Mittwoch, 22. Mai 2013

Hotel Das Tegernsee wird erweitert

Tegernsee will Bettenschwund in Griff kriegen

Der Tegernseer Stadtrat hat sich im Rahmen seiner letzten Sitzung am 19. September 2012 erneut für die geplante Erweiterung des Hotels “Das Tegernsee” ausgesprochen. Entstehen sollen zusätzliche Ferienwohnungen.

Alternativlos sei das für den Tourismusstandort Tegernsee, sagt Bürgermeister Peter Janssen, der gleichzeitig aufzeigt, dass die Stadt alleine in den letzten 20 Jahren fast ein Drittel der Gästebetten verloren hat.

Rechts ist das Hotel "Das Tegernsee". Links das leerstehende "Gschossmannhaus", das zwei neuen Gebäuden weichen muss.

Rechts ist das Hotel “Das Tegernsee”. Links das leerstehende “Gschossmannhaus”, das zwei neuen Gebäuden weichen muss.

Letztmals wurde das Hotel „Das Tegernsee“, das früher unter dem Namen “Hotel Bayern” firmierte, im Jahr 2008 erweitert. Die neuerliche Begründung der Hotelleitung für den Ausbau lautet: Zukünftig will man das Angebot für Gäste ausweiten und flexibler gestalten. Bisher hat das Hotel cirka 141 Betten in 73 Zimmern und Suiten. Durch den Anbau würde das Hotel die bisherige Bettenkapazität um rund zehn Prozent erhöhen.

Hohe Bedeutung von Gästebetten und Investoren

Für Bürgermeister Peter Janssen ein Schritt in die richtige Richtung, wie er gleich zu Beginn der letzten Stadtratsitzung betonte. Sein Ziel, Tegernsee muss dem immer weiter voranschreitenden Verlust von Gästebetten entgegenwirken.

Waren es im Jahr 1992 noch 1950 Betten, ist die Stadt Tegernsee heute bei einer Zahl von 1350 Betten angelangt. Das entspricht einen absoluten Rückgang um 600 Betten, oder auch um 30%. Setzt sich dieser Trend fort, ist für das Jahr 2022 mit einer Anzahl von 1050 zu rechnen.

Als Gründe für diese Entwicklung nannte Janssen sowohl den Generationenwechsel, als auch eine heute weit verbreiteter “Investitionsstau” bei vielen Anbietern von Gästezimmern im Raum Tegernsee angeführt. Schädlich für die Stadt sei das, so Janssen.

Für den Tourismusort Tegernsee ist es zwingend notwendig, über eine ausreichende Zahl an Gästebetten zu verfügen. Wenn die Touristen hier irgendwann nicht mehr wohnen können, nutzt uns auch das beste Tourismusangebot nichts. Es wäre ein großer Fehler Investoren die kalte Schulter zu zeigen.

Einer der Gründe, warum sich der Stadtrat bereits im Mai diesen Jahres einstimmig für eine Erweiterung des Hotels das Tegernsee ausgesprochen hatte.

Hier kann man die Lage der beiden neuen Gebäude (blau umrandet) erkennen.

Hier kann man die Lage der beiden neuen Gebäude (blau umrandet) erkennen.

Genutzt werden die beiden Neubauten für “Fremdenverkehrszwecke”. Bedeutet, es dürfen Hotelbetten, Ferienwohnungen oder sogenannte „Boardinghouses“ mit einer maximalen Belegdauer von drei Monaten entstehen.

Die gesamte Grundfläche der Gebäude mit den zugehörigen Wegen ist auf 1.460 Quadratmeter festgelegt, wobei die Fläche der beiden oberirdischen Gebäude auf 420 Quadratmeter beschränkt bleiben.

Die Zufahrt erfolgt weiterhin über die Klosterwachtstraße.

Landratsamt fordert Ausgleichsflächen

Auch das Landratsamt Miesbach hat den Plänen mittlerweile zugestimmt, jedoch vor allem hinsichtlich des Naturschutzes genaue Auflagen erteilt. Im Zuge des Baus müssen Ausgleichsflächen in direkter Umgebung entstehen. Eine völlig normale und in vielen Bauplänen verlangte Auflage, wie die Leiterin des Bauamtes Bettina Koch in der Sitzung bekräftigte.

Laut Landratsamt sollen wenigstens sechs Bäume, drei davon der Wuchsordnung 1 – und damit über 20 Meter für die durch das Bauvorhaben weggefallenen Grünflächen angepflanzt werden. Eine Vorgabe die in dieser Form nicht alle Stadträte verstehen konnten. Gerade die Bedingung, dass ein Teil der Bäume über 20 Meter hoch sein soll, stieß dabei auf Unverständnis, wie Norbert Schussmann von der CSU erklärte.

Die Idee Ausgleichsflächen zu schaffen ist natürlich sinnvoll, aber Bäume mit einer Höhe von über 20 Metern dort den Anwohnern vor die Häuser hinzusetzen halte ich auch aus Sicherheitsgründen für problematisch.

Eine Haltung die durchaus Anklang im restlichen Stadtrat fand. Nichts desto trotz entschied man sich nach einer kurzen Diskussion dafür, die Auflagen des Landratsamtes zu akzeptieren. “Wir sollten das Genehmigungsverfahren jetzt nicht unnötig in die Länge ziehen, das Landratsamt wird erfahrungsgemäß wohl bei diesem Stadtpunkt bleiben,” machten Koch und Janssen abschließend klar.

In der anschließenden Abstimmung sprach sich der Stadtrat einstimmig für den bereits im Mai ausgearbeiteten Bebauungsplan aus.

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Hermann Singer

    Und würde man auf die sinnfreien Stegbaupläne verzichten, könnte man sogar das Guggemoos wieder reaktivieren und die Bettenkapazität erhöhen. Allerdings auch nicht mit Ausblick auf ein nutzloses Parkhaus……

  • Schorsch

    … und würde sich dieser Trend bis ins Jahr 2052 fortsetzen, wäre mit einem Gästebettenbestand von 0 zu rechnen ;-)

  • Andreas Obermüller

    2005: Bürgerentscheid gegen LIDL => 1 Jahr später Abriß der Hotelfachschule mit ihren Betten und LIDL kommt gegen den Bürgerwillen und verhindert auf Jahrzehnte eine touristische Entwicklung dort.

    2003: Bürgerentscheid gegen den Stegbau => 1 Jahr später wird ein Steg gegen den Bürgerwillen gebaut, Fortsetzung folgt in 2013, das in 2008 geschlossene Hotel Guggemos wird zur völligen Ruine. Das Stegvorhaben kostet incl. des Neubaus des privaten Bootsverleihs fast 1 Million Euro. Wie alle anderen Stegbauten (abgesehen von der Bewirtungsterrasse, die kein “normaler” Wirt bekommen würde) bringt auch diese bayernweit längste Verschandelung eines Sees keinen Aufschwung (siehe Bettenzahlen). Das Geld ist verloren.

    2011: Gegen die 5 Stimmen der FWG erhöhen die anderen Stadträte in namentlicher Abstimmung die Fremdenverkehrsabgabe um 25%. Das ist Gift für die wirtschaftliche Entwicklung. Gmund verzichtet zugunsten der Geschäftswelt auf diese Abgabe. Die Fremdenverkehrsabgabe wird auch von Gastgebern erhoben, die z. B. aufgrund von Investitionen keinen Gewinn erzielen.

    2011: Der rechtskräftige Bebauungsplan für einen Hotelneubau am alten Krankenhaus mit 230 – 250 Zimmern, also mind. 450 Betten, wird auf Wunsch des Eigentümers in Frage gestellt. Der Hotelanteil wird ohne städtebaulichen Vertrag halbiert. Eigentumswohnungen (evtl. Zweitwohnsitze) werden als wichtiger betrachtet. Dafür verzichtet man planungsrechtlich auf 230 Betten.

    Von 1992 bis 2012 sinkt die Bettenzahl von 1946 auf 1350. Darin enthalten sind 166 Betten der LVA-Klinik, die nicht im Wettbewerb steht, also sind die touristischen Betten von 1780 auf 1184 zurückgegangen, um 33%.

    2012: In der Stadtratssitzung wird ein düsteres Bild der Entwicklung gezeichnet.

    Dieses Bild ist korrekt. Wenn nicht ab 2014 wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Bettenschwund ergriffen werden, ist ein weiterer Rückgang sehr wahrscheinlich.

    Andreas Obermüller
    FWG-Fraktionssprecher

    • Howie

      Es wäre mal interessant wie oft der Hr. Obermüller in seinen Kommentaren auf den Bürgerentscheid zum Stegbau hinweist. Kann das die Redaktion recherchieren?

      • Andreas Obermüller

        Oft!

        Denn dieser ignorante Umgang mit dem Bürgerwillen ist bayernweit EINZIGARTIG!!

        (Nach Angaben des Vereins “Mehr Demokratie in Bayern”, die konnten das zunächst gar nicht glauben!)

  • Sportler

    Irgendwo hat Herr Obermüller recht. Der Steg ist tatsächlich nur als Terrasse für mein absolutes Lieblingscafe in Tegernsee eine Bereicherung. Da sitzt man einmalig schön. Der Rest des Stegs stört eher. Unter anderem, weil die Leute ständig mitten durchs Cafe latschen. Eine schöne große Holzterrasse vor dem Guggemoos, auf der man in der Abendsonne einen Sundowner genießen kann, würde das Hotel aber sicher aufwerten, wenn es denn endlich mal jemand haben will. Dazu muss ich aber doch nicht das gesamte restliche Seeufer mit Stegen zuballern ! Wir sind doch nicht in Venedig und haben Hochwasser !

  • Thomas Mandl

    Mehr Betten = mehr Gäste? Die Gleichung ginge IMHO nur auf, wenn die aktuelle Auslastung der vorhandenen Gästebetriebe gegen 100% ginge. Die Gäste kommen doch nicht, weil es Betten gibt. Sie kommen, weil sie die Destination sie anlockt.

    Eine Aufstockung der Anzahl der Hotelbetten bringt nur was, wenn man gleichzeitig die Attraktivität des Tales steigert, neue Zielgruppen anspricht oder auch auf eine neue Marketingstrategie reagiert. Davon sehe ich aber zur Zeit nichts. Auch der sogenannte “Masterplan” sieht nur den Tagestourismus als ernsthaftes Entwicklungspotential für das Tal.

    Könnte es dagegen nicht andersherum sein, dass die sinkende Zahl an Betten einfach ein Indiz dafür ist, dass es um die Attraktivität des Tales eher schlecht steht? Dass immer weniger Gäste kommen, weil sie hier nicht mehr das finden, was sie suchen? Dann sollte man eher hier ansetzen. Das ist allerdings sehr viel schwieriger, als ein Hotel zu planen. Da müsste man nämlich ernsthaft über Natur-, Landschaftschutz, Verkehr, Klimaveränderung und sanften Tourismus diskutieren.

    Außerdem: Die touristischen Parameter haben sich geändert. Die “guten alten Zeiten” sind vorbei. Das Tal konkurriert gegen All-incusive-Angebote auf Mallorca oder in der Türkei. Die Anzahl der Übernachtungen pro Aufenthalt sinkt tendenziell. Die Menschen fahren lieber kürzer, dafür öfter in den Urlaub. Einige Hotels im Tal können ihre Belegungsquote deshalb anscheinend nur noch durch eine Vermarktung über Discounter (Aldi, Lidl) retten. Hotels wandeln aktuell auch Zimmer in Privatwohnungen um. Ob bei dieser Entwicklung ein ernsthaft touristisch denkender Pächter für das Guggemos gefunden werden kann, bleibt abzuwarten.

    Zudem will ja der Westerhof seine Bettenzahl von 100 auf 300 aufstocken. Nicht zu vergessen das unsägliche Almdorf mit seinen 60 Betten. Und auf dem Krankenhausgelände soll ja auch noch ein Hotel entstehen. (Die Projekte hat der Bürgermeister bei seiner Rechnung vergessen). Es ist zu befürchten, dass bei in Zukunft die Aufstockung der Bettenanzahl nur zu einer Verringerung der Belegung führen wird, was die Rentabilitt sinken lässt und eine Negativspirale inkl. verstärkter Umwandlung von Hotelzimmer in (Luxus)Apartments in Gang setzt.