Mittwoch, 22. Mai 2013

Oberbayerischer Lobbyverband wird Insolvenz anmelden

Tourismusverband funktioniert nicht mehr

dunkle wolken tegernsee 01 fn

Zweite ErgÀnzung vom 8. Oktober / 14:40 Uhr
Im August gab es den touristischen Aufreger der Sommerpause. Die Meldung, dass der Tourismusverband MĂŒnchen Oberbayern (TVMO) vor dem Aus steht veranlasste TTT-Chef Georg Overs erst zu der Aussage “Wir sind erschĂŒttert.”

Doch nur zwei Wochen spĂ€ter sah die Sache schon wieder anders aus. Die ĂŒber 200 Mitglieder des Verbandes, darunter auch die Tal-Gemeinden, hatten eine notwendig gewordene Finanzspritze in Höhe von 250.000 Euro zur VerfĂŒgung gestellt. “Wir sind erleichtert”, so Overs nach der Rettung. Eine Aktion, die wahrscheinlich umsonst war. So hat Overs bestĂ€tigt, dass der TVMO definitiv vor dem Aus steht. [Weiterlesen...]

KĂ€mmerer stellt Gmunder Jahresrechnung fĂŒr abgelaufenes Jahr vor

“Unsere Finanzlage verdĂŒstert sich erheblich”

dunkle wolken tegernsee 01 fn

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Gmunder Gemeinderat am gestrigen Dienstag noch schnell die Jahresrechnung 2011 abgesegnet.

KĂ€mmerer Georg Glas stellte dabei in aller KĂŒrze das Zahlenmaterial vor. RĂŒcklĂ€ufige Gewerbesteuereinnahmen und ein steigender Schuldenstand Gmunds sind die prĂ€gnantesten Entwicklungen des vergangenen Jahres. Und auch die Aussichten sind nicht gerade rosig. [Weiterlesen...]

Wohin mit meinem Geld?

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Euro-Krise. Staatsverschuldung. Inflationsangst. StĂ€ndig neue Nachrichten. “Das grĂ¶ĂŸte geldpolitische Problem sitzt in Berlin“, schreibt Finanzexperte Frank Wiebe im Handelsblatt zur aktuellen Situation des Finanzmarktes. 

Konflikte habe es zwar immer wieder gegeben, auch zu DM-Zeiten. Und auch zwischen den Staaten in der EuropĂ€ischen Union. Neu sei jedoch das Erpressungspotenzial der Regierungen gegenĂŒber der EZB.
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Sie haben uns erhört! (Die kuriose Meldung – Heute: Die Belanglosigkeiten der Tegernseer Zeitung)

Es gibt soviel kurioses. Die Tegernseer Zeitung gehört seit heute auch dazu.

Anmerkung vom 19.05.2010 / 01:48 Uhr:
Das ging ja schneller als gedacht: Heute schreibt die Tegernseer Zeitung auf Seite drei im Lokalen einen ausfĂŒhrlichen Artikel zur Bad Wiesseer Finanzsituation, die in der vorletzten Wiesser Gemeinderatssitzung ein ziemlich umstrittenes Thema war. DafĂŒr an dieser Stelle unsere volle Hochachtung. Tipp angenommen. Bravo!

Hier nochmal unser Artikel zur Wiesseer Finanzlage (Geschrieben am 11. Mai 2010)

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 18.05.2010 / 02:09 Uhr:
Wir sind ja von der Tegernseer Zeitung einiges gewohnt. Kritische Themen, wie die Finanzsituation von Bad Wiessee, ĂŒber die nichts geschrieben wird. Ernsthaft belanglose Themen, wie der, zugegeben, arme ĂŒberfahrene Dackel in Rottach-Egern, stehen dafĂŒr mehrere Tage auf der Homepage ganz oben. Oder einfach schlecht recherchierte Themen, wie der Beitrag ĂŒber den nicht beneidenswerten Dekan WaldschĂŒtz. Der bekommt noch vor seinem Antritt in Tegernsee bereits “SchĂŒtzenhilfe” durch unsere Heimatzeitung. In solchen Momenten fragen wir uns natĂŒrlich: Wer bezahlt dafĂŒr eigentlich noch?

Aber heute hat sich die Tegernseer Zeitung selbst ĂŒbertrumpft. Wir wissen ja, dass die Redakteure bei uns mitlesen. Unser Artikel, ĂŒber den im Tegernseer Tal erhĂ€ltlichen BĂŒrgertarif, ist ihnen aber scheinbar durchgerutscht. Ansonsten hĂ€tten sie eventuell frĂŒher erkannt, wie vollkommen nichtig der heutige Aufmacher in der gedruckten Ausgabe der Tegernseer Zeitung ist. Wohlgemerkt der Aufmacher – das wichtigste Thema einer Zeitung, die den Kunden im tĂ€glichen Abonnement 27,90 Euro pro Monat oder 306,90 Euro pro Jahr kostet. Ihr Hauptvorteil ist (das ist ein Zitat): “Mehr Informationen: aktuelle Berichterstattung aus Ihrer Nachbarschaft, Bayern und der ganzen Welt.”

Da geht es heute also, ganz aktuell, um den “kuriosen” Fall, dass sich der Herr Wandinger aus Gmund jetzt aber mal so richtig in der Zeitung aufregen muss: Wie kann es sein, dass er und seine Frau fĂŒr die gleiche Fahrt mit dem Bus nach Weissach einmal 2,95 und einmal 3,70 zahlen mĂŒssen. Unterschiedlich fĂŒr Hin- und RĂŒckfahrt wohlgemerkt. Wenn das mal kein Skandal ist. Aber am Ende gibt es zum GlĂŒck noch die Auflösung und die investigative Info: der Busfahrer hat sich vertippt. Die ganze neue Technik war schuld. Und das auch noch zu Ungusten des RVO. Na da sind wir aber beruhigt. Und der Herr Wandinger erst.

Das war die kurze Zusammenfassung. Wie das mit dem gleichen Informationsgehalt lĂ€nger geht, zeigt uns die Tegernseer Zeitung. Vielleicht macht aber auch das große Bild des erbosten 73-jĂ€hrigen den nichtvorhandenen Wert der Meldung wieder wett. Er hat zwei Fahrscheine in der Hand. Mit zwei unterschiedlichen Preisen. Wir wissen nicht wo die wirkliche Nachricht ist. Deswegen bitte nicht falsch verstehen: hier trotzdem zwei ernstgemeinte Tipps.

Unser Tipp an Herrn Wandinger: Zehnerkarte kaufen. Da zahlt man 3,60 Euro. FĂŒr den ganzen Tag. Die Karte verfĂ€llt ĂŒbrigens nicht. Lohnt also in jedem Fall.

Und der Tipp an die Tegernseer Zeitung: Nehmt eure Abonnenten ernst. Ihr könnt denen doch nicht so eine Belanglosigkeit als Titelgeschichte vorsetzen. Berichtet z.B. ĂŒber die Themen der heutigen 4 (!) Gemeinderatssitzungen, die die BĂŒrger wirklich betreffen. Sagt ihnen wie es wirklich um die Finanzen von Bad Wiessee bestellt ist oder recherchiert irgendwas sinnvolles. Aber so macht das keinen Sinn.

Anmerkung: Der betreffende Artikel steht leider nur in der gedruckten Ausgabe. Sobald er online verfĂŒgbar ist, werden wir natĂŒrlich darauf verlinken.

WochenrĂŒckblick: Von ersten Raten beim DAV, den Finanzen von Wiessee und dem Tod in der Badewanne

Das war die Woche vom 10. - 16 Mai

Die letzte Woche hat eigentlich ganz gut angefangen. Die frohe Botschaft kam schon am Montag: die Sektion Tegernsee des Alpenvereins hat Geld bekommen. Der ehemalige Kassenwart war so frei die erste Rate von insgesamt 130.000 Euro zu ĂŒberweisen. Das Geld hatte der Kassier in den letzten Jahren aus dem VereinskĂ€sschen abegezweigt. Mit der ersten Rate hat der Tegernseer Alpenverein immerhin schon mal 80.000 Euro wieder zurĂŒck. Die nĂ€chsten 25.000 Euro sollen am Jahresende fĂ€llig werden. Was wir uns nur fragen: Warum klaut einer Geld, der jetzt gute 100.000 Euro in einem Jahr locker machen kann?

Dienstag ging’s dann schon wieder um’s liebe Geld: Wir haben uns die Wiesseer Gemeindekasse mal etwas genauer angeschaut. Das hatte uns auf der letzten Gemeinderatssitzung doch neugierig gemacht, dass sich die Wiesseer im Rathaus scheinbar nicht ĂŒber ihre Finanzen einig sind – die Wahrnehmung schwankt von “total ĂŒberschuldet” bis “alles tip top”. Die Spielbank ist irgendwie auch Fluch und Segen zugleich. Was wir dazu rausgefunden haben? Eigentlich relativ einfach: Bei dem Thema geht’s um viel Glaube und Einstellung. Auf dem Papier ist Wiessee ziemlich hoch verschuldet. FĂŒr die Banken steht Wiessee aber richtig gut da. Wir meinen: Sparen kann fast nie schaden.

Dann gab’s die Woche noch das endgĂŒltige und verbindliche NEIN zur Hauptschule in Gmund. Der Tal-Schulverband hat damit besiegelt, was schon lange klar war: die Hauptschule bleibt in Rottach. Der Georg von Preysing will das aber immer noch nicht ganz wahr haben und kommt gleich mal mit neuen VorschlĂ€gen um die Ecke: Rottach und Waakirchen als eine Schule zusammenlegen. Wenigstens auf dem Papier. So kriegen wir mit ganz viel Biegen und Brechen – und ganz viel GlĂŒck und das alles aber auch nur ganz vielleicht – doch noch unsere Mittelschule. Unsere Meinung zu der Sache: Das hĂ€tte man leichter haben können

Die Wandelhalle hat seit letzter Woche einen neuen Vermarkter und das Jod-Schwefel-Bad einen neuen Anstrich. Beides lĂ€sst auf die Zukunft hoffen. Zumindest eines steht jetzt schon fest: Die WM können wir auf der Großbildleinwand vor der Wandelhalle alle zusammen gucken. Was es sonst noch neues fĂŒr die Halle gibt, erzĂ€hlt uns der Chef des Vermarkters, Julian Siebach,  hoffentlich diese Woche. Große PlĂ€ne hat er zumindest. Vom Fußball bis zur Hochzeitsmesse und noblen Firmenevents. Wandelhalle in Bad Wiessee: Viel los in Zukunft – hoffentlich.

Eher weniger los sein wird in Zukunft fĂŒr einen 49-jĂ€hrigen Rottacher Hausmeister. Der sitzt nĂ€mlich seit Mittwoch fĂŒr eine ganze Weile im Knast. Das Langericht MĂŒnchen II hat den Mann zu lebenslanger Haft wegen dem “Badewannen-Mord” an einer damals 87-jĂ€hrigen Frau verurteilt. Über ein Jahr hat das sammeln der Beweise gedauert, bis das Gericht das Urteil gesprochen hat – aufgrund von Indizien. Der Hausmeister hat dagegen bis zum Schluss alles abgestritten. Indizienprozesse – Irgendwie macht das immer ein bisschen Bauchkribbeln.

Bauchkribbeln hat es uns aber auch gemacht viele, viele Wiesseer zusammen singen zu hören – zur Melodie: “Steht auf, wenn ihr Schalker seid!” So geschehen bei der Einweihung vom neuen Sportplatz. Wir halten uns kurz: Viel Spaß damit!

Eins wollen wir noch unterbringen: JA, man kann mit einem Kajak den Rottacher Wasserfall runterfahren. Ob das wohl weh tut?

Das war’s also mit der letzten – wir wĂŒnschen an dieser Stelle allen einen guten Start in die neue Woche!

Wie steht es wirklich um die Finanzen von Bad Wiessee?

ErgÀnzung zum Artikel vom 11. Mai:
Die Finanzlage von Bad Wiessee und deren Kommunikation von Seiten des BĂŒrgermeisters, hat ja einiges an Diskussionen im Gemeinderat ausgelöst. Auf unseren Artikel zu dem Thema meldeten sich ein paar Leser aus den anderen Gemeinden per Email bei uns. Da sie keinen Wiesseer Gemeindeboten erhalten, haben sie vorgeschlagen, den Bericht auf den wir uns beziehen hier mit aufzunehmen. Wir hatten zwar im letzten Artikel bereits einen Link auf den aktuellen Gemeindeboten. Aber gerne stellen wir die zwei Seiten, um die es geht, auch als Bild ein. Wem es zu klein ist: einfach auf das Bild klicken. Dann öffnet es sich in einer grĂ¶ĂŸeren Auflösung.

Die erste Seite des umstrittenen Haushaltsberichts aus dem Bad Wiesseer Gemeindeboten vom Mai

Seite 2

Auf der letzten Gemeinderatssitzung gab es zwei kontroverse Themen.

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 11.05.2010:

Die Schulden aus dem Bau der Spielbank waren Mittelpunkt der Diskussionen

Auf der letzten Gemeinderatssitzung gab es zwei kontroverse Themen. Die RĂŒcknahme des Umzugsbeschlusses der Tourist Info. Und die Vorlage der Jahresrechnung 2009. Das zweite Thema war dann auch Ă€hnlich heiß-diskutiert wie das erste. Jedoch war der Ton – speziell von Seiten der CSU-Fraktion – deutlich schĂ€rfer. Im Endeffekt ging es um zwei grundsĂ€tzliche Fragen:
1. Sind die Schulden aus dem Neubau der Spielbank als “normale” Schulden zu werten und belasten somit die langfristige Haushaltslage der Gemeinde?
2. Ist die Darstellung der Wiesseer Finanzlage wie Sie vom BĂŒrgermeister im Gemeindeboten vom Mai 2010 kommuniziert worden ist, gerade in Bezug auf neue Investoren, zielfĂŒhrend?

Die nackten Zahlen zeigen dabei folgendes: Bad Wiessee ist mit insgesamt 22,42 Mio. Euro verschuldet. Dies erscheint auf den ersten Blick sehr hoch. Den grĂ¶ĂŸten Anteil an diesen Schulden machen die verbliebenen 17,882 Mio. Euro aus dem Spielbankneubau aus. Die Spielbank jedoch brachte dem Haushalt, trotz rĂŒcklĂ€ufigen Gewinnen, im letzten Jahr immer noch einen Zufluss in Höhe von 1,2 Mio. Euro. Und zwar nach Abzug der Zins- und Tilgungsleistungen fĂŒr den Neubau. Übrig geblieben sind am Ende nach Aufrechnung aller AufwĂ€nde und Kosten 98.000 Euro fĂŒr Investitionen.

Soweit die reinen Zahlen. Die Interpretation dieser Zahlen konnte jedoch gegensÀtzlicher nicht sein.

Franz Ströbl (KÀmmerer):
“Manche andere Kommunen wĂ€ren froh, wenn sie eine ZufĂŒhrung hĂ€tten. Nur muss man schon die Augen ein wenig aufhalten. Die Gemeinde Bad Wiessee hat hohe Schulden und muss auch diese Schulden tilgen und Zinsen zahlen.”

Kurt Sareiter (CSU):
“Wenn ich dieses Gemeindeheft lese. Was da ĂŒber die Gemeindefinanzen steht. Das ist ja fast grauenvoll. Da wird mir schlecht”

“In den letzten 26 Jahren hatten wir noch nie so hohe RĂŒcklagen wie heute.”

“Das Sonderdarlehen aus dem Spielbankneubau zĂ€hlt nicht fĂŒr die Verschuldung.”

“Was schlecht ist, wie Sie Herr BĂŒrgermeister Ihre eigene Gemeinde finanziell so schlecht reden. Wir haben ja hier einige erfolgreiche Unternehmer. Stellen Sie sich vor die erzĂ€hlen jeden Tag, dass sie Pleite sind. Können Sie sich vorstellen, dass das gut ist fĂŒr Ihre Firma? Also ich nicht!”

BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ:
“Wir haben unseren Kostenapparat noch nicht im Griff.”

“Die Einnahmen aus der Spielbank helfen uns noch diese Zeit zu ĂŒberbrĂŒcken. Ohne dass wir unter Druck Immobilien verkaufen mĂŒssen. Aber man darf nicht vergessen: Wir haben eine Pro-Kopf-Verschuldung, die liegt beim 9-fachen des Landesdurchschnitts.”

“GrundsĂ€tzlich haben Sie Recht. Die Außendarstellung muss besser werden.”

Franz Ströbl (KÀmmerer):
“Es hilft nichts wenn immer so getan wird als dass die Schulden nicht da sind.”

“Wir brauchen einen klaren finanziellen Weg, damit auch Sie fĂŒr die Zukunft wissen was möglich ist und was nicht.”

Hartwig Bayerschmidt (Fraktionssprecher der CSU):
“Verwehren möchte ich mich gegen den Vorwurf, dass der alte Gemeinderat das Geld zum Fenster rausgeschmissen hat. Ich bin seit ĂŒber 50 Jahren selbstĂ€ndig. Ich hab noch nie Geld zum Fenster rausgeschmissen. Ich weiß auch das Geld der BĂŒrger zu schĂ€tzen. Im Gegensatz zu allen anderen”.

Unserer Recherche zufolge ist das Sonderdarlehen fĂŒr den Spielbankneubau eine Schuld im Sinne des Gemeindehaushalts. In der Sichtweise von Banken ist es allerdings keine Schuld, da diese ein Sonderdarlehen anders bewerten. Das bedeutet: die Gemeinde bleibt trotz faktischer Überschuldung kreditwĂŒrdig. Somit wĂŒrde sie jederzeit ein weiteres Millionen-Darlehen erhalten, falls sich die Einnahmensituation bei der Spielbank weiter verschlechtert.

Der Kern der Diskussion ist damit klar und doch nicht einfach lösbar. In diesem speziellen Fall ist die EinschĂ€tzung der Zahlen sehr abhĂ€ngig von der persönlichen Art des Wirtschaftens. Oder kurz gesagt: Es gibt kein richtig oder falsch. Der Risiko-Freudige sieht die Chance auf schnelle Kredite fĂŒr neue Investitionen. Der Risiko-Averse die Gefahren der schon vorhandenen Schulden.  Im Umkehrschluß bedeutet das aber auch: Jeder muss fĂŒr sich selbst entscheiden welche “Art” fĂŒr eine Gemeinde wie Bad Wiessee besser ist. Dass ein BĂŒrgermeister den sichereren Weg wĂ€hlt, ist nur verstĂ€ndlich.

Eines steht bei der ganzen Sache jedoch außer Frage. Die derartig negative Darstellung der eigenen Finanzsituation, gerade in Zeiten der Investorensuche, ist nicht zielfĂŒhrend. Diesen Vorwurf muss sich BĂŒrgermeister HĂ¶ĂŸ gefallen lassen.

Wie steht es wirklich um die Finanzen von Bad Wiessee?

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Die Schulden aus dem Bau der Spielbank waren Mittelpunkt der Diskussionen

Auf der letzten Gemeinderatssitzung gab es zwei kontroverse Themen. Die RĂŒcknahme des Umzugsbeschlusses der Tourist Info. Und die Vorlage der Jahresrechnung 2009. Das zweite Thema war dann auch Ă€hnlich heiß-diskutiert wie das erste. Jedoch war der Ton – speziell von Seiten der CSU-Fraktion – deutlich schĂ€rfer. Im Endeffekt ging es um zwei grundsĂ€tzliche Fragen: 1. Sind die Schulden aus dem Neubau der Spielbank als “normale” Schulden zu werten und belasten somit die langfristige Haushaltslage der Gemeinde?
2. Ist die Darstellung der Wiesseer Finanzlage wie Sie vom BĂŒrgermeister im Gemeindeboten vom Mai 2010 kommuniziert worden ist, gerade in Bezug auf neue Investoren, zielfĂŒhrend?

Die nackten Zahlen zeigen dabei folgendes: Bad Wiessee ist mit insgesamt 22,42 Mio. Euro verschuldet. Dies erscheint auf den ersten Blick sehr hoch. Den grĂ¶ĂŸten Anteil an diesen Schulden machen die verbliebenen 17,882 Mio. Euro aus dem Spielbankneubau aus. Die Spielbank jedoch brachte dem Haushalt, trotz rĂŒcklĂ€ufigen Gewinnen, im letzten Jahr immer noch einen Zufluss in Höhe von 1,2 Mio. Euro. Und zwar nach Abzug der Zins- und Tilgungsleistungen fĂŒr den Neubau. Übrig geblieben sind am Ende nach Aufrechnung aller AufwĂ€nde und Kosten 98.000 Euro fĂŒr Investitionen.

Soweit die reinen Zahlen. Die Interpretation dieser Zahlen konnte jedoch gegensÀtzlicher nicht sein.

Franz Ströbl (KÀmmerer):
“Manche andere Kommunen wĂ€ren froh, wenn sie eine ZufĂŒhrung hĂ€tten. Nur muss man schon die Augen ein wenig aufhalten. Die Gemeinde Bad Wiessee hat hohe Schulden und muss auch diese Schulden tilgen und Zinsen zahlen.”

Kurt Sareiter (CSU):
“Wenn ich dieses Gemeindeheft lese. Was da ĂŒber die Gemeindefinanzen steht. Das ist ja fast grauenvoll. Da wird mir schlecht”

“In den letzten 26 Jahren hatten wir noch nie so hohe RĂŒcklagen wie heute.”

“Das Sonderdarlehen aus dem Spielbankneubau zĂ€hlt nicht fĂŒr die Verschuldung.”

“Was schlecht ist, wie Sie Herr BĂŒrgermeister Ihre eigene Gemeinde finanziell so schlecht reden. Wir haben ja hier einige erfolgreiche Unternehmer. Stellen Sie sich vor die erzĂ€hlen jeden Tag, dass sie Pleite sind. Können Sie sich vorstellen, dass das gut ist fĂŒr Ihre Firma? Also ich nicht!”

BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ:
“Wir haben unseren Kostenapparat noch nicht im Griff.”

“Die Einnahmen aus der Spielbank helfen uns noch diese Zeit zu ĂŒberbrĂŒcken. Ohne dass wir unter Druck Immobilien verkaufen mĂŒssen. Aber man darf nicht vergessen: Wir haben eine Pro-Kopf-Verschuldung, die liegt beim 9-fachen des Landesdurchschnitts.”

“GrundsĂ€tzlich haben Sie Recht. Die Außendarstellung muss besser werden.”

Franz Ströbl (KÀmmerer):
“Es hilft nichts wenn immer so getan wird als dass die Schulden nicht da sind.”

“Wir brauchen einen klaren finanziellen Weg, damit auch Sie fĂŒr die Zukunft wissen was möglich ist und was nicht.”

Hartwig Bayerschmidt (Fraktionssprecher der CSU):
“Verwehren möchte ich mich gegen den Vorwurf, dass der alte Gemeinderat das Geld zum Fenster rausgeschmissen hat. Ich bin seit ĂŒber 50 Jahren selbstĂ€ndig. Ich hab noch nie Geld zum Fenster rausgeschmissen. Ich weiß auch das Geld der BĂŒrger zu schĂ€tzen. Im Gegensatz zu allen anderen”.

Unserer Recherche zufolge ist das Sonderdarlehen fĂŒr den Spielbankneubau eine Schuld im Sinne des Gemeindehaushalts. In der Sichtweise von Banken ist es allerdings keine Schuld, da diese ein Sonderdarlehen anders bewerten. Was bedeutet, dass die Gemeinde trotz faktischer Überschuldung KreditwĂŒrdig bleibt. Und somit jederzeit ein weiteres Millionen-Darlehen erhalten wĂŒrde, falls sich die Einnahmensituation bei der Spielbank weiter verschlechtert.
Der Kern der Diskussion ist damit klar und doch nicht einfach lösbar. Denn in diesem speziellen Fall ist die EinschĂ€tzung der Zahlen sehr abhĂ€ngig von der persönlichen Art des Wirtschaftens. Oder kurz gesagt: Es gibt kein richtig oder falsch. Der risiko-freudige sieht die Chance, der risiko-averse die Gefahren. Bei Schulden verstĂ€rkt sich dieser Effekt sogar. Im Umkehrschluß bedeutet das aber auch: Jeder muss fĂŒr sich selbst entscheiden welche “Art” fĂŒr eine Gemeinde wie Bad Wiessee besser ist. Dass ein BĂŒrgermeister den sichereren Weg wĂ€hlt, ist nur verstĂ€ndlich.
Eines steht bei der ganzen Sache jedoch außer Frage. Die derartig negative Darstellung der eigenen Finanzsituation, gerade in Zeiten der Investorensuche, ist nicht zielfĂŒhrend. Diesen Vorwurf muss sich BĂŒrgermeister HĂ¶ĂŸ gefallen lassen.

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