Bei einem Antrag auf eine Erweiterung des Bebauungsplans in Scharling kam es in der gestrigen Gemeinderatssitzung in Kreuth zu einigen Diskussionen unter den GemeinderÀten.
Grund war die Argumentation von Gemeinderat Markus Wrba (FWG), der behauptet, dass man den Einheimischen mehr Bauland zubilligen mĂŒsse, da Kreuth sonst “irgendwann aussterben” wĂŒrde.
Dass ein eigentlich routinemĂ€Ăiger Antrag auf Erweiterung des Bebauungsplans in Scharling solch eine lange Debatte nach sich ziehen wĂŒrde, hatte wohl niemand geglaubt. Dabei gab es in den vergangenen Jahren genug PrĂ€zedenzfĂ€lle, die auch diesen Antrag hĂ€tten regeln können.
Bislang zog der Gemeinderat nĂ€mlich eine ganz strikte Grenze von AuĂen- zu Innenbereich. Bei Ersterem wird kein Bauland ausgewiesen. So wurde es in den Klausurtagungen beschlossen, und daran hat man sich auch gehalten. Bis jetzt.
Da derlei Vorhaben jedoch meist von jungen Einheimischen eingereicht werden, sieht Gemeinderat Markus Wrba nun Handlungsbedarf:
Wir sind die flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂte Gemeinde im Sonstwo. Da muss man ĂŒberlegen, ob man behutsam auch mal die Schleusen wieder aufmachen kann. Ich denke, dass wir mit dieser strikten Handhabung, die wir uns vor zehn Jahren auferlegt haben, nicht in die Zukunft gehen können.
Und der praktizierende Anwalt ging sogar noch weiter. Eindrucksvoll zeichnete er ein Schreckensszenario auf, was geschehen wĂŒrde, wenn sich an der Politik des Gemeinderats nichts Ă€ndern wĂŒrde.
Wir können nicht auch in den nÀchsten 50 Jahren jedem jungen Einheimischen diesen Antrag verwehren. Derzeit haben wir ein Durchschnittsalter von 46,8 Jahren. Machen wir so weiter, ist es 2030 bei 56, und irgendwann sterben wir aus
Wrba stĂŒtzt sich dabei auf Statistiken des Landratsamts. Demnach gibt es im Landkreis Miesbach und besonders im Tegernseer Tal nicht genĂŒgend bezahlbaren Wohnraum fĂŒr junge Familien. Dabei warnt der engagierte Gemeinderat auch davor, dass bei der derzeitigen Entwicklung âdie Schulen nicht lĂ€nger erhalten werden könnenâ.
Kein Rechtsanspruch
Sinn der bisherigen Auslegung war der Schutz des Umlandes, insbesondere der Natur. SchlieĂlich ist es fĂŒr eine Tourismusregion wie Kreuth von enormer Wichtigkeit, weiterhin ein schönes Orts- und Landschaftsbild abzugeben. Darauf aufbauend, schlug Wrba dann auch gleich Kritik aus dem Gemeinderat entgegen: âWenn wir jetzt im AuĂenbereich Bauland ausweisen, wird das in den nĂ€chsten Jahren an auswĂ€rtige BautrĂ€ger verkauftâ, so nur eine von mehreren Aussagen.
âDas ist mir wurscht, wer das kauft. Mir geht es um eine sinnvolle und zukunftsorientierte Siedlungspolitikâ, lieĂ Wrba solche Argumente nicht gelten.
Ein weiteres Problem sei jedoch, so zumindest die Meinung eines GroĂteils des Gemeinderats, dass, sollte der konkrete Antrag in diesem Fall angenommen werden, auch die vielen AntrĂ€ge, die in den letzten Jahren abgelehnt werden mussten, jetzt auch nachtrĂ€glich zu genehmigen sind.
âEs besteht zwar kein Rechtsanspruch. Jedoch haben wir dann natĂŒrlich eine moralische Verpflichtung, den AntrĂ€gen stattzugeben. Man mĂŒsste schon sehr genau begrĂŒnden, warum wir den einen ablehnen und dafĂŒr einen anderen annehmenâ, zeigt BĂŒrgermeister Josef Bierschneider die möglichen Probleme bei einer praktischen Umsetzung auf.
Am Ende einigte man sich darauf, eine neue Klausur einzuberufen, in der eine grundsÀtzliche Neuausrichtung der Kreuther Vorgehensweise diskutiert werden soll. Bis dahin soll der alte Grundsatz weiter Bestand haben. Dementsprechend wurde dem Antrag der Familie Zehendmaier in Scharling, mit einer Gegenstimme, auch nicht stattgegeben.



































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