn Frau Ministerin nicht nur die Missstände in China anspricht, sondern erst mal im eigenen Land wieder Sicherheit schafft.

        • Manfredos

          Sie mögen ja Recht haben, aber dafür gibt es andere (bessere) Gelegenheiten in anderen Foren, dieses kund zu tun.

    • Thomas

      Ähnliches könnte man auch Frau Aigner fragen, die auch gerne mal in der Gegend ist um sich in den Leistungen ansässiger Firmen zu sonnen, für die sie selbst genau gar nichts Beigetragen haben.

      Ich denke auch die Büttenpapierfabrik braucht sich nicht vor “den Chinesen” zu fürchten. Erstens ist es Fruchtlos, und zweitens wird keiner in China kaufen wenn er die Qualität aus Gmund haben will.

      Interessant auch der Hinweis auf die Probleme mit der Patentanmeldung. Kleine und Mittelständische Firmen müssen damit kämpfen auch nur ein einziges valides Patent geschützt zu bekommen während Großkonzerne tausende Trivialitäten anmelden, nur um damit die Konkurrenz auf Milliarden zu verklagen oder Innovationen unmöglich zu machen.

  • Sportler

    Ja, es wär wirklich nett, wenn die Kommentoren hier auf das Thema des jeweiligen Artikels eingehen und nicht einfach nur trollen würden, nur weil sie gerade mal wieder total frustriert sind. Jeder Artikel hier bietet eine tolle Grundlage, eigene Ideen und Anregungen einzubringen oder auch mal die Leistungen anderer zu loben. Wir sind schießlich Tegernseer und nicht irgendwer !