Donnerstag, 24. April 2014

Höhere Zugtaktung, um Straßen zu entlasten? BOB will – kann aber nicht

Die Verkehrsproblematik ist jedem Tal-Bewohner bekannt. Wenn nicht bald eine Lösung für das Problem gefunden wird, droht dem Tegernsee irgendwann ein Kollaps. Die Situation ein wenig entschärfen könnte der Öffentliche Personennahverkehr. Und da allen voran die Bayerische Oberlandbahn.

Heino Seeger, Geschäftsführer der BOB, kennt den dringenden Bedarf des Tals und auch die derzeitigen Probleme. Wirklich helfen kann aber auch er nicht.

Eine höhere Taktung der BOB entlastet die verstopften Straßen. Wann diese jedoch kommen wird, ist völlig ungewiss.

Vor einiger Zeit hatten die Verantwortlichen ein Infrastrukturkonzept vorgelegt, dass hohe Investitionen vorsah. Das grobe Ziel: durch eine Art versetzte Taktung der unterschiedlichen Strecken wollte man einen 30-Minuten-Takt zwischen Holzkirchen und München aufbauen. In der Hauptverkehrszeit hätte man zudem bis zu vier Fahrten pro Stunde anbieten können.

Doch Heino Seeger bremst die Erwartungen. Für die Teilstrecke Tegernsee bis Schaftlach und Holzkirchen sei vom Schienennetzbetreiber, der DB Netz, keine Ausweitung geplant. „Die aktuelle Infrastruktursituation ist in Ordnung“, so Seeger. „Das Ziel, zum Beispiel eine höhere Taktung, von Zügen lässt sich auch unter gegeben Bedingungen durchaus erweitern“, so der BOB-Geschäftsführer.

Dafür benötigt die BOB aber mehr Triebfahrzeuge. „Die haben wir aber nicht und können sie uns auch nicht leisten“, so Seeger. Mehr Wagons, um wenigstens die Kapazität der Züge zu erhöhen, scheitern an dem gleichen Problem.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Seeger verweist diesbezüglich auf das bestehende Angebot: „Zu den Hauptverkehrszeiten gibt es bereits einen Halbstundentakt. Morgens – wenn der Ausweichbus mitgezählt wird – für Pendler Richtung München. Dazu an Wochenenden morgens und abends auch für Tagestouristen, die entweder an den See strömen oder nach Hause wollen.“

Auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten strebt die BOB nun eine höhere Zugfrequenz an. „Wir wollen zwar, können das aber nicht alleine.“

Helfen könnte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Denn wenn die BEG Handlungsbedarf sieht und die BOB damit beauftragen würde die Taktung zu erhöhen, stünden auch genügend finanzielle Mittel zur Verfügung. In Fachkreisen wird das Regionalisierungsmittel genannt. „Die Mittel sind begrenzt, werden immer weniger und anderenorts gibt es akuteren Bedarf“, so Seeger.

Eine andere Lösung ist auch noch denkbar. Die Strecke in Richtung Bayrischzell soll elektrifiziert werden. „Dann stehen automatisch mehr Dieselloks für andere Strecken zur Verfügung. Auch für eine höhere Taktung in Richtung Tegernsee“, so Seeger. Gegenüber der Tegernseer Stimme wollte er sich aber nicht dazu äußern, bis wann eine Umsetzung der Maßnahme realistisch ist.

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  • Thomas

    Somit steht mal wieder die DB auf der Bremse. In Stuttgart mit aller Gewalt einen Milliardenbahnhof vergraben und für das Schienennetz hat man keinen Cent übrig. Im Grunde müssen wir ja fast froh sein noch eine Schienenstrecke zu haben, die dem Renditewahn nicht zum Opfer gefallen ist. Anderswo verrotten die Schienen des Nahverkehr ja schon.

    Apropos Bahn – ist der Bahnübergang in Hausham jetzt eigentlich ausgebaut, oder muß man da immer noch geschlagene 15 Minuten warten bis der Zug von Agatharied aus hingezockel ist?

    Das Argument der BOB für einen weiteren Triebwagen kann ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen. Es ist offensichtlich Bedarf da, so viel das zeitweise Busse einspringen müssen, da muß ein Triebwagen doch finanzierbar sein. Sowas schafft man doch nicht vom “ersparten” mit Blick auf das nächste Quartal an, das sind Investitionen für Jahrzehnte. Da muß sich mit einer unserer örtlichen Banken doch was machen lassen.

    • hansU

      der Bahnübergang in Hausham ist wie immer. 15 Minuten warten. Einmal wenn der Zug von Agatharied kommt und einmal wenn er aus Schliersee kommt.

      • mbak

        Dann wäre doch die 30 Minuten-Taktung optimal. Dadurch könnte man die Bahnschranke dauerhaft geschlossen lassen ;-)

    • Marc B.

      Die Zuweisung des Schwarzen Peters an die Bahn AG ist falsch. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist der staatliche Auftraggeber für den Regionalverkehr. Bahn und BOB sind “nur” Auftragnehmer. Verantwortlich ist also der Freistaat Bayern, er müsste den dichteren Takt bestellen (und bezahlen).

      • Thomas

        Für die Taktung und Anzahl der verkehrenden Züge ist ausschließlich die BOB verantwortlich. Wenn hier Vorgaben existieren, dann Mindestvorgaben was erfüllt werden muss. Schließlich ist es nicht die BOB die Geld von DB bzw. Staat erhält sondern im Gegenteil die DB-Netze bekommt Geld von der BOB für die Schienennutzung.

        Natürlich ist das Verfahren für einen Streckenausbau lange und aufwändig. Das kann bis ins Lächerliche gehen:
        http://www.youtube.com/watch?v=DHD8BdwGPIU

        Und das die Bahn seit Jahren die Prioritäten falsch setzt, den Lokalverkehr und auch den Güterverkehr vernachlässigt, das Pfeifen doch schon die Spatzen von den Dächern. Das sich die BOB selbst keine Investitionen traut ist oben ja schon erwähnt.

        • TKU

          Du willst es nicht verstehen oder?
          Für die Taktung des Zugverkehrs ist die BEG zuständig, da kein Eisenbahnverkehrsunternehmen eigenwirtschaftlichen Nahverkehr anbieten wird. Die BOB gehört Veolia und die wollen in erster Linie Geld verdienen und keins verbraten. Daher ist auch kein Geld für neue Züge da, da per Gewinnabführungsvertrag das meiste Geld nach Paris zu Veolia wandert.

          DB Netz baut die Strecken aus die der Bund haben will und finanziert. Sei es über die LuFV oder über den Bundesverkehrswegeplan. DB Netz ist nur ausführendes Organ, der Bund ist doch Eigentümer.
          Das Geld für die Schienennutzung kommt auch nicht direkt von der BOB, sondern als durchlaufender Posten von der BEG.

          Wenn die Strecke also ausgebaut werden soll, muss der Freistaat Bayern sich dafür einsetzen, auch mittels Einfluss beim Bund. Keiner hat was zu verschenken.
          Stuttgart 21, auch das wollen viele nicht verstehen, ist auch ein politisches Projekt, das die DB AG als Bundesunternehmen natürlich durchdrücken will, aber mit politischem Auftrag, weil auch in erster Linie einige Freunde aus diesen Reihen via ihrer Baufirmen etc. verdienen. Das durchschauen nur viele nicht.
          Abgesehen davon ist aber nicht mal Geld da wichtigste internationale Hauptverbindungen auszubauen, da in Deutschland Infrastruktur allgemein total unterfinanziert ist.

          • Thomas

            Ich glaube wir reden aneinander vorbei.

            Gut, es wäre interessant zu wissen ob im Vertrag zwischen der BEG und der BOB als Gewinner der Ausschreibung, nur Rahmenbedingungen für eine Mindestleistung (i.E. Bayerntakt) vorgesehen ist, oder tatsächlich eine Übererfüllung ausgeschlossen wird. Nur wenn letzteres Zutrifft warum steht davon nichts im Artikel? Der Tenor ist ja “wir würden gerne, können es uns aber nicht leisten.”, bzw. “Das Netz gibt nicht mehr her”. Und wieso gehst du davon aus, die BEG würde sich einer Ausweitung quer stellen? Das hätte Herr Seeger doch erwähnt, oder?

            Das die BOB zu Veolia gehört hatte ich tatsächlich übersehen, die Firma ist ja einschlägig bekannt (Filmtipp: Water makes Money). Toll so eine Privatisierung, die Gewinne fließen ab, und Investitionen bleiben liegen.

            Bei der DB und dem Staat sind wir übrigens völlig einer Meinung. Natürlich muss sich die Bahn an das Budget halten, natürlich sind da “politische” Interessen im Spiel, gerade bei Prestigeprojekten wie S21. Nur gerade diese Art Projekte sind es die das Budget fressen, und für den Ausbau anderswo nichts übrig lassen. Genau das meine ich mit dem falschen setzen der Prioritäten. Die Bahn ist zwar ein staatlicher Betrieb, geführt wird er aber schon seit Jahren wie ein Konzern. Und da zählt der Gewinn mehr als der Bedarf, S21 ist das beste Beispiel.

            Natürlich hat die Politik eine dicken Anteil an dem Zustand der Verkehrsnetze, das entlässt die Bahnmanager aber nicht aus der Schuld.

  • TKU

    Ich denke mal es wurde darauf angespielt dass die BEG sich zusätzliche Züge nicht leisten kann, weil dafür die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel (die vor wenigen Jahren sogar noch gekürzt wurden) dafür nicht ausreichen.
    Gegen eigenwirtschaftliche Mehrleistungen hätte die BEG sicher nichts, nur würde dann deutlich weniger Geld nach Paris via Gewinnabführungsvertrag wandern und da hört dann die Fahrgastliebe schnell auf.

    Mir wäre am liebsten die BOB würde den Oberlandkreisen und Kommunen gehören, so würde das erwirtschaftete Geld in der Region bleiben und die BOB könnte auch in neue Fahrzeuge investieren.
    Warum man kein Geld hat ist klar, da fast das gesamte Geld nach Paris zu Veolia abgeführt wird. Bei einer BOB in regionaler Hand wäre das nicht der Fall, zumal diese Firma auch keine Gewinnmaximierungsmaxime haben müsste, sondern einfach nur das Ziel eines kostendeckenden Betriebes haben müsste. Eine Win-Win-Situation für alle und kein Steuergeld würde mehr abfließen.

    Klar sind die Bahnmanager mit schuld an der von der Politik verursachten Misere, nur kommt es halt immer darauf an welche Leute man da hinsetzt. Heute sind das in erster Linie bahnfremde BWLer die nur stur auf ihre Zahlen blicken, dazu wurden auch viele engagierte Leute abgesägt. Das wäre alles eine Besetzungsfrage, die Schweiz zeigt uns ja was man mit den richtigen Leuten erreichen kann.

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