Freitag, 18. Mai 2012 (04:03 Uhr)

Hochwasserschutz in Moosrain: Verhärtete Fronten zwischen Bauern und Gemeinde

“Die oberen Bauern können leben, die unteren lässt man absaufen”.

Mit dieser Aussage von Johann Stückler lässt sich die Stimmung im Gmunder Gemeinderat am Dienstag Abend zusammenfassen.
Obwohl von Start weg eigentlich nichts auf eine mögliche Eskalation hindeutet: Das Thema “Hochwasserschutz für Moosrain” läuft gemächlich an. Der verantwortliche Planer Jörg Huber stellt in einer ausführlichen Präsentation die Situation und konkrete Maßnahmen vor, um Moosrain auch zukünftig bei Hochwasser ausreichend zu schützen. In der folgenden Diskussion stellt sich jedoch schnell eine “Schärfe” ein, mit der niemand rechnet. Vor allem als sich die beiden Gemeinderäte Johann Huber und Johann Stückler für die betroffenen Landwirte stark machen, wird es zunehmend lauter.

Doch der Reihe nach. Zum besseren Verständnis hier zuerst einige Folien der Präsentation zum Hochwasserschutz am Moosbach:

Ausgangssituation – die Zeit vor dem Bau des Hochwasserdamms

Frühere starke Hochwasser, ausgelöst durch den übergetretenen Moosbach, haben in Moosrain immer großen Schaden angerichtet - Hier Februar 1999 / Quelle aller Abbildungen: Dippold & Gerold Beratende Ingenieure GmbH

Nur 3 Monate später das nächste starke Hochwasser - Pfingsten 1999

So sah es Pfingsten 1999 etwas oberhalb Moosrains aus. Heute würde dort der Hochwasserdamm das unkontrollierte Übertreten des Moosbachs verhindern

Hochwasser August 2005

Die Schäden in Moosrain waren bei den starken Hochwasserereignissen immer sehr groß - Hier August 2005

Status Quo – Neuer Hochwasserdamm besteht erste Prüfung

Das Einzugsgebiet des Moosbachs erstreckt sich über 5,5 km² und bringt laut Planer Jörg Huber sehr viele Sedimente mit aus den Bergen

Die immer wieder auftretenden Überflutungen des Moosbachs will man – so wurde vor einigen Jahren entschieden – in einem 3-stufigen Verfahren in den Griff bekommen. Der 1,7 Millionen Euro teure und letztes Jahr eingeweihte Damm ist dabei der erste Teil des Hochwasserschutz-Projektes.

Der neue Hochwasserdamm kurz vor Moosrain hat sich bereits bewährt - obwohl die Landwirte am unteren Lauf des Moosbachs das etwas anders sehen

Im Juni diesen Jahres lief das Rückhaltebecken nach starken Regenfällen zum ersten Mal voll

Neue Schutzmaßnahmen für Moosrain – Der vorgestellte Abschnitt B

Die zweite Etappe des Hochwasserschutzprojektes – oder Bauabschnitt B genannt – wollte man auf der Gemeinderatssitzung konkret diskutieren und die Maßnahmen verabschieden. Dabei geht es um diverse Hochwasserschutzmaßnahmen, die ab dem Damm abwärts bis kurz nach Moosrain entlang des Moosbachs durchgeführt werden sollen.
Diese werden nun notwendig, da die ab dem Damm gesteuerte Durchlassmenge des Moosbachs nach einer Übergangszeit von 2 Jahren um das dreifache auf maximal 7,5 m³/sekunde erhöht werden muss. Diese Vorgabe ist bindend, da die Gemeinde ansonsten das Wasserrecht sowie die Zuschüsse des Landes in Höhe von 40% verliert. Warum das so ist, gehört in die komplexen Wirrungen der Bürokratie. Genau wie die Vorgaben für den Hochwasserschutz, die von einem sogenannten 100-jährigen Hochwasserereignis zuzüglich 15% Klimaerwärmungszuschlag ausgehen.

Wichtig ist jedoch: Die Maßnahmen sind nötig, da ansonsten Moosrain beim nächsten großen Hochwasser “absäuft”. Und das alles wird nicht billig.

Die vorgestellten Bereiche der Hochwasserschutzmaßnahmen im Abschnitt B. Der komplett rechte Bereich ohne Markierungen umfasst den noch nicht geklärten Abschnitt C

Die Kostenrechnung für den Abschnitt B der Hochwasserschutzmaßnahmen am Moosbach

Der Streitpunkt – Was machen wir beim Abschnitt C

Wie man im oberen Plan sieht, gibt es für den sogenannten Bauabschnitt C, keine eingezeichneten Maßnahmen. Der Grund liegt darin, dass diese vom Wasserwirtschaftsamt nicht vorgesehen sind. Schützenswert sind laut Aussage nur Gebäude, keine Felder. Eine Verbreiterung des Moosbachs kommt laut Naturschutzbehörde ebenfalls nicht in Betracht. Somit bleibt nur eine Muldenlösung, in die das Hochwasser abfließen kann.

Für die Bauern in den betroffenen Gebieten stellt das aber keine Lösung dar. Schon gar nicht, nachdem die jährlich auftretenden Hochwasserereignisse eher zunehmen als abnehmen. “14 Mal wurden meine Felder heuer überflutet”, so Peter Moser, einer der betroffenen Landwirte, auf Nachfrage aus dem Gremium. “Das ist schlimmer als früher ohne Damm.”

Und Gemeinderat Johann Huber ergänzt:
“Soviel Grund für die Mulden abzugeben ist doch keine Lösung. Wir können uns nicht alles von den Behörden gefallen lassen. Wenn das so durchgeht, dann wird die Zusammenarbeit zwischen Bauern und Gemeinde aufgekündigt.”

Sein Kollege Johann Stückler springt ihm zur Seite:
“Der Damm bringt den Bauern mehr Schaden als Nutzen. Die haben dadurch mehr Wasser auf den Feldern. Trotzdem investiert man immer nur im oberen Verlauf. Die oberen Bauern können leben, die unteren lässt man absaufen”

Das lässt wiederum Bürgermeister Georg von Preysing nicht auf sich sitzen:
“Wir lassen uns nicht vorwerfen, dass wir nichts für die Bauern tun. Aber die Naturschutzbehörde stellt sich hart auf. So oder so, ohne den Damm wäre es dieses Jahr öfter übergegangen.”

Die eigentliche Entscheidung des Gremiums zum Bauabschnitt B wird nach weiteren Diskussionen vertagt. Entschieden wird nur, dass es eine Veranstaltung geben soll, auf der Gemeinderäte, Betroffene und Behörden gemeinsam Ihre Argumente austauschen sollen.

Ob so eine Veranstaltung die aufgebrochenen Gräben wieder schließen wird, ist allerdings offen.

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