Mittwoch, 22. Mai 2013

Energiewende im Tal

Tegernsee: Doch kein Kraftwerk in der Tuften

ErgÀnzung vom 18. Dezember / 22:17 Uhr
“Lokale Unternehmer planen Kraftwerk in der Tuften” – so lautete die Überschrift im August. Doch nun haben Jo Bogner und seine Mitgesellschafter von der “RETEG” (Regenerative Energien Tegernsee) das Vorhaben durch Holzvergasung Strom und FernwĂ€rme zu erzeugen, erstmal “auf Eis gelegt”.

FĂŒr die benötigten Maschinen gĂ€be es keine Garantien. “Wir haben keine klare Zusage, dass die Motoren am Ende auch laufen,” sagt Jo Bogner auf telefonische Nachfrage. Es handle sich dabei um ein Investment im Bereich von rund fĂŒnf Millionen Euro. “Das Risiko ist einfach zu groß.”

Damit wird die RETEG also nicht wie geplant auf dem GelĂ€nde des Tegernseer SĂ€gewerks in der Tuften das angestrebte Holzgas-Kraftwerk bauen. Auch wenn die konkreten PlĂ€ne fĂŒr das ehrgeizige Projekt schon ziemlich weit waren, wie Bogner betont: “2014 wollten wir in Betrieb gehen. Die Versorgung des Rottacher Warmbads und des angeschlossenen Seeforum wollten wir gerne ĂŒbernehmen. Alles regenerativ.”

Alternativen prĂŒfen

Auch mit dem Tegernseer E-Werk habe man GesprĂ€che gefĂŒhrt. “Die waren sehr interessiert an dem Projekt.” Interesse hatte auch die Familie Miller, EigentĂŒmer des SĂ€gewerks. Auf dem insgesamt 8.000 Quadratmeter großen GelĂ€nde hĂ€tte das Kraftwerk gebaut werden sollen. “Es gab einen Vorvertrag. Mehr aber nicht,” betont Bogner.

Die Millers wollen, so die Entscheidung aus dem vergangenen Winter, das SĂ€gewerk nach knapp 150 Jahren schließen. MitgeschĂ€ftsinhaber Moritz Miller betonte im August, dass der Entschluss gegen die FortfĂŒhrung des SĂ€gewerkbetriebs mit den anstehenden Investitionen zu tun habe:

Die Maschinen sind schon sehr alt. Wenn wir das Werk weiter hĂ€tten betreiben wollen, wĂ€ren demnĂ€chst Investitionen ins Haus gestanden, die sich angesichts der aktuellen Lage in der Holzindustrie nicht mehr gerechnet hĂ€tten. Selbst die großen Unternehmen produzieren nur noch eine reduzierte Menge.

Die RETEG wĂ€re dabei nur einer von mehreren PĂ€chtern – angedacht sind Gewerbebetriebe – gewesen. Allerdings ein Großer mit gut 3.000 Quadratmetern NutzflĂ€che, die fĂŒr das Öko-Strom-Projekt benötigt worden wĂ€ren. Doch gestorben, so Bogner sei das ganze noch lange nicht. “Wir haben ein paar Tausend Euro ausgegeben, Zeit investiert und gesehen, dass das Vorhaben mit Holzgas eben nicht geht.”

Was das genau bedeutet, darĂŒber sind sich Bogner und seine Mitstreiter derzeit noch nicht ganz im Klaren. Es gĂ€be einige Möglichkeiten mit anderen Verbrennungssystemen, die man sich teilweise bereits angeschaut hat. “Wir werden das in Ruhe prĂŒfen und dann weitersehen.”

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 10. August mit der Überschrift: “Lokale Unternehmer planen Kraftwerk in der Tuften”
Wie wir bereits berichtet haben, entsteht in der Tuften auf dem GelÀnde des SÀgewerks ein neues Gewerbegebiet. Einer der ersten PÀchter ist das Unternehmen RETEG (Regenerative Energien Tegernsee), dass auf dem freiwerdenden Areal ein Kraftwerk errichten möchte.

ZukĂŒnftig soll dort in einem innovativen Verfahren Holz vergast und damit Strom und WĂ€rme erzeugt werden. Mit an Bord ist unter anderem Josef Bogner, der bereits im letzten Jahr einige Veranstaltungen zu regenerativen Energien mitorganisiert hat.

Hier soll demnÀchst ein Kraftwerk entstehen

Hinter dem Projekt stehen fĂŒnf Privatleute, die nach eigener Aussage das Tegernseer Tal energetisch zukunftsfĂ€hig machen wollen: Andreas Niedermaier, Thomas Maban, Christian Bock sowie Karl und Josef Bogner. Warum erlĂ€utert Josef Bogner im GesprĂ€ch: „Hier im Tal ist diesbezĂŒglich wenig passiert. Diese Sache ist uns einfach ein Anliegen“. Ihr derzeitiges Hauptaugenmerk liegt dabei besonders auf Holz als nachwachsenden Rohstoff, da dieser regional reichlich vorhanden sei, wie Bogner erklĂ€rt.

Der ideale Platz

„Theoretisch kann man Strom aus regenerativen Energien immer erzeugen. Die große Frage ist nur wo?“ sagt der Gastronom, dem das Rottacher Gasthaus “Beim Zotzn” gehört. Deswegen galten die ersten Anstrengungen auch der Suche nach einem geeigneten Platz fĂŒr das Kraftwerk. Mit dem Gewerbegebiet in der Tuften scheint man nun einen idealen Platz gefunden zu haben.

„Wir haben mit der Familie Miller bereits einen Vorvertrag geschlossen“, verrĂ€t Bogner. Das entsprechende TeilstĂŒck des GrundstĂŒcks wird voraussichtlich 3.000 Quadratmeter groß sein, wovon die Halle, in der spĂ€ter das Kraftwerk stehen soll jedoch nur knappe 400 Quadratmeter einnimmt. Der Rest werde so belassen wie es heute ist und als Holzlager verwendet. „Optisch wird sich dahinten also wenig Ă€ndern“.

Denn auch die Halle soll sich laut Bogner in das Landschaftsbild einfĂŒgen: „Die Leute brauchen sich keine Sorgen machen. Die Halle hat am höchsten Punkt vielleicht zehn Meter und die Fassade wird fast komplett aus Holz bestehen“

Josef Bogner und seine Mitstreiter wollen das Tal “grĂŒner” werden lassen

Mit dem Kraftwerk soll dann schließlich ein “wahres Wunder an Effizienz” entstehen, wie Bogner betont: „Werden bei der herkömmlichen Verbrennung von Holz lediglich 35 Prozent der vorhandenen Energie genutzt, erreicht man bei der Vergasung bis zu 85 Prozent“

Dazu wird das Holz nur erhitzt, nicht verbrannt. Bei diesem Prozess treten Holzgase aus, die dann aufgefangen und durch eine Turbine geleitet werden. Dadurch entsteht der Strom. ZĂŒndet man das Gas danach an, hat man auch eine WĂ€rmequelle. „Das Prinzip ist schon seit dem ersten Weltkrieg bekannt. Marktreif ist es aber erst in den letzten Jahren geworden“.

Konkurrenz zum E-Werk

Die damit erzielte WĂ€rme soll als FernwĂ€rme im ersten Jahr bis zu 400 Haushalte versorgen können. Eine wichtige HĂŒrde auf dem Weg dahin ist auch schon genommen. „Die Gemeinde Rottach-Egern hat das FernwĂ€rmenetz schon genehmigt. Wir genießen da denselben Status wie die derzeitigen Grundversorger“.

Als Abnehmer sieht Bogner zwei Hauptzielgruppen:

Gedacht ist die Lösung fĂŒr Menschen, die sich in den nĂ€chsten Jahren sowieso eine neue Heizung zulegen mĂŒssten. Die Installation der Leitungen und des WĂ€rmetauschers wird zwischen 6.000 und 15.000 Euro kosten. Eine neue Heizung kostet etwa das Doppelte.

Vor allem wollen wir aber auch Hotels ansprechen, die ihre Heizkosten damit um bis zu 30 Prozent senken könnten.

Die Hauptproduktion fĂŒr die WĂ€rme wird dabei die Holzvergasung liefern. FĂŒr Spitzenzeiten soll aber trotzdem immer eine herkömmliche Gasheizung bereit stehen. Schließlich mĂŒsse die Grundversorgung gesichert sein, so Bogner. Ein Problem, dass ihm und seinen Mitstreitern immer wieder begegnet sind die fehlende Abnehmer fĂŒr WĂ€rme im Sommer. „Im Winter ist das kein Problem, aber was ist mit dem Sommer?“

Im GesprĂ€ch ist eine Umwandlung von warm zu kalt, Ă€hnlich dem Prinzip des KĂŒhlschranks, nur umgekehrt. Damit könnten dann Klimaanlagen betrieben werden. „Da sind wir noch dran“, meint Bogner.

Straffer Zeitplan

Dabei hat RETEG einen straffen Zeitplan vor sich. Derzeit befinde man sich noch in Verhandlungen mit verschiedenen Anbietern. Wenn das entschieden ist, könne es auch ganz schnell gehen, ist sich Bogner sicher: „Ich denke die Inbetriebnahme 2014 ist realistisch“

Im Winter soll es dazu einen Infoabend geben, bei dem RETEG die BĂŒrger vom Nutzen des Projektes ĂŒberzeugen will. Trotzdem gehe es am Ende nicht nur darum die BĂŒrger zu begeistern. “Wir mĂŒssen beweisen dass die Sache wirklich funktioniert“.

NatĂŒrlich ist die Sache auch mit einem finanziellen Risiko verbunden. Schließlich geht es dabei um Investitionssummen zwischen fĂŒnf und sechs Millionen Euro, die grĂ¶ĂŸtenteils fĂŒr den Ausbau des FernwĂ€rmenetzes benötigt werden. Trotzdem betont Bogner, dass ihm und seinen Kollegen nicht rein ums wirtschaftliche geht: „Wie ich schon gesagt hab, es ist uns einfach ein Anliegen.“

Welches Potential letzlich in der neuen Technologie steckt, bleibt abzuwarten. Zumindest in einigen Bereichen dĂŒrfte die RETEG ziemlich schnell in direkter Konkurrenz zum E-Werk Tegernsee treten. Und das hat ja auch mal klein angefangen.

Moderation von Kommentaren

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  • Thomas

    VernĂŒnftig und deutlich schlauer als die Holzschnitzel nach Österreich zu verkaufen. Zieht ihr das als Genossenschaft hoch? Entsprechende Anteilsscheine wĂŒrden im Tal mit Sicherheit Anklang finden.

    • Tegernseer Stimme

      Eine Genossenschaft ist derzeit nicht geplant und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Bogner sagte uns, es hĂ€tten ihn bereits viele darauf angesprochen, aber fĂŒr ihn sei das kein Thema.

  • INGRID (Schaftlach)

    “Im GesprĂ€ch ist eine Umwandlung von warm zu kalt, Ă€hnlich dem Prinzip des KĂŒhlschranks, nur umgekehrt. Damit könnten dann Klimaanlagen betrieben werden.”

    Das interessiert mich, wie soll das gehen? Es wird doch nicht etwa Kaltwasser durch die FernwÀrmeleitungen geschickt, das kann es nicht sein.
    INGRID

    • Thomas

      Ich schĂ€tze mal schwer er meint eine Kompessions-WĂ€rmepumpe, welche VerdunstungskĂ€lte durch die FernwĂ€me produziert. Also eigentlich genau das Prinzip des KĂŒhlschrankes, nichts umgekehrt, außer er kennt ein Gesetz der Thermodynamik das dem Rest der Welt unbekannt ist. ;-)

  • Apnoe

    “A’ Hund isser scho”, der Bogner’s Jo, das muß man ihm lassen.

    Tolle Idee, – es darf mit Spannung darauf gewartet werden wie die Honorationen der Gemeinde, Anwohner und der Stromlobby das zukunftsweisende Projekt torpetieren.
    Da werden die alten Ängste der sicheren Versorgung mit Strom und WĂ€rme, der Verschandelung des Landschaftsbildes, die nicht zumutbare Zunahme des Anlieferverkehrs und nicht zuletzt den Anstieg der Emissionen in einem Kurort an die Wand gemalt.

    Übrigens, fĂŒr das Sommerloch hĂ€tten wir noch das Warmbad im Angebot!

    Aber… nicht beeindrucken lassen…

    Yes, we can;-)

    • http://www.tegernseerstimme.de Tegernseer Stimme

      Bevor das Sommerloch anfÀngt, gehen wir in die Sommerpause ;-)

      • Apnoe

        @Tegernseer Stimme

        Ich meinte natĂŒrlich als “WĂ€rmeabnehmer”!

        Schöne Ferien!

        • Das erste Anliegen der Betreiber ist die “Herstellung” und der Verkauf von Strom, die WĂ€rme ist das “Abfallprodukt” das entsteht und ausgenĂŒtzt werden soll. Wenn man dies “AbwĂ€rme” natĂŒrlich gleich zum Beheizen des Warmbades nĂŒtzen könnte, wĂ€re es sicherlich eine gute Sache.

  • Apnoe

    Sehr schade… aber war irgendwie klar! Es hĂ€tte mich sehr positiv erstaunt, wenn so ein Zukunftweisendes Projekt Anklang gefunden hĂ€tte.
    Es ist eine relativ junge Technologie, mit der man nicht wirklich im Moment auf der ganz sicheren Seite Wirtschaften kann, deswegen vielleicht das zurĂŒck Rudern. Es gehört eine grosse Portion Pioniergeist dazu sich auf eine noch nicht ganz ausgereifte Technologie der energetischen Biomassenverarbeitung ein  zulassen.
    Ich hoffe sehr dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde.