Donnerstag, 24. April 2014

Was kann das Tegernseer Tal zur Energiewende beitragen?

Sonnenenergie, Skepsis und ein Zitat aus Goethes Faust

Die Energiewende Oberland hat ein Ziel: Bis 2035 soll der komplette Landkreis Miesbach in Summe energieautark werden. Doch was kann das Tegernseer Tal dazu beitragen? Wie schĂ€tzen die fĂŒnf Tal-BĂŒrgermeister dieses Ziel ein und welche erneuerbaren Energien sind fĂŒr die Orte rund um den Tegernsee am sinnvollsten?

Jeder der Rathaus-Chefs, hat eine etwas andere Meinung zur Energiewende. In Sachen Windkraft sind sie sich indes einig.

Die TalbĂŒrgermeister wollen ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

Die TalbĂŒrgermeister wollen ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

„Im Tal ist nicht genĂŒgend Wind, damit sich ein wirtschaftlicher Betrieb von WindkraftrĂ€dern rechtfertigen lĂ€sst“, sagt beispielsweise Wiessees BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ stellvertretend fĂŒr seine Amtskollegen. Die Aussage von HĂ¶ĂŸ wird auch durch den Bayerischen Windatlas gestĂŒtzt.

„Eine Autarkie wage ich zu bezweifeln“

Gmunds BĂŒrgermeister Georg von Preysing, der zugleich stellvertretender Landrat ist, kennt das Konzept fĂŒr die Energiewende nur zu genau: „Um das Gesamtziel der Autarkie zu erreichen wurde landkreisweit sehr stark auf Windenergie gesetzt. Falls dies nicht wie geplant umgesetzt werden kann, sehe ich Probleme die Ziele bis 2035 zu erreichen.“

Kreuths BĂŒrgermeister Josef Bierschneider hat einen Hauptfaktor fĂŒr den Erfolg der Energiewende ausgemacht: Neben der Sanierung von HĂ€usern sei die Energieeinsparung entscheidend. So passt es auch ins Konzept, dass der Landkreis den Energieverbrauch aller Gemeinden bereits bis 2020 um 30 Prozent senken will. Das ist der Beitrag, auf den sich die Kommunen geeinigt haben.

„Hier muss auch unsere Gemeinde eine Vorbildfunktion fĂŒr die Bevölkerung ĂŒbernehmen“, betont Bierschneider und verweist auf die bereits umgesetzten Projekte in Kreuth, wie das gemeindliche Schulhaus, das bereits ein Solardach erhalten hat.

Sein Amtskollege in Rottach schließt sich beim Thema Energiesparen an und sagt: „In der Summe tragen Kleinigkeiten wie Licht und Standby GerĂ€te ausschalten auch einen Teil zur Energiewende bei.“

Dennoch kann Franz Hafner eines nicht verstehen: Trotz der vielen Öffentlichkeitsarbeit, besuche kaum jemand die Energieberatungen. Die Kosten dafĂŒr ĂŒbernimmt die Gemeinde und auch bei Einzelfallberatungen steuert Rottach bis zu 300 Euro bei. „Über die Resonanz bin ich etwas enttĂ€uscht.“

Kommunen wollen Satzungen fĂŒr Solaranlagen ĂŒberarbeiten

Einen großen Beitrag zur Energiewende könnten zukĂŒnftig auch Solar- und Photovoltaikanlagen beitragen. Hier sieht das landkreisweite Konzept sehr große Potentiale im Tegernseer Tal.

Um dies zu fördern hat Kreuth beispielsweise eine EinschrĂ€nkung in der örtlichen Gestaltungssatzung gestrichen. Seit Ende letzten Jahres ist es zulĂ€ssig, dass komplette DachflĂ€chen von Solarmodulen bedeckt werden können. Auch die NaturkĂ€serei Tegernseer Tal hat nachtrĂ€glich von dieser Änderung profitiert.

Die Karte zeigt die Globalstrahung SĂŒddeutschlands fĂŒr 1981 bis 2000. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Eine Karte zeigt die Globalstrahlung SĂŒddeutschlands fĂŒr 1981 bis 2000. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Warum gerade Sonnenenergie fĂŒr das Tegernseer Tal geeignet sein könnte, geht aus bundesweiten Messungen des deutschen Wetterdienstes hervor. Die Ergebnisse der sogenannten Globalstrahlung werden dabei immer wieder angezweifelt. „ErzĂ€hlen Sie das mal jemanden in Rottach Elmau oder Elmösel,“ sagt beispielsweise Peter HĂ¶ĂŸ.

FĂŒr Josef Bierschneider ist die Sonnenenergie auch mit Chancen verbunden: „Sicher stecken in Solaranlagen noch Möglichkeiten“, sagt der Kreuther Ortsvorsteher und fĂŒgt an: „Zum einen geht zwar die staatliche Förderung zurĂŒck. Andererseits werden die Module immer billiger.“ Am Ende sei es reine Rechensache, ob sich eine Investition fĂŒr den Einzelnen rentiert.

Sanierung des Rathauses: Rottach plant fĂŒr 2013

Auch in Rottach sei die Satzung laut BĂŒrgermeister Hafner „ganz massiv“ an die BedĂŒrfnisse der Solarenergie angepasst worden. So habe man beispielsweise die BeschrĂ€nkung, nur auf 25 Prozent der DachflĂ€chen Solar- und Potovoltaikanlagen anzubringen, gestrichen. DarĂŒber hinaus habe es sich der Ort auferlegt bei jeder kommunalen baulichen Maßnahme immer zu prĂŒfen, ob auch eine energetische Verbesserung möglich wĂ€re. Das kann auch schon das Wechseln einer GlĂŒhbirne an den Straßenlaternen zugunsten einer stromsparenden LED-Lampe sein.

DemnĂ€chst steht laut Hafner die Sanierung des Rottacher Rathauses an. Dabei sollen nicht nur die Fenster ausgewechselt werden. Auch den Aufbau einer Solaranlage auf das Rathausdach werde man womöglich in dem Zusammenhang prĂŒfen.

In Gmund will man im Herbst diesen Jahres die örtliche Gestaltungssatzung ĂŒberarbeitet. „Darin ist dann eine gesonderte Regelung fĂŒr Photovoltaik vorgesehen“, so Gmund BĂŒrgermeister Georg von Preysing. Gmund habe außerdem schon heute die DachflĂ€che des neuen Feuerwehrhauses in DĂŒrnbach an die Energiewende Oberland verpachtet, die dort eine Photovoltaikanlage installiert hat.

Alternativen zur Sonnenenergie

Bei den talweiten PlĂ€nen auch Sonnenenergie verstĂ€rkt nutzen zu wollen, gibt es fĂŒr die Rathauschefs weitere regenerative Energien, die fĂŒr ihre Orte in Frage kommen wĂŒrden.

So hĂ€lt Bierschneider vor allem die OberflĂ€chengeothermie fĂŒr durchaus sinnvoll. Der Gmunder Rathaus-Chef Georg von Preysing sieht dagegen in seiner Gemeinde das grĂ¶ĂŸte Potenzial bei der Nutzung von Wasserkraft und denkt dabei an den geplanten Umbau des Schumacherwehres an der Mangfall.

In Wiessee und Rottach können sich HĂ¶ĂŸ und Hafner vorstellen auch auf Hackschnitzelanlagen zu setzen. In Tegernsee dagegen kann man sich derzeit leider nichts vorstellen. BĂŒrgermeister Peter Janssen möchte sich, auch nach mehrmaliger Nachfrage, derzeit lieber nicht zur Energiewende Ă€ußern. Der Grund bleibt indes unklar. Florian Kohler, wie Janssen auch Mitglied der BĂŒrgerliste, hat dagegen als Tegernseer Stadtrat eine klare Meinung zum Ziel der Energieautarkie bis ins Jahr 2035:

Ich halte das fĂŒr lokalpolitischen Aktionismus. In kleinen Details sind derartige Entwicklungen gut. Aber weder Wind noch Solar bringen auch nur annĂ€hernd verwertbare Energieergebnisse und kosten Unsummen an Steuersubventionen.

Dazu passt dann auch das Zitat von BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ, der zu den Zielen der Energiewende frei nach Goethes Faust meint: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

Josef Bierschneider sieht das dagegen pragmatischer: „Die Ziele sind durchaus ambitioniert. Aber was bringt es jetzt die HĂ€nde deshalb in den Schoß zu legen?“

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  • gemeindeplaner

    “In Tegernsee kann man sich derzeit leider nichts vorstellen.”
    So lÀsst sich leider nicht nur bei der Energiewende die Gemeindeplanung umschreiben

  • Anonymous

    Leider wird Tegernsee von zu alten und engstirnigen Leuten verwaltet. Man kann nur auf die nÀchste Wahl hoffen.

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