Freitag, 18. Mai 2012 (04:38 Uhr)

Skepsis aller Orten: Wie gesundheitsschädlich ist der digitale BOS-Behördenfunk?

Die Funkmasten könnten das Landschaftsbild verschandeln. So die Sorge der Kritiker.

Der BOS-Funk betrifft uns alle. Auf dem Tegernseer Neureuthaus, auf dem Ringberg und in Wildbad Kreuth sind Sendemasten für den digitalen Behördenfunk Tetra geplant. Insgesamt 17 bis 20 Standorte sollen im gesamten Landkreis für neue Masten gefunden werden. Das sagt zumindest die Bürgerinitiative „Tetrafunkfreier Landkreis Miesbach“. Doch zum Tetra-Funknetz stehen zur Zeit jede Menge Fragen im Raum.

„Warum soll das Behördenfunksystem bis 2012 fertiggestellt werden, wo laufende Studien, die eventuelle Gesundheitsschäden offenbaren, erst im Jahr 2013 abgeschlossen sind?“ Das ist mit die brennendste Frage, die sich Reinhard Lohmann, Sprecher der Bürgerintiative stellt.

Mehr Klarheit und Austausch sollte eine Veranstaltung schaffen, die die Bürgerinitiative zusammen mit der Stadt Miesbach am vergangenen Montag im Gasthof Bräuwirt anberaumt hatte.

Die Kritiker sehen viele Nachteile

Funktechniker Ulrich Weiner referierte über funktionale Stärken und Schwächen des digitalen Tetrafunks. „Tetra ist systembedingt für den Katastrophenschutz nicht tauglich“, sagte Weiner, langjährig im Katastrophenschutz tätig. „Dieses System wurde nie für Sicherheitsanwendungen konzipiert.“ Es habe keinen Stresstest überlebt, beispielsweise Großschadensereignisse. Erfahrungen aus anderen Ländern wiesen Netzausfälle auf. Dort sei man deshalb zum Teil wieder zum Analogfunk zurückgekehrt.

Die Kritiker des geplanten Systems bemängeln, dass für mehrere Milliarden Euro – laut Lohmann zahlt der Freistaat circa eine Milliarde Euro – eine Technik aus den 1990er Jahren etabliert werden soll, die – nach Aussage der Kritiker – weder zeitgemäß noch in der geplanten Komplexität angemessen erprobt ist.

Derzeit werden laut Bürgerinitiative geeignete Standorte für die Sendemasten in den Gemeinden gesucht. Die Kritiker erwarten eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, denn die rund 17 bis 20 Masten, die im Landkreis errichtet werden sollen, könnten bis zu 60 Meter hoch werden, so Lohmann.

“Die gesundheitlichen Risiken sind nicht abschätzbar”

Folgende Standorte sind nach Wissen der Bürgerinitiative geplant: Harzberg, Fentberg, Irschenberg, Schwarzenberg, Neureuth, Huberspitz, Valepp/Wallberg, Holzkirchen, Kleinhartpenning, Ringberg, Wildbad Kreuth, Seeberg, Sudelfeld, Bayrischzell sowie an drei noch unbekannten Standorten.

An das Bild von Masten in der Landschaft könnte man sich ja noch gewöhnen. Die Kritiker befürchten aber vor allem potentielle Gefahren für die Gesundheit. Bei der Infoveranstaltung klärte Umweltärztin Barbara Dohmen die Besucher im voll besetzten Saal über gesundheitliche Risiken auf, die durch die 24-Stunden-Dauerbestrahlung entstehen könnten: Schlaganfälle, Grauer Star, Schlafstörungen und andere mehr. Seit etwa 15 Jahren gäbe es verstärkt Krankheitsbilder, die – gerade bei jüngeren Patienten – völlig untypisch seien. Die Anzahl der elektrosensiblen Menschen stieg von 4,8 Millionen im Jahr 2005 auf über 9 Millionen in 2009.

Etwas zu kurz kam bei der Informationsveranstaltung am vergangenen Montag die Seite der Befürworter des Behördenfunks. Die “Gegenseite” möchte in einer eigenen Veranstaltung am 27. Juni ihre Sicht der Dinge klarstellen.

Wir bleiben dran und informieren, wie es mit dem Thema, auch im Tegernseer Tal, weitergeht.

Weitere Informationen finden sich unter:
www.tetrafunkfreies-miesbach.de

Detaillierte Pro-Argumente erhält man unter:
www.bdbos.de

Informationen zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung gibt die Umwelt- und
Verbraucherorganisation unter www.diagnose-funk.de heraus.

Ihre Meinung ist uns wichtig

  1. ??? meint:

    Zum Technischem kann ich nichts sagen, aber diese Dinger verschandeln ja die ganze Landschaft. Geht es nicht anders?

    • Rudi meint:

      Trommeln – aber das würde dann wieder die Kurruhe stören…

      Spaß bei Seite, dass die analoge Funktechnik abgelöst werden muss ist zweifelsfrei. Ob das TETRA-System dabei dass richtige ist, steht auf einem anderen Papier. Natürlich stehen Alternativen zur Verfügung.

      Das einzig sichere an der ganzen Sache ist: Die Entscheidung welches System (mit seinen Vor- und Nachteilen) eingeführt wird bzw. wurde (TETRA) fiel wie immer unter der “Kosten-Nutzen” Abwägung. Meiner Meinung nach in mit dem TETRA-System wohl eher im Hinblick auf den Kostenfaktor…

      Mal

      • Hermann meint:

        Schade, daß auf dem Podium nur Gegner des TETRA-Funks waren. Eine Lösung kommt sicherlich nur zu Stande, wenn Befürworter und Gegner vorurteilsfrei miteinander reden und nicht auf 2 verschiedenen Veranstaltungen.

  2. wireless meint:

    Fakt ist: Das Analogfunknetz muss entweder aus- und umgebaut werden – oder es muss was anderes her. Warum aber um Himmels willen Tetra? Es ist ein absoluter Dauerstrahler, noch dazu gepulst, recht stark und ob der niedrigeren Frequenz (400 Mhz) auch wesentlich “durchdringender” als der Mobilfunk. Zudem ist es, und das stimmt, nicht großschadentauglich, viel zu teuer und eigentlich für die Sicherheitsdienste gar nicht gut geeignet (zu kompliziert, zu geringe Datenmengen). Der “Test” in München ist ja auch voll in die Hose gegangen. Nicht nur dort, auch in Hamburg ist das der Fall (wieder abgeschaltet). Und in Berlin hat man erkannt, dass man noch viel mehr Sender (= noch mehr dieser Strahlung) bauen muss. Also, eher nicht – oder?

    • techniker meint:

      …Und GSM ist kein gepulster Dauerstrahler? Jede GSM-Basistation ist ein Dauerstahler, der gepulst sendet.
      TETRA und GSM sind sich nämlich seeehr ähnlich: Tetra 400Mhz, GSM 900Mhz+1800Mhz; Tetra 4 Zeitschlitze pro Frequenz, GSM 8 Zeitschlitze pro Frequenz.
      Beide gepulst:
      Zeitschlitz: Tetra 14,167ms / GSM 0,577ms; Rahmen: Tetra 4 Zeitschlitze 56,67ms / GSM 8 Zeitschlitze 4,615ms; Multirahmen: Tetra 1,02s / GSM 120ms; Superrahmen GSM 6s; Hyperrahmen: Tetra 61,2s / GSM 3h28min53s

    • Eva Weber meint:

      Mobilfunkmasten sind Dauersender mit gepulster elektromagnetischer Strahlung. Für im Umkreis Wohnende kann diese Dauerbefeldung zu schweren gesundheitlichen Störungen führen, ja zum Verlust jeglicher Lebensqualität. Darüberhinaus klagen Landwirte über Missbildungen bei Schweinen, verringerte Fruchtbarkeit, starblind geborene Kälber sowie Verhaltensstörungen bei Rindern.

      Bei ein wenig Aufmerksamkeit zeigen sich an Masten oft typische Baumschäden.
      Speziell für den Bereich der Tetra-Frequenzen gibt es eine Studie an Koniferen-Sämlingen (Lerchl et al.). Das Ergebnis war: ca. ein Drittel der bestrahlten Sämlinge sind abgestorben, außerdem traten Störungen in der Photosynthese auf. Die Studie ist offiziell nicht veröffentlicht.

  3. !!! Die Anzahl der elektrosensiblen Menschen stieg von 4,8 Millionen im Jahr 2005 auf über 9 Millionen in 2009. !!!

    Wie kommt Frau Dr.Dohmen zu derartigen Zahlen? Trotz intensiver Suche hat man in der Wissenschaft keinen einzigen Elektrosensiblen (EHS) gefunden, obwohl mehr als 1200 von sich überzeugte Probanden getestet wurden. Meines Wissens nach hat der von sich überzeugte Elektrosensible Herr Weiner an keinem dieser Tests teil genommen. Er behauptet z.B. er leide unter den Handys in vorbeifahrenden Autos. Vor zwei Jahren haben wir (IZgMF) ihm angeboten diese Fähigkeit in einem objektiven Test unter Beweis zu stellen. Dieses Angebot ignoriert er bis heute. Die Auftritte von Frau Dr. Dohmen und Herr Weiner sind gut geeignet in der Öffentlichkeit unbegründete Ängste vor Funk zu schüren. Die Frage nach dem Beweggrund lässt sich einfach beantworten: Es gibt viele die die gratis geweckte Furcht gegen Honorar wieder nehmen. Das sind zum Beispiel Alternativ Mediziner, Wünschelrutengänger, Baubiologen, Messtechniker und Vertreter aus dem weitem Felde des esoterischen Aberglaubens.

    Wie irrational die Angst vor Sendemasten sind zeigt sich am folgenden Beispiel aus dem Mobilfunk: Sie können sich rd. 2 1/2 Jahre lang Tag für Tag in 100 m Abstand zu einer Mobilfunksender aufhalten. Ihr Kopf nimmt in dieser Zeit nicht mehr Energie auf wie bei einem einzigen 45-Minuten-Gespräch mit einem schon ziemlich strahlungsarmen Handy!

    • Eva Weber meint:

      Frau Schall, Sie sollten doch wirklich mit Ihrem 16m vor Ihrem Wohnzimmer stehenden Mast zufrieden sein. Er tut Ihnen doch bis jetzt nichts. Manchmal sehe ich jedoch tatsächlich schon Anzeichen dafür. Was ist denn der Grund, dass Sie sich unter falschem Namen “IZgMF” (Informationszentrum GEGEN Mobilfunk) so stark nicht GEGEN, sondern FÜR Mobilfunk engagieren und so viel Zeit opfern? Wäre ich nicht so betroffen, wüsste ich mir wahrhaftig etwas Besseres als mich mit diesem “Mist” zu beschäftigen. Sie dagegen wollen sogar Menschen, die unter dieser Technik leiden, unbedingt testen! Wer sind Sie eigentlich und in wessen Auftrag handeln Sie? Sie, die sich mit Betroffenen in Ihrem Forum nicht auseinandersetzen können und wollen und es vorziehen, diese unter Vorwänden hinauszuwerfen. Fühlen Sie sich so stark, weil bei Ihnen gerne Herr Prof. Lerchl, Strahlenschutzkommission/NIS auftritt? Natürlich als Privatperson!

      Das Rechen-Beispiel 45 Minuten Handygespräch gleich 2 1/2 Jahre Aufenthalt in 100 m Entfernung vom Mast sollten Sie vielleicht irgendwie mal wechseln, bevor sich darüber jeder ernstzunehmende Biologe totlacht.

      • Reinhard Neugebauer meint:

        Werte Frau Eva Weber !

        Ich habe Ihre Kommentare sorgfältig gelesen.

        Es ist vieles richtig, aber die Stoßrichtung Ihrer Argumentation trifft nicht exakt
        den Kern der Probleme der Gesundheitsschäden durch Mobilfunk.

        Die eigentlichen Gesundheitsprobleme kommen durch Vibrationsschäden im
        menschl. Körper, da es ein physik. Grundgesetz giebt, welches besagt, daß
        eine Funkempfangsantenne vibrieren muß.

        Die aus Vibrationen im menschl. Körper entstehenden Gesundheitsschäden sind seit Jahrzehnten in Deutschland gut untersucht und kein Geheimnis.

        Mobilfunkbefürworter machen folgende Vorr. und argumentieren:

        Menschen gehen nur durch ein elektromagn. Feld und empfangen keinen
        Funk. (das ist falsch und seit ca. 1935 bekannt sowie schulmedizin. untersucht, daß Menschen eine Funkempfangsantenne sein können)

        Mobilfunkgegner argumentieren:

        Die statistisch ermittelten Gesundheitsprobleme kommen durch die Pulsungen des Digitalfunks,

        Dies ist auch falsch.

        Die gleichen Gesundheitsprobleme die heutzutage Mobilfunkopfer beklagen, hatten
        ca. 1935 Menschen in der Nähe von Rundfunksendemasten in Bln./Königswusterhausen

        Dort wurde aber nur eine normale (ungepulste) Herz’sche Welle aufmoduliert mit Radioinformationen abgestrahlt.

        Es giebt im Internet nur eine einzige Veröffentlichung, welche den exakten kausalen Zusammenhang -zwischen Funkempfang bei Menschen,
        – ihren zwangsläufig enstehenden Vibrationen
        (da eine Funkempfangsantenne vibrieren muß) und
        – den seit Jahrzehnten schulmediz. bekannten Vibrationsschäden

        darstellt.

        INITIATIVE BRUMMFREIES MÜNCHEN

        http://www.daten.brummen-europa.de/brummen_muc.pdf

        Den schlagartigen Anstieg dieser Vibrationskrankheiten bei Einführung des Mobilfunks können Sie folgendem Link entnehmen.

        http://www.elektrosmognews.de/briefburk.pdf

        Falls Sie zusätzliche Inform. benötigen, schicken Sie mir eine E-Mail mit
        Ihrer Telefonnummer.

        Ich besite eine Festnetzflatrate und kann Sie kostenlos anrufen.

        Mit freundlichen Grüßen

        Reinhard Neugebauer

  4. tegarinseo meint:

    Diese Vorgehensweise hat System und wird von der sog. Schutzgemeinschaft seit Jahren mit gutem Erfolg angewandt. Hier werden mit dem Ziel der eigenen Profilierung latente Ängste der Bevölkerung durch nicht belegte Behauptungen geschürt und damit ein massiver Druck aufgebaut. Den Behörden bleibt dann oft kein Entscheidungsspielraum mehr, wenn sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, gegen den “erklärten Willen” der Bevölkerung zu agieren. Sachliche Argumente – so z.B. in diesem Fall, dass die für die Sicherheit zuständigen Organisationen einen Ersatz für den Analogfunk dringend brauchen – spielen bei Aktionen logischerweise keine Rolle und für konstruktive Gegenvorschläge ist man natürlich auch nicht zuständig. Hauptsache, man kann gegen etwas sein und damit in die Presse kommen.

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