Freitag, 18. Mai 2012 (04:19 Uhr)

Leserstimme zur Radl-Diskussion: “Militante Fahrradgegner in Bad Wiessee”

In diesem Bereich der Seepromenade wird radeln testweise möglich sein. Weiter vorne ist es verboten.

Uns hat heute eine Leserstimme zum Thema Radeln am Tegernsee erreicht. Kein Tourist sondern ein Einheimischer beschreibt darin sehr anschaulich seine jüngsten Erfahrungen im Einzugsgebiet der Wiesseer Seepromenade. Übrigens nicht das erste Mal, dass uns solche Meldungen erreichen. So lange jedoch ein kleiner Teil des Gemeinderates sich damit brüstet seit 15 Jahren Fahrradfahren an bestimmten Stellen in Bad Wiessee erfolgreich zu verhindern. So lange wird es diese Erfahrungen auch weiterhin geben:

Von Stefan Niedermaier
Dass unser Tal ein Ort wird an dem sich Radler zu Hause fühlen, daran arbeiten viele. Nicht erst seit dies auf dem Masterplan für unseren Tourismus im Landkreis steht helfe auch ich mit viel Engagement und Ehrenamt seit Jahren mit, meine Leidenschaft, das Radfahren unserem Tal näher zubringen. Doch was mir am Samstag in Bad Wiessee wiederfahren ist, stellt jegliche Arbeit für unser Tal aus touristischer Sicht in Frage.

Wie bekannt, haben es unsere Talgemeinden ja nicht geschafft einen Radweg um den See anzulegen. Es gibt zwar etliche Meter, doch diese werden spätestens bei den Nadelöhren in Tegernsee-Süd nach Rottach, Gmund, Bad Wiessee und Tegernsee gekappt – und selbst wenn sich die Stadt Tegernsee ins Zeug legt um sich zu verschönern, vergisst man dieses Klientel sang und klanglos: Sportler, Familien, Schulkinder, Senioren …

Als ich mit Frau und Kindern am Wochenende von Rottach nach Bad Wiessee fuhr. Also zwei Erwachsene, ein Baby im Anhänger, unsere beiden Burschen mit vier und acht Jahren jeweils selbst auf dem Rad, ahnten wir nichts böses.

Am Ringsee rechts ab Richtung Abwinkel, von dort aus nach Alt Wiessee (alles Radweg) – unsere letzten Meter verliefen Richtung Terrassenhof. Mit einer Geschwindigkeit von knapp 8km/h und gebrieften defensiv und gesittet in Reihe fahrenden Kindern beschloss ich die für Radfahrer verbotenen rund 300 Meter durch die fast menschenleere Kurpromenade der Bundesstraße und Adrian-Stoop-Straße vorzuziehen. Langsam, freundlich und stets bremsbereit fuhr unsere Familie durch die Anlage. Alle Passanten und Urlauber grüßten uns freundlich und hatten keinerlei Probleme mit der Radtruppe – aber ich hatte nicht mit militanten Einheimischen hinter den Büschen am See gerechnet.

Schon aus 20 Meter gab mir ein älterer Herr vehement kopfschüttelnd seine Grundhaltung gegenüber uns Gesetzesbrechern kund. Aus näherer Distanz gab er in gepflegter Wortwahl zum Besten, was ich keinem Urlauber wünsche. Als er mir zu verstehen gab, die Polizei per Notfallhandy zu alarmieren, pflichtete ich ihm bei, falls dies seine Lebensaufgabe ist und fuhr meiner Familie zu Liebe weiter. Ich lachte noch, als ich mir den eingehenden Anruf bei der Polizei bildlich vorstellte, und mit einer Straßensperre rechnete, doch was ich heute erfuhr, war letztendlich der Anlass für meinen Leserbrief.

Kurz vor unserem Ziel, kamen uns zwei befreundete Hoteliers aus Bad Wiessee, kommunal sehr aktiv, mit ihrem vierjährigen Sohn/Enkel und dessen kleinem Bruder im Nachläufer entgegen. Da sich auch diese in verbotenem Gebiet bewegten, erschien mir unser Gesetzesübertritt marginal. Doch weit gefehlt, der Notruf wurde tatsächlich ernstgenommen, und die herbeigeeilte Politesse nahm sich unsere Wiesseer Freunde zur Brust, was einen lautstarken Ausgang gehabt haben muss.

Solange wir noch solche weltfremden Gastgeber und Hüter des Rechts unter uns haben, sollten wir jegliches touristische Engagement, Farbprospekte, Gütesiegel, Schulungen, Messen und sonstige Ausgaben gegen einen Rückläufigen Tourismus in Frage stellen.

Bürokratismus scheint immer noch stärker zu sein als gesunder Menschenverstand und der Schutz unserer Kinder.

Ihre Meinung ist uns wichtig

  1. :-) meint:

    welcome to bad wiessee fällt mir da nur ein. mir hat die liebe polizei im alter von 12 jahren 20dm abgenommen weil ich den fußweg benutzt habe… :-)

    • Hans Meier meint:

      die Polizei ist sicherlich nicht das Problem, bei den Einheimischen fehlts halt. Ein bisschen Rücksicht beiderseits und gut ist´s!

  2. wiesseer meint:

    naja, wenn etwas Verboten ist, dann macht mans halt nicht. Und wenn an der Stelle Fahradfahren nicht erlaubt ist, dann sind die Anwohner im Recht. Wie man das dann durchsetzt ist eine andere Frage. Aber eigentlich haben sie Recht mit ihren Hinweisen.

  3. Gmunder meint:

    … ja, so ist das mit unserer Kinder- und Familienfreundlichkeit! Dürfen Kinder nicht sogar Fußwege befahren? Und sollten dann die Eltern, anders als ihre Kinder, den ihnen vorgeschriebenen Weg nehmen? Kurios!

  4. Hans Meier meint:

    natürlich ist diese Strecke verboten und ich sehe es auch ein, wenn einige mit dem MTB durchdonnern. Wenn eine Familie mit Radanhänger aber durchfährt (oder auch MTB in ruhigem Tempo und Rücksicht nehmen auf die Fußgänger, die ja Vorrang haben) ist dies sicherlich besser, als wenn Vater und Mutter mit Babyanhänger auf der Straße fahren und die 2 Burschen auf dem Gehweg?!?!?!?!?!?

  5. 3 Fragezeichen meint:

    Hallo geht´s noch? Wenn es nicht erlaubt ist, ist es nicht erlaubt. Es gibt klare Regeln und Vorschriften und an die muss / soll man sich eben halten.

    Ein Polizist würde bei mir auch keine Ausnahme machen wenn ich sage ich bin nicht angeschnallt weil ich´s an der Bandscheibe habe, oder?

    Und wenn ich mit dem Radl in den Bereich komme in dem Radfahren nicht erlaubt ist, dann steige ich ab und schiebe. Ist auch als Vorbildfunktion gegenüber den Kindern angebracht.

    • Alois meint:

      so ist es –
      Wenn es nicht erlaubt ist, ist es nicht erlaubt

      Man muss sich hier nur fragen, ob das Schild wirklich sinnvoll ist.

      Die Story mit dem lieben Familienvater zieht hier nicht, ist eher ein Eigentor. Der Vater kann UND sollte das Schild lesen/befolgen als Vorbild für seine Kinder!
      Lieber stellt er seine “eigenen Regeln” auf…

      ja mei, irgendwie san doch alle gleich…

  6. Einheimischer meint:

    Traurig diese Meldung und peinlich für alle Einheimischen!

    Dass die Bevölkerung im Tal immer älter wird ist ja seit Jahren offensichtlich aber dass inzwischen auch noch die Unfreundlichkeit, von dieser Bevölkerungssschicht, den Umgang miteinandern prägt ist doch sehr erschreckend!

    Leider vergessen viele Alte dass sie früher auch mal Kinder waren, vielleich waren Sie – was ich angesichts Ihrer Einstellung aber eher nicht glaube – auch besorgte Eltern!

    Etwas Rücksicht der Kinder gegenüber den Sie sind unsere/eure Zukunft! Oder wer zahlt eure Rente?

    Und einen netten Gruß an dem im Leserbrief erwähnten Anrufer (sollte er zufällig hier mitlesen – sofern Er denn einen Computer bedienen kann), so wie man in den Wald reinschreit kommt es zurück!

  7. Bad Wiessee ohne mich meint:

    Gehört hat man diese Geschichten schon des öfteren…

    Bisher habe ich meine zahlreichen geführten MTB-Touren oft in Bad Wiessee starten und enden lassen und mit den Teilnehmern in diversen Hotels und Gaststätten einiges an Geld gelassen.

    Dies wird ab jetzt nicht mehr stattfinden und eine Empfehlung an alle mir bekannten Tourenveranstalter, sich in bikefreundliche Gemeinden im Tegernseer Tal umzuorientieren, wird heute noch meine Schreibtisch verlassen. Vielleicht schaffen es ja die Wiesseer Gastronomen und Hotelbetriebe, ihre Gemeinde davon zu überzeugen, dass ein Miteinander mehr Gewinn bringt als spießbürgerliches Gehabe.

  8. kallekölle meint:

    Ich weiß nicht was der gute Herr Niedermaier sich so aufregt, warum geht er die 300 m. nicht und schiebt sein Rad ? Stur weiter auf dem Rad und meint auch noch, ich habe Recht, daß ist das eigentliche Problem der militanten Radfahrer ! Ausserdem ist Radfahren auf Gehwegen kein Vergnügen auch wenn der Familie Niedermaier die Fussgänger zujubeln.

  9. Leonhard B Scheitzach meint:

    Da kann ich dem Stefan nur zustimmen. Der Badepark ist sowieso der einzige Grund, dass wir überhaupt noch einen Fuß nach Wiessee setzen. Ansonsten sollten sie am besten an den Ortsschildern noch den Zusatz “Besucher unter 75 unerwünscht” anbringen – dann hätte man wenigstens klare Verhältnisse.

  10. Done meint:

    Ich kann mir schon vorstellen das der alte Bock im Gebüsch nur darauf gewartet hat bis jemand solch eine ungeheuerliche Gesetzesüberschreitung begeht. Bestimmt liegt liegt er dort täglich auf der Lauer und blockiert mit seinen dämlichen Anrufen den Notruf der Polizei. Wie wiederwärtig!

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