Der ultimative Hüttentest

Teil 1: Satt und glücklich ins Tal

Riederstein, Wallberg, Schwarzentenn-Alm und Hirschberghaus. Vier Ziele – ein Fazit. Doch welche Tour ist die anspruchsvollste, welche Berggaststätte die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis? Wo kommen Familien nachher am sattesten und zufriedensten ins Tal?

Wir waren im Laufe des Frühjahrs oben und sind bei allen vieren auch wieder heruntergekommen. Manchmal satt und begeistert, manchmal aber auch ein wenig ernüchtert.

Berggasthaus Riederstein am Galaun

Das erste Ziel ist eine der beliebten Familienwanderungen im Tal: Das Berggasthaus Riederstein am Galaun. 1.060 Meter hoch, idyllisch in einem Kessel gelegen, ist es eine gut besuchte Hütte, in der man auch übernachten kann. Zwar ist der zu bezwingende Forstweg ein wenig steil, jedoch auch mit Kinderwagen kein großes Problem. Nach einer knappen Stunde ist man an der Wirtschaft angelangt.

Das Personal stellt sich als äußerst freundlich heraus. Schnelle Speisenausgabe inklusive. Die Getränke stehen nach drei Minuten auf dem Tisch. Wiener Würstl und Kaiserschmarrn nach guten acht Minuten. Service wird großgeschrieben: Als wir unser Spezi verschütten, ist der Ober kurzerhand mit einem Lappen behilflich.

Auffallend ist die große Getränkekarte mit reichlich Auswahl an alkoholfreien und heißen Getränken sowie Bieren und Schnäpsen. Zum Essen gibt es die klassischen Hüttengerichte, die gut gemacht sind: Bei den Wienern in der Semmel kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Der Kaiserschmarrn ist lecker-locker-vanillig, schön buttrig-fett, mit reichlich Rosinen versetzt und mit Puderzucker bestäubt. Samt Apfelmus wird man gut satt, für den relativ hohen Preis von 9,20 Euro hätte es aber ruhig noch mehr sein können.

Fazit: Der Kaiserschmarrn ist sehr schmackhaft, aber teuer. Das Wanderziel kann ausdrücklich als familienfreundlich bezeichnet werden. Die Kinder kann man jederzeit einsehen, wenn sie über die Hangwiese toben. Akute Absturzgefahr droht nicht. Für Vierbeiner steht freundlicherweise ein Wassernapf parat.

Einziger Wermutstropfen: Es ist relativ voll, denn die Hütte wird sehr gut angenommen und ist leicht erreichbar. Teilweise sind die Preise in Ordnung. Teilweise aber finden wir das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr mäßig. Außerdem sind die Geschmäcker der Wanderer verschieden. Der eine steht auf klassische Hüttengerichte. Ein Wanderer merkt an, dass es früher ausgefallenere Speisen gegeben hätte, beispielsweise Bärlauchsuppe.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
Kaiserschmarrn mit Apfelmus 9,20 Euro
1 Paar Wiener mit Semmel 3,30 Euro
2 Paar Wiener mit Semmel 5,60 Euro
Kässpatzn 8,20 Euro
Apfelstrudel ohne Vanillesoße 3,90 Euro
Apfelstrudel mit Vanillesoße 5,40 Euro
Riesen-Dampfnudel 7,90 Euro
Wurstsalat 6,90 Euro
Obazda 6,50 Euro
1 Paar Weißwürste 5,60 Euro
Debreziner mit Kraut und Semmel 6,90 Euro
Pfannkuchensuppe 4,80 Euro
Speckknödelsuppe 4,80 Euro
Erbsensuppe ohne Wiener 5,50 Euro
Erbsensuppe mit Wiener 6,50 Euro
Wollwürste 8,20 Euro
Schupfnudeln 8,20 Euro
Halbe Helles (Tegernseer) 3,10 Euro

Öffnungszeiten:
Ganzjährig von 9 bis 18 Uhr, Dienstag Ruhetag

Panorama-Restaurant Wallberg

Unser zweites Ziel ist eigentlich nicht vergleichbar mit dem ersten, aber da ein absolutes Muss im Tal, hat es uns hier heraufgezogen: Das Panorama-Restaurant am Wallberg in 1.620 Metern Höhe. Das ansprechend ausgestattete Haus wirkt auf uns zwar großräumig, dadurch aber auch nicht so gemütlich wie eine kleine Hütte.

Bis zu 3.000 Leute pro Tag befördert die Bergbahn laut Aussage der Presseabteilung auf den Berg. Ein Großteil davon kehrt in die Wirtschaft ein. Auch wir machen es uns in dem 250 Plätze umfassenden Tempel mit der Rundumsicht bequem. An diesem regnerischen Donnerstagvormittag ist es extrem ruhig. An sonnigen Wochenenden bekommt man auf der 360 Plätze umfassenden Terrasse kaum noch einen Platz. Dann verlassen 600 bis 700 Essen die Küche von Utta Schönhöfer und Team.

Heute zählt das Restaurant – außer uns – lediglich ein paar ältere Paare als Gäste. Die knapp zwei Stunden Gehweg liegen hinter uns. Mit Kinderwagen wäre dieser kaum zu schaffen gewesen – mit Kraxe war es jedoch gut machbar. Wer dies nicht bewältigen kann, kann sich mit der Gondel hinauf beziehungsweise hinunter chauffieren lassen.

Oben angekommen, haben wir erst mal ordentlichen Durst. Unser Helles steht in wenigen Minuten auf dem Tisch, obwohl das Personal ein wenig so wirkt, als würde es noch auf den großen Ansturm warten – und dadurch nicht so richtig in die Gänge kommt. Wir bestellen einen großen Kaiserschmarrn und sehen uns derweil in dem Rondell um. An Kleinkindausstattung (Hochstühle, kleine – absperrbare – Spielecke) mangelt es hier nicht. Vierbeiner werden mit einem Wassernapf bedacht.

Ein Blick in die Karte gewährt ebenso Familienfreundlichkeit. Neben reichlich Auswahl an Getränken, Brotzeiten, Suppen, Hauptgerichten und Desserts werden separate Kindergerichte angeboten. Der Kaiserschmarrn ist sehr viel trockener als auf der Galaun, mit weniger Fett und fast keinen Rosinen angereichert, Vanille können wir gar nicht herausschmecken, dafür hat man mit Puderzucker nicht gespart.

Was auffällt, ist die sehr regelmäßige, quadratische Form der Stücke. Dabei dachten wir immer, so ein selbst gemachter Kaiserschmarrn wird mehr in Form gerissen. Jedenfalls wurden wir satt, aber für den Preis von 9,90 Euro inklusive Apfelmus hätte es auch ein wenig mehr sein können. Einziges Trostpflaster: Wer nicht so viel ausgeben möchte, kann auf den “kleinen Kaiserschmarrn” für 6,90 Euro zurückgreifen.

Fazit: Das Wanderziel kann als familienfreundlich bezeichnet werden, aber man sollte sich vorher überlegen, ob man die Kraxe einpackt oder die Euros für die Bahnfahrt. Der Kaiserschmarrn ist schmackhaft. Man bekommt – außer den üblichen Hüttengerichten – auch ausgefalleneres wie etwa Steinpilzcremesuppe, Pfannkuchen mit Blaubeerfüllung oder Seelachsfilet im Kartoffelmantel.

Es gibt hausgemachte Kuchen, dafür aber kein hiesiges Bier. Die Preise sind mit der Höhe der Bergspitze (1.722 Meter) vergleichbar und werden wahrscheinlich auch dadurch gerechtfertigt, dass man hier alles so weit hinauf bringen muss.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
Kaiserschmarrn mit Apfelmus 9,90 Euro (klein mit Schokostücken u. Vanilleeis 6,90)
2 Paar Wiener mit Brot 7,50 Euro
Kässpatzn mit Salat 9,90 Euro
Apfelstrudel mit Vanillesoße 4,90 Euro
Germknödel mit Vanillesoße und Mohn 6,20 Euro
Bayerischer Wurstsalat mit Butter und Brot 8,50 Euro
Portion Bergkäse mit Butter und Brot 9,90 Euro
Weißwürste mit Breze und süßem Senf 6,50 Euro
Debreziner mit Kraut und Semmel 8 Euro
Steinpilzcremesuppe 3,70 Euro
Erbsensuppe mit Würstl und Brot 7,70 Euro
Currywurst mit Pommes frites 8,90 Euro
Rinderroulade mit Pürree und Karottengemüse 12,80
Halbe Helles (Hacker Pschorr) 3,50 Euro

Öffnungszeiten
Sommer: Mo-So 9 bis 17 Uhr
Winter: Mo-So 9 bis 16 Uhr

Webseite des Panorama Restaurant Wallberg

Nächsten Freitag geht es weiter mit dem zweiten Teil unseres Hüttentests. Dann auf die Schwarzentenn und hoch zum Hirschberghaus.

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