Mittwoch, 23. April 2014

Nachspiel bei Kreuther Designerhaus

Ein Zeichen zum Schutz des Ortsbildes

ErgÀnzung vom 18. September / 12:42 Uhr
Es ist ein preisgekröntes Haus, das vor einigen Monaten im Zuge der Architektouren besichtigt werden konnte. Der Architekt Holger Möbius selbst ist der Überzeugung, bei der Errichtung des Designerhauses lĂ€ndliche Baukultur mit modernen Elementen ideal verbunden zu haben.

Möbius bestĂ€tigte im Juni diesen Jahres, die Vorgaben der Gemeinde kreativ umgesetzt zu habe. Der Kreuther Gemeinderat sieht hingegen Grenzen ĂŒberschritten und hat nun entschieden gegen die ortsunĂŒbliche Holzverschalung vorzugehen.

Vor allem die Holzverschalung im Erdgeschoss ist dem Gemeinderat ein Dorn im Auge.

Vor allem die Holzverschalung im Erdgeschoss ist dem Gemeinderat ein Dorn im Auge.

Auf der Tagesordnung war das Thema Designer-Haus in der Traten nicht zu finden. Kreuths BĂŒrgermeister Josef Bierschneider hatte es unter dem Punkt 10 „Unvorhergesehenes“ platziert. Dabei ist die Fassadengestaltung des Hauses schon seit einiger Zeit Bestandteil interner Diskussionen.

“Bei den Fenstern haben wir keine Chance”

Da wĂ€ren beispielsweise die Fenster, die deutlich kleiner und letztlich anders geformt zugesagt wurden. Der Architekt hatte diese laut eigenen Aussagen höher und grĂ¶ĂŸer umgesetzt, sodass der Hausherr jederzeit Bergspitzen wie den Setzberg und den Wallberg im Blick behalten kann. Dabei habe er aber das geltende bayerische Baugesetzbuch nicht verletzt.

Das ist wohl auch Bierschneider bewusst, der in Richtung Gemeinderat verlauten lies: „Bei den Fenstern haben wir keine Chance.“

OrtsĂŒblich oder nicht?

Rund um das Haus ist außerdem eine ortsĂŒbliche Verputzwand vorgesehen, die allerdings durch eine komplette Holzverschalung ersetzt wurde. „Die Verschalung im Erdgeschoss muss unbedingt weg“, so die sofortige Reaktion am Ratstisch. Denn die Abweichung von der eigentlich angepriesenen Fassadengestaltung sei im Gegensatz zu den Fenstern zumindest anfechtbar.

In der Satzung ĂŒber die Gestaltung baulicher Anlagen der Gemeinde Kreuth gĂ€be es einen Passus, in dem die Verschalung geregelt sei. Das ist zumindest andeutungsweise korrekt. So ist der Satzung im Wortlaut zu entnehmen:

FĂŒr AußenwĂ€nde sind verputzte, gestrichene MauerflĂ€chen und/oder ortsĂŒbliche holzverschalte FlĂ€chen vorgesehen.

Das „ortsĂŒblich“ will der Gemeinderat nun vom Landratsamt genauer prĂŒfen lassen. Was dabei letztlich herauskommt und ob der Architekt doch zu kreativ mit den Vorgaben der Gemeinde umgegangen ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen mĂŒssen.

Eigentlich gefÀllt das Haus. Eigentlich!

„Wir mĂŒssen hier aber in jedem Fall ein Zeichen setzen und bei der Fassade in die Vollen gehen“ sowie es auf „einen Kampf ankommen lassen“, so die EinwĂŒrfe der Kreuther RĂ€te, die kurzerhand einstimmig dafĂŒr plĂ€dierten, die Verschalungsgestaltung nochmals von der Bauaufsichtsbehörde in Miesbach ĂŒberprĂŒfen zu lassen.

Und auch wenn das Designerhaus dem einen oder anderen aus dem Gemeinderat als ganzes scheinbar doch gefĂ€llt, mĂŒsse man eben „hart bleiben“ und „mit aller HĂ€rte dagegen vorgehen“.

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 14. Juni mit der Überschrift: “Vorgaben der Gemeinde kreativ umgesetzt”
Vor einiger Zeit wurde in Kreuth der Versuch gestartet, lĂ€ndliche Baukultur mit modernen Elementen zu verbinden. Eine Vorgabe, die nicht immer auf Gegenliebe stĂ¶ĂŸt, wie das Tegernseer „Schuhschachtel-Haus“ gezeigt hat.

Doch in Kreuth hat das etwas besser geklappt. Das vor einiger Zeit gebaute Einfamilienhaus wurde nun von der Bayerischen Architektenkammer ausgezeichnet und kann demnÀchst sogar besichtigt werden.

Der Architekt Holger Möbius war auch fĂŒr die Raumgestaltung des Einfamilienhauses mitverantwortlich.

Der Architekt Holger Möbius war auch fĂŒr die Raumgestaltung des Einfamilienhauses mitverantwortlich.

Auch wenn man als unvorbereiteter Urlauber in der schmalen Weissacher Straße in der Traten spazieren geht, stĂ¶ĂŸt man unweigerlich auf das Einfamilienhaus von Architekt Holger Möbius. Zwar bedient sich das GebĂ€ude traditioneller Elemente, wie einem großen Balkon, weitem DachĂŒberstand und einer Holzverschalung. Doch bei genauerem Hinsehen fĂ€llt vor allem der ungewohnte Eingangsbereich mit Sichtbeton und Putz auf.

Beim Bau der Fenster viel Wert auf Aussicht gelegt

Der Innenraum ist geprĂ€gt von einem offenen Wohnkonzept, das dem Besucher schon beim Eintreten den Blick in das ganze Haus gewĂ€hrt. Dabei haben laut dem Architekten alle RĂ€ume einen eigenen Charakter, die in der Kombination das GefĂŒhl geben, willkommen zu sein.

„Mir war es wichtig, dass man sich in dem Haus wohlfĂŒhlt“, sagt Möbius und erklĂ€rt, wie auch der eine oder andere spezielle Wunsch seines Bauherrn verwirklicht wurde. So hat der 47-jĂ€hrige Architekt beispielsweise die Fenster und WĂ€nde des Erdgeschosses höher und grĂ¶ĂŸer geplant, sodass man jederzeit die Bergspitzen wie den Setzberg und den Wallberg im Blick behalten kann. Selbst von der Toilette aus bleibt einem der Ausblick auf den Riederstein nicht verwehrt.

Kreuther Gestaltungssatzung kreativ interpretiert

Angesprochen auf etwaige Probleme mit der Gemeinde wegen der teils ungewöhnlichen Konstruktionen, gab sich Möbius gelassen: „Die Verantwortlichen waren genau wie ich der Meinung, dass ich mich an die Satzungsvorgaben gehalten habe. Ich habe sie manchmal vielleicht kreativ interpretiert, aber das ist ja schließlich nicht verboten.“

Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Planung auch auf die Wert- sowie die Nachhaltigkeit des Hause gelegt. Das komplette GebĂ€ude wird ĂŒber ErdwĂ€rme beheizt, und bei den WĂ€nden wurden darĂŒber hinaus massive Ziegelsteine verwendet. „So wird die WĂ€rme in den WĂ€nden besser gespeichert und spĂ€ter wieder abgegeben“, erklĂ€rt Möbius.

Außerdem kann das Haus jederzeit den WĂŒnschen des Besitzers angepasst werden, da es im Innenraum nur zwei tragende StĂŒtzen gibt. Dazu sind die WĂ€nde nur mit einer Holzfassade verkleidet, die bei Bedarf abgenommen werden kann, um das darunter liegende Material durch neuartige Baustoffe zu ersetzten.

Wer sich einen noch besseren Überblick ĂŒber die Gestaltung des Hauses In der Traten 3 in Kreuth-Weissach verschaffen möchte, kann dies am 23. und 24. Juni jeweils zwischen 14 und 17 Uhr tun. Doch Vorsicht: Die ausrichtende Akademie hat klare Vorstellungen: Vor dem Betreten mĂŒssen die Schuhe ausgezogen werden.

Impressionen

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

In der Traten Kreuth-Weissach

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  • LULU

    Wunderschön!
    Bin beim Spaziergehen schon mehrfach daran vorbeigekommen. So geht es auch – wĂŒrde sofort einziehen!
    Herzlichst LULU

  • Michael

    sehr gelungen!

  • Lotte Macchiato

    Armes, kleinkariertes Kreuth! Ein wunderschönes Haus. War selbst da beim Tag der offenen TĂŒr.

  • Thomas

    Naja “OrtsĂŒblich”,. ich kenne mehrere HĂ€user mit Holzlatten-Verschalung in der Gegend und das hier sieht sehr gelungen aus. Da habe ich schon deutlich schlimmeres an BausĂŒnden gesehen die gerĂŒgt gehörten.

    • troisfois

      dem schliesse ich mich voll an. eingansbereiche mit sĂ€ulen und giebel bach römischen vorbild, die beiden löwen, goldverziert spitzen am zaun und leberkasfarbene farbe, ja mei, die herren am ratstisch brĂ€uchten vermutlich etwas weiterbildung in architektur und stadtplanung……

  • veritas

    Ein ziemlich Àhnliches Haus (vllt. vom selben Architekten) steht in Tegernsee am Anfang des Sonnleitenweges.

    @TS: WĂ€re doch interessant mal nachzuhaken wie der Tegernsee Stadtrat das sieht im Vergleich zu den Kreuthern.

  • troisfois

    …was wieder mal bestĂ€tigt, wie gut es uns geht, dass wir uns mit solchen dingen auseinander setzten mĂŒssen…”hart bleiben“ und „mit aller HĂ€rte dagegen vorgehen“. weiter so jungs, ihr am ratstisch habt echt irgendwann mal den pfiff ĂŒberhört.

  • Stummer Schrei

    Wenn ich sehe, was ein Tiroler in Marienstein hinstellen darf, wo alle dafĂŒr waren, dann fĂ€llt mir der Spruch ein:” Ich kann nicht so viel fressen, ……!

  • DMS

    In welchem Zeitalter leben wir denn? Ich erfreue mich jedesmal, wenn ich daran vorbei gehe – ĂŒber diese gelungene, klare Archtiektur! Ja nichts daran Ă€ndern!

    • Thomas

      Eben, eine sehr schöne Interpretation einer Holzverkleidung. Wenn ich mir stattdessen die “klassische” Verkleidung mit breiten vertikalen Holzbrettern anschaue, oft nach Jahren der VernachlĂ€ssigung farblich zwischen Grau und Hellbraun, ist das doch ein positiver Hinkucker.

      • Anonym

        Jahre der VernachlÀssigung :D :D :D
        Lieber schön immer drauf mit der Chemie, ist ja klar!

  • alter mann

    so eine super hĂŒtte, ich nehme sie. wann darf ich denn einziehen?
    wenig stromverbrauch durch viel glas und somit viel tageslicht. naturholzverschalung ohne pipigelbe farbe verschandelt, erdwĂ€rme……….. und aussenansicht geradlinig. super, was will mann/frau mehr.
    kreuth soll stolz auf so einwohner sein, die geld in die hand nehmen und perfektion bauen lassen.
    einfach anders……..oder wie viel isartaler holzhĂ€user soll es noch geben.

    ich möchte auch so ein haus :-)

  • pfff

    gfoit ma gar ned

  • ohjessas

    do gibts im Tal vui schlimmere Sachan. Do bracht ma sich ja wirkli ned aufreng drĂŒber

  • Need_you

    Jetzt kommt endlich mal jemand der ein wenig Moderne und Vielfalt in das – pardon: Totlangweilige Ortsbild bringt, und dann will man dagegen vorgehen?! Warum meint ihr eigentlich, ziehen alle jungen Leute von hier weg?!

    • Rainer

      Etwa, weilÂŽs keine moderne Architektur gibt?

  • Need_you

    SelbstverstĂ€ndlich nicht lediglich deshalb. Aber wenn es da schon anfĂ€ngt…

  • Student

    Dass die jungen Leute aus dem Tal abwandern hat sicherlich als allerletztes etwas mit den Möglichkeiten und der Gestaltungsfreiheit bei der Errichtung eigenen Wohnraums zu tun!! :D
    Und mit meinen 23 Jahren wĂŒrde ich mich durchaus noch zur jĂŒngeren Generation zĂ€hlen wollen…

    Es is eine “schiache Schupf”, fertig aus…und wer was anderes zusagt und genehmigt bekommt als er es nachher umsetzt, der muss auch mit etwaigen Konsequenzen rechnen!

    Und nein, falls jetzt jemand daher kommt mit “Das ist ja nur der Neid!” der darf sich gerne mal unser etwa 3mal so groß geratenes Einfamilienhaus im ortsĂŒblichen Stil in Bad Wiessee anschauen, welches mit großer Freude in einigen Jahren in das Eigentum von mir und meiner Schwester ĂŒbergehen wird.
    Abgewandert sind wir bis dahin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aufgrund des Arbeitsplatzes, aber auch dafĂŒr wird des dann eine Lösung geben.

    Herzliche GrĂŒĂŸe

  • iswurscht

    Ein gelungenes Haus! Einzig der weis gehaltene Eingangsbereich sieht aus, als hĂ€tte man das Haus ĂŒber eine Fertiggarage gebaut. Hier könnte man mit hellen Natursteinplatten eine bessere Wirkung erzielen.
    Die Gemeinde sollte auf keinen Fall Änderungen am Haus fordern.

  • Freigeist

    Sehr schön! In diesem Haus kann man sich wohlfĂŒhlen, diese Bauweise ist zukunftsweisend,
    natĂŒrliche Werkstoffe u. Nachhaltigkeit. Der Gemeinderat sollte sich von dem rĂŒckwĂ€rtsgewandten Denken verabschieden – Die natĂŒrlichen Resourcen sind endlich, das “OrtsĂŒbliche” darf nicht das Kriterium sein.

    • Stummer Schrei

      Eben, wenn ich die Bilder anschaue, dann kann es sich hier nur um Neid und Missgunst handeln. Denn wer zurĂŒckdenkt, die hĂ€ĂŸichen Teile in Kaltenbrunn und Marienstein (Lansmed) wurden befĂŒrwortet.

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