Donnerstag, 23. Mai 2013

Gemeinderat diskutiert ĂŒber neues Bauland fĂŒr junge Einheimische

Stirbt Kreuth aus?

Bei einem Antrag auf eine Erweiterung des Bebauungsplans in Scharling kam es in der gestrigen Gemeinderatssitzung in Kreuth zu einigen Diskussionen unter den GemeinderÀten.

Grund war die Argumentation von Gemeinderat Markus Wrba (FWG), der behauptet, dass man den Einheimischen mehr Bauland zubilligen mĂŒsse, da Kreuth sonst “irgendwann aussterben” wĂŒrde.

Bauen im Kreuther Außenbereich wird meist nicht genehmigt

Dass ein eigentlich routinemĂ€ĂŸiger Antrag auf Erweiterung des Bebauungsplans in Scharling solch eine lange Debatte nach sich ziehen wĂŒrde, hatte wohl niemand geglaubt. Dabei gab es in den vergangenen Jahren genug PrĂ€zedenzfĂ€lle, die auch diesen Antrag hĂ€tten regeln können.

Bislang zog der Gemeinderat nĂ€mlich eine ganz strikte Grenze von Außen- zu Innenbereich. Bei Ersterem wird kein Bauland ausgewiesen. So wurde es in den Klausurtagungen beschlossen, und daran hat man sich auch gehalten. Bis jetzt.

Da derlei Vorhaben jedoch meist von jungen Einheimischen eingereicht werden, sieht Gemeinderat Markus Wrba nun Handlungsbedarf:

Wir sind die flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte Gemeinde im Sonstwo. Da muss man ĂŒberlegen, ob man behutsam auch mal die Schleusen wieder aufmachen kann. Ich denke, dass wir mit dieser strikten Handhabung, die wir uns vor zehn Jahren auferlegt haben, nicht in die Zukunft gehen können.

Und der praktizierende Anwalt ging sogar noch weiter. Eindrucksvoll zeichnete er ein Schreckensszenario auf, was geschehen wĂŒrde, wenn sich an der Politik des Gemeinderats nichts Ă€ndern wĂŒrde.

Wir können nicht auch in den nÀchsten 50 Jahren jedem jungen Einheimischen diesen Antrag verwehren. Derzeit haben wir ein Durchschnittsalter von 46,8 Jahren. Machen wir so weiter, ist es 2030 bei 56, und irgendwann sterben wir aus

Wrba stĂŒtzt sich dabei auf Statistiken des Landratsamts. Demnach gibt es im Landkreis Miesbach und besonders im Tegernseer Tal nicht genĂŒgend bezahlbaren Wohnraum fĂŒr junge Familien. Dabei warnt der engagierte Gemeinderat auch davor, dass bei der derzeitigen Entwicklung „die Schulen nicht lĂ€nger erhalten werden können“.

Kein Rechtsanspruch

Sinn der bisherigen Auslegung war der Schutz des Umlandes, insbesondere der Natur. Schließlich ist es fĂŒr eine Tourismusregion wie Kreuth von enormer Wichtigkeit, weiterhin ein schönes Orts- und Landschaftsbild abzugeben. Darauf aufbauend, schlug Wrba dann auch gleich Kritik aus dem Gemeinderat entgegen: „Wenn wir jetzt im Außenbereich Bauland ausweisen, wird das in den nĂ€chsten Jahren an auswĂ€rtige BautrĂ€ger verkauft“, so nur eine von mehreren Aussagen.

„Das ist mir wurscht, wer das kauft. Mir geht es um eine sinnvolle und zukunftsorientierte Siedlungspolitik“, ließ Wrba solche Argumente nicht gelten.

Ein weiteres Problem sei jedoch, so zumindest die Meinung eines Großteils des Gemeinderats, dass, sollte der konkrete Antrag in diesem Fall angenommen werden, auch die vielen AntrĂ€ge, die in den letzten Jahren abgelehnt werden mussten, jetzt auch nachtrĂ€glich zu genehmigen sind.

„Es besteht zwar kein Rechtsanspruch. Jedoch haben wir dann natĂŒrlich eine moralische Verpflichtung, den AntrĂ€gen stattzugeben. Man mĂŒsste schon sehr genau begrĂŒnden, warum wir den einen ablehnen und dafĂŒr einen anderen annehmen“, zeigt BĂŒrgermeister Josef Bierschneider die möglichen Probleme bei einer praktischen Umsetzung auf.

Am Ende einigte man sich darauf, eine neue Klausur einzuberufen, in der eine grundsÀtzliche Neuausrichtung der Kreuther Vorgehensweise diskutiert werden soll. Bis dahin soll der alte Grundsatz weiter Bestand haben. Dementsprechend wurde dem Antrag der Familie Zehendmaier in Scharling, mit einer Gegenstimme, auch nicht stattgegeben.

Moderation von Kommentaren

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  • Apnoe

    Na, so schnell stirbt man auch nicht aus, selbst in Kreuth, verehrter Herr Anwalt;-)
    Bei der Diskussion stĂ¶ĂŸt mir ein Satz besonders ĂŒbel auf:
    “Das ist mir wurscht wer das dann kauft….usw “!

    Hier merkt selbst der wohlwollenste Zeitgenossse woher der Wind in Zukunft wehen soll.
    Man braucht doch wirklich kein Prophet sein um absehen zu können wohin das fĂŒhrt – Ausverkauf der Heimat an zahlungskrĂ€ftige AuswĂ€rtige – siehe Rottach-Egern!

    Was Talweit lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig ist, ist ein ausschließlich an jungen Einheimischen Familien gebundenes Bauprojekt mit fairen, “BEZAHLBAREN” Preisen.

    Lasst euch nix vormachen, Kreuther – irgendwann kommt eine Zeit da ist die unberĂŒhrte Natur der wahre Schatz den eine Urlaubsregion anzubieten hat und dann…. – werden die “Villages” mit ihren verlassenen Geistervierteln heulend und zĂ€hneknirschend das Nachsehen haben.

  • rudhi

    Wieso braucht man denn mehr bebaubare FlĂ€che um das aussterben der Kreuther -dieser uredlen Rasse zu vermeiden?Ist mehr FlĂ€che eine Frage der Expansion oder der Stabilisation?Achso-weil die Zuagroaßten ja alles wegkaufen braucht man damit diese sortenreinen Ureinwohner selbst noch wo wohnen können immer mehr bebaubare FlĂ€che….und wenn diese neuen FlĂ€chen dann auch Zuagroaßte kaufen?Dann ist der Kreuther nicht nur ausgestorben -sondern auch noch alles zugebaut.

    Ich mags jedenfalls nicht wenn Leute die selber nicht von hier sind uns helfen und hier alles zubauen wollen damit wir nicht aussterben…aber jetzt geh i schlafn. Was weiß ich schon.

  • Rainer

    Liebe Kreuther GemeinderĂ€te, bitte bleibt bei der bisherigen restriktiven Haltung! Apnoe und Rudhi kann nur zugestimmt werden, meint ein Zuagroaßter, der hier arbeitet und zur Miete wohnt,

  • :-)

    ich als junger kreuther Einheimischer, der durch aus hier eine Familie grĂŒnden möchte, wĂŒrde mich auf jedenfall sehr freuen, wenn es fĂŒr uns bezahlbare Möglichkeiten gĂ€be sich hier ein Eigenheim aufzubauen.
    Aber wie Bierschneider schon sagt, man mĂŒsste gut ĂŒberlegen, welchen AntrĂ€gen man statt gibt und welchen nicht. Denn lieber wohn auch in in einer Mietwohnung, wenn dafĂŒr die atemberaubende schönheit unseres Kreuther Tals erhalten bleibt!

    • wenn die Einheimischen ihren Baugrund aber nicht an junge Einheimische, sondern an auswĂ€rtige BautrĂ€ger verkaufen, gehtÂŽs halt nicht. Es zĂ€hlt halt doch meistens der eigene Geldbeutel.

      • Rainer

        Genau, erst kommt das Fressen (Geld), dann die Moral!