Donnerstag, 23. Mai 2013

Parteiübergreifende Suche nach neuen Möglichkeiten der Einbindung

Bürgerbeteiligung als Wahlkampfthema?

Im nächsten Jahr wird gewählt. In Berlin der Bundestag. In Bayern der Landtag. Und auch bei uns am Tegernsee braucht es dann nicht mehr lange, bis die Gemeinderäte und Bürgermeister neu gewählt werden.

Noch hat die heiße Wahlkampf-Phase nicht begonnen aber es wird spannend zu beobachten, wie weit das Internet und der Bürger in den nächsten beiden Jahren einbezogen werden. Wie wichtig die sogenannte Netzgemeinde und deren Beteiligung der Politik inzwischen ist.

In der Bundespolitik testen die etablierten Parteien, in Vorbereitung auf den anstehenden Wahlkampf 2013, bereits neue Beteiligungsformen aus. Die Bundes-SPD hat vor einigen Wochen den sogenannten Bürgerdialog gestartet. Der Bürgerdialog erlaubt es allen Interessierten Bürgern ihre Ideen und Vorschläge via Internet, Postkarte oder bei diversen Live-Veranstaltungen einzureichen. Für die SPD spielt es dabei keine Rolle, ob die Beteiligung durch Mitglieder oder Nichtmitglieder erfolgt.

Der Bürger erarbeitet Teile des SPD-Wahlprogrammes

Die 10 besten Ideen sollen im März 2013 gewählt und in das Wahlprogramm der Bundes-SPD übernommen werden – allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich der Parteivorstand im Vorfeld mit der Finanzierbarkeit der Ideen auseinandersetzt.

Die Bundes-SPD startet den Versuch Teile des Wahlprogrammes direkt von Bürgern und Wählern erstellen zu lassen.

Schon länger wird versucht, Bürger über das Internet in die Bundespolitik mit einzubeziehen. Das bekannteste Beispiel sind die, zu verschiedenen Themen eingesetzten und parteiübergreifenden, Enquette-Kommissionen, die neben 17 Abgeordneten und 17 unabhängigen Sachverständigen auch die Online-Vorschläge von Bürgern als sogenannten 18. Sachverständigen beteiligen. Die Kommissionen kümmern sich um Zukunftsthemen in Wirtschaft, Entwicklung, Internet und Demokratie, die noch Außerhalb der Tagespolitik stattfinden. Mitmachen darf jeder, der sich auf der Internetplattform registriert.

Die CDU versucht sich im direkten Bürgergespräch

Neben der SPD ist auch die CDU inzwischen verstärkt auf der Suche nach mehr und besseren Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger. Da gab es beispielsweise den Zukunftsdialog der Kanzlerin, bei dem jeder dazu aufgerufen war seine Ideen für ein zukünftiges Zusammenleben in unserer Gesellschaft einzubringen. Die Vorschläge, die die meisten Leserstimmen erhielten, wurden anschließend persönlich mit der Bundeskanzlerin diskutiert.

Ein anderes Beispiel ist die „Tele-Townhall“ der CDU. Aufgerufen waren CDU-Mitglieder, die eine Stunde lang telefonisch Fragen an Angela Merkel richten konnten. Übertragen wurde live ins Internet. Das Ziel des Projektes hat süddeutsche.de beschrieben:

Die “Tele-Townhall” soll der Auftakt zu den Regionalkonferenzen im Herbst sein. Mit ihnen will die CDU vor dem Bundesparteitag Anfang Dezember die Stimmung an der Basis ausloten und mögliche Konflikte vorab bereinigen.

Grüne arbeiten an mehr parteiinterner Basisdemokratie

Etwas überraschend ist, dass die Grünen eher konservativ in den Wahlkampf starten. Zwar will man auch dort die Möglichkeiten für mehr Basisdemokratie weiter ausbauen – allerdings nur Parteiintern. So soll das Programm für die Wahl 2013 noch klassisch über Gremien erstellt und von der Bundesdelegiertenkonferenz auf dem Parteitag beschlossen werden aber auch hier werden im Anschluss die Möglichkeiten des Internet genutzt.

In einer dreitätigen Onlineabstimmung sollen die Schwerpunkte des Programms von allen Mitgliedern bestimmt werden. Die so festgelegten Punkte werden im Anschluss die Themen vorgeben, mit denen man in eventuelle Koalitionsverhandlungen starten wird.

Bayern-FDP stellt ihre Idee der New Democracy vor

Bei uns in Bayern ist es dagegen die FDP, die mit ihrer Diskussions-Plattform New Democracy im vergangenen Sommer kurzzeitig für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Wir haben darüber berichtet.

All diese Punkte sind für sich gesehen noch kleine, erste Schritte, die aber bereits die Richtung erkennen lassen: Angestoßen durch die Erfolge der Piraten, hat die Suche nach neuen und besseren Beteiligungsmöglichkeiten über alle Parteien hinweg Einzug gehalten.

Auch im Tegernseer Tal bewegt sich etwas

Das einiges in Bewegung ist, sieht man auch im Tegernseer Tal: Die Tegernseer SPD hat erst kürzlich eine digitale Diskussions- und Beteiligungsplattform vorgestellt, um die Beteiligungsmöglichkeiten der Parteiarbeit zu erweitern. Die Wiesseer CSU hat eine aufwändige Bürgerbefragung durchgeführt, die nicht zuletzt online eine sehr hohe Beteiligung hatte.

Und selbst Alexander Radwan, Landtagsabgeordnete der CSU Oberbayern hat die Rottacher Mitglieder auf die sich anbahnenden Veränderungen durch mehr Beteiligung und Transparenz eingeschworen: “Das ist ein immer wichtigeres Bedürfnis der Bürger, und auch wir in der CSU müssen dafür sorgen, dass das, was im politischen Prozess abläuft, auch in der Öffentlichkeit ankommt.”

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Lorenz Hübsch

    Der Vollständigkeithalber möchte ich erwähnen, dass auch die CSU Bürgerbeteiligung mittlerweile die notwendige Beachtung schenkt und Initiativen auf unterschiedlichen Ebenen entwickelt hat. Beispielsweise möchte ich auf die Initiative der CSU Oberbayern hinweisen und alle Leserinnen und Leser der Tegernseer Stimme zum Mitmachen einladen: http://www.meine-zukunft-oberbayern.de/

    • Lorenz Hübsch

      Sehr geehrte(r) Demokratie jetzt!,

      wir sind jetzt zwar off-topic, jedoch möchte ich Ihre Feststellungen erwiedern:

      Sie zitieren jetzt den Stundensatz des niedrigsten Lohnes im Bereich Service der Flughafenrestaurants. Hier muss denke ich auch noch das Trinkgeld der Gäste hinzugerechnet werden. Allerdings gebe ich Ihnen recht, dass teilweise die Tariflöhne für die Lebensbedingungen in Bayern sehr niedrig sind. Aber wer ist dafür verantwortlich? Es herrscht in Deutschland die Tarifautonomie, in der Arbeitnehmer (Gewerkschaften) und Arbeitgeber (Verbände) die Lohntarife frei aushandeln – die Politik hat sich hier nicht einzumischen, die Arbeitnehmer können ihre Forderungen mit Streiks durchsetzen. Für den Bereich des Gaststättengewerbes, der Logistik-, Reinigungs- und Sicherheitsbranche gibt es diese Tarifverträge und werden eingehalten. Allerdings lassen mich auch eines nicht unerwähnt lassen: Ich arbeite in München und habe hier berufsbedingt mit vielen Menschen zu tun, die z.B. als Vollzeitreinigungskraft für derzeit 8,77 EUR (Mindestlohn für Reiniger in Bayern) ihr Einkommen bestreiten. Bei 160 Monatsstunden (40 Stunden-Woche) verbleiben so am Monatsende ca. 1.400 EUR brutto zzgl. ggf. ein 400 EUR Einkommen des Partners. Ich darf Ihnen sagen, dass diese durchaus davon leben und (zumindest habe ich den Eindruck) mit Ihrem Leben zufriedender sind als so mancher (deutscher) Großverdiener. Klar: Urlaube sind nicht drin, ebensowenig eine Wohnung mit gehobener Ausstattung in Innenstadtlage oder ein fabrikneues Auto. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass einige in unserem Land bereits von tiefer Armut sprechen, wenn sie sich die zweite oder dritte Urlaubsreise im Jahr nicht mehr leisten können. Vielleicht sollten wir mal über unsere persönlichen Ansprüche nachdenken? Natürlich ist mir auch bewußt, dass es Menschen in wirklich schwierigen Situtationen gibt, die nicht einfach ohne staatliche Hilfe zum (Teilzeit-)Arbeitseinkommen ihr Leben bestreiten können (z.B. alleinerziehende Mutter – ggf. noch Krankheit etc.).
      Da jedoch weit off-topic, bzw. ohne Bezug zum eigentlichen Artikel möchte ich die Diskussion an dieser Stelle von meiner Seite beenden. Danke für den Gedankenaustausch.

  • Demokratie Jetzt!

    Wer Nach-Wie-Vor an der 3.Startbahn festhält obwohl das Votum der Bürger klar NEIN geheissen hat, der braucht sich über Bürgerbeteiligung nicht auslassen!

    • Lorenz Hübsch

      Es war nicht das Votum der Bürger Bayerns, sondern das Votum der abstimmungsberechtigten Münchner Bürgerinnen und Bürger und somit bindend für den Oberbürgermeister und Stadträte. Sie werden mir zustimmen, dass die bayer. Staatsregierung die Zukunft und das Wohlergehen des gesamten Bundeslandes zu verantworten hat. Sollte der Ausbau für eine Zukunftssicherung Bayerns von großer Bedeutung sein, ist ein Festhalten daran (auch wenn politisch derzeit nicht möglich) durchaus oportun. Ich denke, dies würde auch jeder Bürger erwarten.

      Also bitte unterscheiden:

      Verantwortung für die Stadt München und Ihrer Bürger: Oberbürgermeister und Stadträte
      Verantwortung für gesamt Bayern: Ministerpräsident und Landtag

      • Demokratie Jetzt!

        Dann hätte man aber zumindest die Anwohner des Flughafens mit ins Boot holen müssen, so einfach wäre das gewesen.

        • Lorenz Hübsch

          Die anliegenden Gemeinden, Kreise und Bürger sind ab 2007 mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens umfassend beteiligt worden.
          Näheres zur Chronologie können Sie leicht im Internet finden, z.B. hier:

          http://www.muc-ausbau.de/bahn3/zeitplan/index.jsp

          Und ganz nebenbei: Wieviele der im Umland des Flughafens wohnende Bürgerinnen und Bürger sind direkt oder indirekt von der Jobmaschine Flughafen abhängig?
          Nur eine Zahl:
          30.000 Personen sind derzeit für den Betrieb des Flughafens bei FMG, Lufthansa und den anderen Unernehmen beschäftigt. Auch dieses lässt sich leicht recherchieren.

          • Demokratie Jetzt!

            Dann wissen Sie sicherlich auch, dass die sog. Aufstocker (d.h. der Lohn reicht nicht zum Leben) die am Flughafen arbeiten für die Komunen am Flughafen zum Problem werden.Da dort gleichzeitung die Mieten explodiert sind. Finden Sie es nicht traurig, daß es in diesem Land, wieviele es im Tal sind weiß ich leider nicht, Menschen gibt, die von ihrer Arbeit nicht leben können? Dass man an diesem Flughafen anscheinend kein Geld hat, die Menschen ordentlich zu bezahlen, aber gleichzeitig für Mrd. eine Startbahn bauen will?

            Eine Anmerkung es wäre mal eine journalistische Leistung der TS mal nachzufragen, wo hier im Tal die Leute arbeiten und nicht davon leben können!

          • Lorenz Hübsch

            Danke für Ihre Ausführungen, die Sie jedoch vielleicht nochmals an Hand von Fakten überprüfen sollten. Ich empfehle Ihnen hierfür diese Lektüre:
            http://www.munich-airport.de/media/download/general/publikationen/de/arbeitswelt.pdf
            Auch wenn der Herausgeber der Flughafen selbst ist, sind die genannten statistischen Quellen unabhängige Institute und Behörden.

            Vielleicht müssten Sie anschließend einzelne Behauptungen bzgl. der Aufstockerproblematik revidieren.

          • Demokratie Jetzt!

            Acht Euro Siebenundsiebzig!!!! Wissen Sie was einem da übrigbleibt und was da in die Sozialkassen einfließt? Die Zulagen dürfen Sie hier nicht rechnen. Und das für eine Knochenarbeit, die einer kaum bis zum 67 Lebensjahr machen kann. Wenn er dann mit 60 am Ende ist, streicht man im einen Batzen von der Rente weg. In welchem Wolkenkuckucksheim leben Sie eigentlich?

          • veritas

            Schön alles nachkauen was einem DIE Partei vorgibt.

            Es hört sich natürlich super an, wenn man sagt man schafft so und so viel Arbeitsplätze. Aber, dass davon viele im Niedrig Lohn Bereich sind, verschweigt man gerne.
            Bei den 30.000 sind auch 400 Euro-Jobber und Gelegenheitsarbeiter (bspw. Studenten auch wenn sie nur 1x im Monat arbeiten) miteingerechnet.

          • Lorenz Hübsch

            Ja, ich bin Mitglied einer Partei – nein ich gebe hier ausschließlich meine Meinung wieder!
            Sachlich zu Ihrem Einwand:
            Wir benötigen in Deutschland und in Bayern auch Jobs für Teilzeitkräfte oder weniger qualifizierte Arbeitnehmer. Was würden genau diese Bürgergruppen machen, wenn es nur noch bestbezahlte, hochqualifizierte Vollzeitarbeitsplätze in Bayern gäbe? Auch der Student benötigt ggf. noch auf Stundenbasis einen Hinzuverdienst und ist foh, eine derartige Jobmöglichkeit zu bekommen….. Alles hat seine zwei Seiten…..

  • Anonymous

    Ich möchte es an dieser Stelle nicht verpassen, auch nochmal alle interessierten Leserinnen und Leser der TS auf unsere morgige öffentliche Präsentationsveranstaltung hinzuweisen.

    Wer es in den vergangenen Tagen noch nicht dem Veranstaltungkalender der TS, zahlreichen Plakaten in Bad Wiessee oder den Veranstaltungshinweisen des MM entnommen hat, hier nochmal im Detail:

    CSU BÜRGERBEFRAGUNG 2012
    Präsentationveranstaltung
    Dienstag, den 30.10.2012 um 20:00 Uhr, Gasthof zur Post, Bad Wiessee

    Wie steht es laut Bürger- und Gästemeinung um die Lebensqualität in Bad Wiessee? Wo steht Ihrer Meinung nach Bad Wiessee im Vergleich zu den anderen Talgemeinden? Sind die Wiesseer zufrieden mit der derzeitigen Ortspolitik? Welche Kritik, Anregungen und Wünsche haben die Teilnehmer für die Zukunft des Ortes geäußert?

    Auf all diese Fragen liefern wir an diesem Abend die entsprechenden Antworten und würden uns freuen, Sie persönlich, gerne in Begleitung von Freunden oder anderen Interessierten begrüßen zu dürfen.

    Mit den besten Grüßen

    Florian Sareiter
    Ortsvorsitzender CSU Bad Wiessee

  • Andreas Obermüller

    Zitat Alexander Radwan (Noch-MdL, CSU):

    “Das ist ein immer wichtigeres Bedürfnis der Bürger, und auch wir in der CSU müssen dafür sorgen, dass das, was im politischen Prozess abläuft, auch in der Öffentlichkeit ankommt.”

    Ich würde ergänzen: “.. aber nur wenn die CSU es erlaubt!”

    So erklären sich mögliche und unmögliche Versuche der Einflußnahme in den Medien, sei es eine Berichterstattung über eine SPD-Veranstaltung zu verhindern oder mögliche und unmögliche Versuche, Äußerungen des unsäglichen Herrn Söder als Umweltminister unter den Teppich zu kehren.

    “Was im politischen Prozess abläuft, soll auch in der Öffentlichkeit ankommem, aber nur, wenn die Regierung es erlaubt.” Diese Denkweise ist sehr lebendig, doch haben es die Wählerinnen und Wähler in Bayern am 15.9.2013 in der Hand, ihr eine Abfuhr zu erteilen.

    • da ander!!!

      …..???? Wie Herr Obermüller…….. Wo bleibt denn Ihre Verschwörungstheorie bzgl. Jannsen, Stegbau, CSU Tegernsee und Genehmigung durch CSU-Ministerium……. ????????
      Sie können doch kein Statement ohne diese Hinweise abgeben, oder?

      • Andreas Obermüller

        Haben Sie nicht mehr drauf?
        Dann wählen Sie weiter CSU!

    • da ander!!!

      entschuldigung….. war jetzt wohl ähnliche Polemik!