Donnerstag, 17. April 2014

Wie ein Waakirchner Verein ledige Frauen in Marokko unterstützt

Ergänzung vom 28. Dezember / 9:11 Uhr
Soziale Projekte in Südmarokko zu fördern ist der selbsterklärte Zweck des gleichnamigen Waakirchner Vereins. Dabei ist das Vorhaben der Marokkanerin Mahjouba Edbouche, ledigen Frauen – zumeist schwanger – ein Zuhause zu geben, nur eines von mehreren Projekten, die die Waakirchner in ihrer zehnjährigen Geschichte mit rund 60.000 Euro finanziell unterstützt haben.

So entstand in der Küstenstadt Agadir beispielsweise eine neue Einrichtung für Familien, denen der Vater fehlt. Jugendlichen auf der Landflucht wird in Taroudant ein Dach überm Kopf geboten. In einem Dorf im Atlas fördert der SPS die Einrichtung einer kleinen Schule.

Quelle: Soziale Projekte Südmarokko e.V.

Finanziert werden die Projekte aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Das Ziel: kleine Einrichtungen zu fördern, die von großen Organisationen der Entwicklungshilfe oft nicht beachtet werden. Dazu der 1. Vorsitzende Rainer Küppers:

Kernaufgabe war immer die Suche nach Projekten mit glaubwürdigen Ideen und Personen. Auswahl und weitere Beobachtung geschehen per Email und Telefon, oft aber auch mit Hilfe direkter Eindrücke vor Ort.

Bei der Finanzierung gehe man mit “gesunder Umsicht und Skepsis vor“, betont Küppers. Das sei man allen Beteiligten schuldig. Dass auch wirklich alle Spenden und Fördermittel da ankommen, wo sie auch helfen sollen, dafür sorgen die Waakirchner mit viel persönlichem Engagement.

So haben, laut Küppers, die Betriebskosten des Vereins in jedem Jahr seines Bestehens, nie mehr als 250 Euro ausgemacht. Und das auch wenn Projekte besucht wurden. Denn die Vorstandsmitglieder kommen für Telefon, Fax, Briefpost oder etwaige Reise- und Unterbringungskosten selbst auf.

Ursprünglicher Artikel vom 17. April:
Im Rahmen einer kleinen Pressekonferenz hat der Waakirchner Verein “Soziale Projekte Südmarokko e.V.” über seine neuesten Fortschritte informiert. Mit dabei war auch Mahjouba Edbouche, die Gründerin und Leiterin des marokkanischen Frauenhauses “Oum El Banine”.

Oum El Banine heißt “Mutter der Kinder”. Und es ist eines der Projekte des Vereins, das nicht nur finanziell unterstützt wird.

Von links: Marianne Habicht, Mahjouba Edbouche und Sepp Hartl

Edbouche, selbst sechs-fache Mutter, erlebt die soziale Ausgrenzung lediger Frauen am eigenen Leibe als ihr Mann aufgrund eines Autounfalls ums Leben kommt und sie hochschwanger vor dem Nichts steht. Sie gründet daraufhin im Jahre 2001 das Frauenhaus in Agadir, das alleinstehenden und verstoßenen Müttern vor aber auch nach der Geburt hilft.

Die Unterdrückung unverheirateter Mütter in Marokko

Anders als in Deutschland, wo laut des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2,116 Millionen Frauen alleinerziehend sind, erhalten unverheiratete marokkanische Mütter weder staatliche noch gesellschaftliche Unterstützung.

Frauen werden in Marokko nur als “legale Mutter” betrachtet, solange sie verheiratet sind. Schwangere ohne Ehemann sind dort auf sich gestellt. Der Vater hat keinerlei Verpflichtungen und bei der Geburt wird auch nur der Name der Mutter registriert. Die oftmals sehr jungen Frauen werden daraufhin von ihren Familien verstoßen und verfolgt, ganz gleich welches traurige Schicksal die Mütter ereilt hat.

Denn oft sind sie geschieden, meistens wurde ihnen eine Heirat versprochen oder sie wurden sexuell missbraucht und dann schwanger auf der Straße stehen gelassen. Der Albtraum einer jeden Frau.

Quelle: oumelbanine.net

Oum El Banine ist damit auch ein Zufluchtsort für die werdenden Mütter. Er besteht aus einem Apartment “la foyer”, indem sich maximal sieben Frauen drei Zimmer teilen. Bis zu 40 Tage nach der Geburt dürfen sie dort bleiben.

In einer Nähstube erlenen sie das Nähen und verkaufen die eigens erstellen Produkte. Darüber hinaus erhalten die Mütter finanzielle, medizinische sowie psychologische Hilfe als auch Kleidung und Lebensmittel.

Ziel ist, die Bewohnerinnen auf ihr Leben als alleinerziehende Mütter vorzubereiten. Dazu gehört auch Lesen und Schreiben, sofern die Frauen das noch nicht können.

Ein Buch für die Stimme der Frauen

Mittlerweile hat das marokanische Projekt immer mehr Unterstützer. Die tragischen Geschichten der Frauen haben beispielsweise die 29-jährige Jennie Silis veranlasst ein Buch anhand der Geschichte von Gründerin Mahjouba Edbouche zu verfassen. Darin erklärt Sie das patriarchale System Marokkos, welches die Frauen benachteiligt.

Und auch der Waakirchener Bürgermeister Josef Hartl ergreift Partei für Oum el Banine. Bei der gestrigen Pressekonferenz überreichte er im Namen des Gemeinderates 500 Euro an Mahjouba Edbouche.

Mehr Informationen zu Oum El Banine findet man auf der Webseite des Frauenhauses unter www.oumelbanine.net. Wer Mitglied im Soziale Projekte Südmarokko e.V. werden will, kann die Webseite des Vereins www.projekte-suedmarokko.de besuchen.

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  • Demokratie Jetzt!

    Na, schmecken euch die Krabben, die ein Teil dieser Frauen für einen Hungerlohn puhlt. Da fängt nämlich in meinen Augen die Wurzel allen Übels an,in dem WIR diese Menschen ausbeuten und jeder, der sich bei ALDI usw. billige Krabben, Kleidung usw. kauft macht sich mitschuldig.

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