Mittwoch, 19. Juni 2013

Eine kleine Umfrage zur Kommunikation im Netz

Suzen im social web – siezen oder duzen?

Veränderungen haben so ihre TĂĽcken. Wenn man älter wird, gerät man beim Laufen schneller auĂźer Atem. Die Kassetten von frĂĽher, aufwändig choreographiert, sind mangels passender Geräte unabspielbar. Und die Kommunikation wird zu einem Hort voller Fettnäpfchen – vor allem im Internet.

Das fängt bei Akronymen an und hört bei der elementaren Frage nach der korrekten Anrede auf. Duzen oder siezen – das ist hier die Frage. Im “realen” Leben ist fast immer klar, wer das Du oder das Sie angeboten bekommt. Online und vor allem in sozialen Netzwerken ist das oft nicht eindeutig.

Die ARD siezt bei twitter – das ZDF nicht.

Es ist ein Thema, über das man sich im Alltag nicht allzu viele Gedanken macht. Gehen wir zum Arzt oder Anwalt, siezen wir genauso, wie wir gesiezt werden. Doch nicht nur öffentliche Personen werden gesiezt, sondern in der Regel erst einmal alle uns nicht bekannten Personen, zumindest ab einem gewissen Alter.

Gewandelt hat sich das teilweise zum Beispiel bei Modeketten wie H&M, New Yorker oder anderen Geschäften, deren oft junge Verkäuferinnen die meisten Kunden duzen. Ob wir das als Kunden auch wollen – das steht noch einmal auf einem anderen Blatt.

Spiegel Online suzt: Im Infokasten noch gesiezt, im Status wieder geduzt.

Gewöhnlich ist jedenfalls (noch), dass Ă„ltere den JĂĽngeren sowie die in der Rangordnung weiter oben gestellte Personen (Chef) den in der Hierarchie weiter unten positionierten Personen (Mitarbeiter) das Du anbieten. Soweit im realen Leben, wenn wir direkten – geschäftlichen oder privaten – Kontakt mit anderen Menschen haben.

Ist Duzen im Internet selbstverständlich?

Anders sieht das schon in dem Internet aus. Ist die Hemmschwelle geringer, wenn man sich im World Wide Web begegnet und dem Gegenüber nicht in die Augen schaut? Vielleicht. Aber es scheint sich im Internet – auch als Welle aus dem Amerikanischen, die nur das “you” haben – einfach so eingebürgert zu haben, dass man sich duzt.

Ikea duzt

Vorreiter im Duzen sind Blogs. Dort wird in der Regel ausschließlich geduzt, ob im Blogeintrag oder in den Kommentaren. Die sozialen Netzwerke – allen voran Facebook und Twitter – stehen dem in Nichts nach: Hier ist klare Duz-Zone. So sehen es die meisten Social Networker.

Bleibt natĂĽrlich eine Frage offen: Ist es eine Sache des Respekts, sich zu siezen? Und ist es damit respektlos, sich bei Facebook und Twitter zu duzen? Eine klare Antwort dazu gibt es wohl keine.

Nur – wie gehen wir, als tegernseerstimme.de, damit um? Bisher siezen wir – überall. Begegnen wir Lesern auf der Straße, machen wir das schließlich auch. Doch so einfach scheint es nicht zu sein, wie uns ein Stammleser mitteilt:

Mein Bauchgefühl sagt mir: In journalistischen Texten wird gesiezt, in den Kommentaren der tegernseerstimme.de, also in einer Art virtuellen Netzwerk geduzt – so, wie es üblich zu sein scheint. Eine standhafte Begründung habe ich dafür allerdings nicht.

Ich selbst habe lange Zeit in Spanien gelebt. Dort ist es ganz normal wenn man nach den ersten Sätzen automatisch ins duzen verfällt. Ausnahmen sind einzig geschäftliche Treffen oder bei staatlichen Stellen. Es scheint allerdings, als würde sich die Hemmschwelle vergrößern, je weiter man nach Norden kommt.

Ihre Meinung?!

Ob man sich nun also duzt oder siezt, ist im normalen Leben also auch standortabhängig. Da macht es nur Sinn, wenn sich im Internet, wo viele unterschiedliche Nationen miteinander kommunizieren, eine Form durchsetzt. Und weil sich vor dem Computer zu unterhalten sowieso schon unpersönlich genug ist, ist das Duzen da wohl einfach sympathischer.

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • LAMA

    Hallöchen Tegernseer Stimme,

    die Fragestellung generell ist natĂĽrlich berechtigt. Die Sache ist, welchen Zweck man mit dem Duzen oder Siezen erreichen will.

    Social Media soll eigentlich den Leuten direkt ins Wohnzimmer getragen – somit auch in die Privatsphäre eingedrungen werden. Das Problem bei der Sache ist, dass man keine Person vor sich sitzen hat – es flackert nur der Bildschirm. Beim Telefonieren hat man indirekten Kontakt und beim Gespräch mit einer Person den direkten Kontakt zu dieser. (Und selbst dann kann man Du und Sie situativ verwenden)

    Die Gratwanderung im Social Media Bereich beträgt nur ein μ-Anteil. Es ist grundsätzlich jedem Vertreter selbst überlassen, welche Form der Ansprache er nimmt, aber tendenziell ist das Du eher vertreten.

    Meine persönliche Meinung dazu:

    Das Sie ist mir lieber, als das Du. Wenn man aber auf z.B. Facebook mit anderen Personen chattet oder unter Artikeln eine Person anschreibt, dann denke ich, ist das Du ganz normal. Da hab ich auch kein Problem damit. (Klar, kann man erraten/schätzen wie alt eine Person ist, aber wenn man diese Person nicht kennt, bleibt man beim Du – wieso auch immer.)

    Woran sich mein “Sie” aber stetig klammert, ist einfach der kommerzielle Hintergrund. Jede Homepage, jeder Anbieter, jeder Social-Media-Vertreter hat einen kommerziellen Hintergrund und je nachdem in welche WohlfĂĽhlzone man den User stecken möchte, kann man zwischen Sie und Du wechseln – aber tendenziell sollte man das Sie als Grundeinstellung wahren. (Sind ja schlieĂźlich nicht nur Kinder im Internet unterwegs) Wenn man dann adaptiv das “Du” einstellen kann – Problem gelöst, keiner fĂĽhlt sich aufn Schlips getreten, alle sind happy fĂĽr nen Moment.

    Zur Info: Ich bin 21 Jahre alt und bin auch gerne daran interessiert, wie unsere “ältere” Generation ĂĽber diese Thematik denkt. :)

    Mit freundlichem GruĂźe,

    Korbinian O.