Donnerstag, 24. April 2014

Ein Reporter am Rottacher Schießstand

Mein erster Tag an der Waffe

Der SchĂŒtzenverein. FĂŒr seine Mitglieder ist er eine Herzensangelegenheit, fĂŒr Außenstehende eher befremdlich. Ich gehörte bisher tendenziell zur zweiten Gruppe.

So wage ich mich in die Gsotthaber Stuben. Jeden Mittwoch findet dort das „Kranzl“, ein Übungsschießen der Rottacher SchĂŒtzengesellschaft, statt. Um 18 Uhr die Jugend, um halb acht die Erwachsenen. Und ich als AnfĂ€nger mittendrin.

Übungsschießen mit Kaliber 4,5

Das Ziel, so erzĂ€hlt mir ein SchĂŒtze in leisem Ton, wird entweder direkt auf die SchĂŒtzenscheibe gemalt, oder es werden kleine Pappscheiben davor gehĂ€ngt. Zehn mal zehn Zentimeter groß. Das Blattl in der Mitte hat einunddreißig Millimeter Durchmesser und ist in zehn Ringe aufgeteilt.

Die SchĂŒtzen bringen sich in Stellung. Geschossen wird mit Luftgewehren. Das Kaliber betrĂ€gt 4,5 mm. Die Munition: Diabolos ‒ kleine, stumpfe Bleikegel. Sie stanzen saubere Löcher in die Pappe. Hastreiter holt spĂ€ter die getroffenen Scheiben zu sich, um sie auswerten zu lassen. Wie kleine Seilbahnen sehen die Vorrichtungen aus, mit denen sie an die Wand und zur Trefferkontrolle wieder zurĂŒck gefahren werden.

Der erste Schuss – glatt vorbei

Der Platz an den vielen Schießbahnen reicht heute kaum aus. Nachdem die Vereinsmitglieder ihr Schießen beendet haben sind auch wir an der Reihe. Ein Diabolo in den Lauf, das Ziel anvisiert und einen ersten Schuss abgegeben. Das Resultat dieses ersten Versuchs ist leider keine glatte Zehn, sondern eine Kerbe in der Holzverkleidung einiges entfernt von der eigentlichen Scheibe.

Das Ganze scheint also nicht so einfach zu sein, wie viele auf den ersten Blick, oder von Erfahrungen an den Schießbuden der Waldfeste, vermuten. Als GrĂŒnde lassen sich zunĂ€chst die mit zehn Metern im Vergleich zum Waldfest deutlich grĂ¶ĂŸere Entfernung zum Ziel und das geringere Gewicht der Waffe anfĂŒhren.

Worauf es generell ankommt erlĂ€utert uns der Vorsitzende der SchĂŒtzengesellschaft Erich Hastreiter in einem anschließenden GesprĂ€ch. “Das Schießen verbindet die verschiedensten Komponenten miteinander. Konzentration ist ebenso entscheidend, wie die richtige Gewehrhaltung, ein fester Stand, die Balance und eine ruhige regelmĂ€ĂŸige Atmung.” Beobachtet man die Vereinsmitglieder beim Schießen, trifft genau dies zu. Es herrscht Ruhe, jeder ist voll konzentriert und auf seine Resultat fixiert.

Jung und Alt fĂŒr das Schießen begeistern

Neben aller Anspannung wĂ€hrend des Trainings, stehe im Anschluss vor allem die Geselligkeit im Vordergrund, so Hastreiter. Nach dem wöchentlichen “Kranzl” setzen sich alle Teilnehmer zu einer Brotzeit zusammen und kĂŒren die Sieger des Tages.

Die Preise sind im Wert von rund 4 Euro und reichen von Speck ĂŒber Eierlikör bis zu Schokolade. Alle bekommen einen Preis, die Gewinner haben aber das Recht sich als erste etwas auszusuchen. Nichts desto trotz ist es aber auch ein Ziel der SchĂŒtzengesellschaft einige Mitglieder zu haben, die den Verein auch auf RundenwettkĂ€mpfen, Gau- oder auch Bayerischen Meisterschaften vertreten. Auch hier sind die Rottacher aktiv. Sie haben derzeit 132 Mitglieder, davon 30 Aktive und 15 Jugendliche.

Der Schießsport ist beliebt im Tegernseer Tal. In jedem Ort gibt es eine eigene SchĂŒtzengesellschaft. Neue Mitglieder zu gewinnen steht dabei weit oben auf der PrioritĂ€tenliste der Vereine. Dem ist sich auch Erich Hastreiter bewusst.

Die Altersstruktur hat sich in den letzten Jahren immer weiter nach oben verlagert und wir wollen natĂŒrlich auch junge Leute wieder stĂ€rker fĂŒr unsere SchĂŒtzengesellschaft begeistern.

Die meisten Jugendlichen kommen ĂŒber Schulfreunde oder ihre Eltern zu den SchĂŒtzen. “Von sechs die es mal ausprobieren, bleiben meist nur ein oder zwei dauerhaft dabei”, so Hastreiter weiter. Kinder unter zwölf Jahre dĂŒrfen rein rechtlich nur mit einer Ausnahmegenehmigung vom Landratsamt, Jugendliche ĂŒber zwölf mit Erlaubnis der Eltern schießen.

Die Aufsicht und Anleitung durch erfahrene Vereinsmitglieder ist zudem eine zwingende Voraussetzung. “Der Schießsport ist und bleibt gefĂ€hrlich, auch wenn ich in meiner aktiven Zeit noch nie einen Unfall erlebt habe”, wie uns der Vorsitzende der SchĂŒtzengesellschaft versichert.

Bei aller Ernsthaftigkeit sei es aber auch wichtig, den Kindern und Jugendlichen das Schießen spielerisch zu vermitteln. KonzentrationsĂŒbungen sind hierfĂŒr ebenso förderlich wie die Verwendung verschiedener Ziele und das Benutzen von Lichtgewehren fĂŒr die ersten Erfahrungen.

Viele von ihnen verlassen die Rottacher SchĂŒtzen jedoch wieder, wenn sie ihre Ausbildung oder das Studium an andere Orte fĂŒhrt. Deshalb ist man bei den SchĂŒtzen auch immer auf der Suche nach erwachsenen Neumitgliedern.

Eine Ansammlung von verschiedenen SchĂŒtzenscheiben aus dem Fundus des SchĂŒtzenvereins

Zur Geschichte der SchĂŒtzenvereine

Zu Beginn des SchĂŒtzenwesens wurde nur mit der Armbrust geschossen. WĂ€hrend man im Norden noch ausschließlich auf einen hölzernen Vogel zielte, setzte sich in SĂŒddeutschland bereits im 15. Jahrhundert das Schießen auf eine Holzscheibe durch. Das erste bekannte Scheibenschießen fand 1429 in NĂŒrnberg statt.

Bei den großen Schießen wurde ein Zielblatt, meist aus einem runden StĂŒck Leder, in der Mitte an die Zielwand genagelt. SpĂ€ter wurde der Nagel durch eine kreisrunde schwarze Innenscheibe ersetzt. Daher auch der Ausdruck „ins Schwarze getroffen“.

Die ersten SchĂŒtzenscheiben waren noch unbemalt und oft einfache Fassböden. Erst spĂ€ter wurden die bis zu 180 cm messenden Scheiben kunstvoll bemalt. Auch bekannte Maler wie etwa Johann Sperl, Lorenz Biller oder Thomas Baumgartner malten auf SchĂŒtzenscheiben.

Die erste Rottacher SchĂŒtzengesellschaft stammt aus dem Jahre 1850. Als Verein eingetragen wurde sie aber erst 1974. Sie zĂ€hlt heute 135 Mitglieder, eintreten darf man ab zwölf Jahren.

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  • Elgert Inge

    Guten Morgen, zu den SchĂŒtzen zu gehören, das wĂŒrde mich interessieren ,
    aber ist rund um den See nur Luftgewehr möglich, oder gibt es das auch anders am Tegernsee, und wenn ja kann man z.B. auch in einen anderen Ortsbereich in den dazu gehörigen Verein eintreten. Und wie hoch ist der Jahresbeitrag des Vereins? Vielen Dank Inge Elgert

    • http://www.tegernseerstimme.de Tegernseer Stimme

      Die Mitgliedschaft gibt es fĂŒr Erwachsene ab 25 Euro und fĂŒr Jugendliche ab 21 Euro im Jahr. Ist man zudem bereits Mitglied in einem anderen SchĂŒtzenverein, ist eine Zweitmitgliedschaft fĂŒr zehn Euro eine weitere Alternative.

      Die anderen Fragen mĂŒssen wir noch recherchieren.

  • Bauer

    Ist das ein Werbeartikel? ;-)

    (BTW: die meisten AmoklĂ€ufe passiere im Umfeld von SchĂŒtzenvereinen — seltsamerweise!)

    • HBO

      Amoklauf mit Luftgewehr. Super! :-)

    • SchĂŒtze 0815

      Klasse-Kommentar. ;-(
      Leider glĂ€nzen die meisten “militanten” Waffengegner durch fachliche Unkenntnis.
      Wenn ich solche Kommentare lese, bei denen der Autor seine Chance zu schweigen verpasst hat, geht mir der Hut hoch…

      @BAUER: BEVOR Du Deine unqualifizierte Meinung im Internet kund tust, informiere Dich wenigstens, worĂŒber Du sprichts!
      Der Autor des Artikels hat sich zumindest fachkundig gemacht. Ein Zustand, den DU wohl nie erreichen wirst.

    • tegarinseo

      Was bedeutet, bitte, “BTW”?

      • Rainer

        by the way = nebenbei

        • tegarinseo

          Danke! Ich hĂ€tt’s mir ja gerne vom ober-coolen Verfasser selbst ausdeutschen lassen. Auf jeden Fall: I’m duly impressed oder was fĂŒr eine hohle Wichtigtuerei.

    • Demokratie Jetzt!

      Wenn Sie das so sehen, dann sollten Sie mal etliche von den Ballerspielen die so frei verkĂ€uflich gehandelt werden ansehen. Da ist fĂŒr mich da absolute Gewaltpotenzial versteckt. Es ist nicht die Waffe, die tötet sondern der, der abdrĂŒckt!

    • Karlo

      Tja Bauer,
      BTW: die meisten AmoklĂ€ufe finden eben nicht im Umfeld der Schieß-Sportvereine statt.
      Wenn aus einem fahrenden Wagen mit vollautomatischen Schusswaffen Eisdielenbesucher niedergestreckt werden, wenn in Duisburg auf offener Straße Disco-Besucher abgeknallt werden, wenn eine Frau einen Zahnarzt erschießt usw. usw. Dann wird vorsichtshalber nicht von Amok gesprochen, da dies ja mit ILLEGALEN Waffen geschieht und da wird auch selbstverstĂ€ndlich keine Frau Roth oder jemand anderes aufschreien.
      Bemerkenswert ist aber schon, das gerade die AmoklĂ€ufe der Jugendlichen an Schulen stattfinden. Sollte da etwa etwas mit unserem Bildungssystem nicht stimmen (siehe RĂŒthli-Schule)? Wie sagte ein deutsch-tĂŒrkischer Commedian so Treffend: ” Ey, wieso gibts kein Amok an unserer Schule? Is ganz einfach, die wissen, das wir zurĂŒckschießen, weißt du?!”

  • Karlo

    Bedanken möchte ich bei dem Journalisten, der sich selbst ein Bild vom Schießsport machen möchte und dies auch OHNE die ĂŒblichen, reißerischen “Nebenkommentare” berichtet!
    Leider hat der Herr Christopher nicht geschrieben, wie es ihm denn letztendlich Gefallen hat und ob die SchĂŒtzengemeinschaft demnĂ€chst einen neuen “Lehrling” in ihren Reihen begrĂŒĂŸen kann.

    • Christopher (Tegernseer Stimme)

      Das Ganze war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung und hat mir Spaß gemacht.
      Ich denke ich belasse es aber bei diesem einmaligen Experiment.

      • Demokratie Jetzt!

        Verstehe ich nicht, wenn es Ihnen Spaß gemacht hat, warum dann nicht weiter. Biathlon ist eine der beliebtesten Sportarten, auch da wird geschossen! Und niemand, hegt hier Zweifel, Oder?

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