Mittwoch, 23. April 2014

Medical Park will GrundstĂŒcksgrenze nicht abtreten

Schwarzbau-Garage muss um zwei Meter verkleinert werden

ErgÀnzung vom 02. August / 09:11 Uhr
Teile der Driessenstraße, wie sie vielleicht noch der eine oder andere aus seiner Jugend kennt, gibt es in Bad Wiessee mittlerweile nicht mehr. Im Vorhof des Medical Park Außenhauses am KirschbaumhĂŒgel sind große Teile der Straße renaturiert worden. So ist ist ein kleiner Park samt Teich fĂŒr Patienten der Klinik entstanden.

Umso mehr stört die Betreiber des Medical Parks scheinbar nun eine Garage und das darauf erbaute Dach, dass so gar nicht mehr ins neue Landschaftsbild passen mag. FĂŒr Fritz Niedermaier ist das etwa 25 Grad steile Garagendach bisweilen „eine optische Grausamkeit.“

Letztlich stellt rein rechtlich aber nicht die Dachneigung, sondern die Nichteinhaltung der GrundstĂŒcksgrenze ein Problem dar. Ein RĂŒckbau durch die EigentĂŒmer scheint – auch wenn die GemeinderĂ€te im April noch ein Auge zudrĂŒcken wollten – unumgĂ€nglich.

Der Gargenanbau muss mindestens verkĂŒrzt werden. Womöglich muss auch noch bei der Dachneigung nachgebessert werden.

Der Gargenanbau muss mindestens verkĂŒrzt werden. Womöglich muss auch noch bei der Dachneigung nachgebessert werden.

Bauamtsleiter Helmut Köckeis erklĂ€rte bei der letzten Bauausschuss-Sitzung, dass das Hauptproblem darin bestehen, dass die mit elf Meter LĂ€nge an das Haupthaus angelehnte Garage direkt auf die GrundstĂŒcksgrenze des Medical Parks gebaut wurde. „Der Abstand zum NachbargrundstĂŒck wurde einfach nicht eingehalten“, so Köckeis weiter.

Damit alles rechtens sei, hĂ€tte die Klinik drei Meter der Baugrenzen auf ihrer Seite des GrundstĂŒcks ĂŒbernehmen mĂŒssen“, machte der Wiesseer Bauamtsleiter den GemeinderĂ€ten klar und fĂŒgte an: „Dazu war man aber nicht bereit.“

Dachneigung wohl in Ordnung

Die Folge: Das GebĂ€ude muss nun um zwei Meter verkĂŒrzt werden. Sonst ist es laut Köckeis im Zusammenhang der Bayerischen Bauordnung nicht genehmigungsfĂ€hig. Das bedeutet, aus elf Metern mĂŒssen nun neun werden.

Ebenfalls eine Rolle spielte wieder einmal auch die Neigung des Garagendachs. Moniert hatten die GemeinderĂ€te im April zwar eigentlich nicht die Steile des Dachs an sich, sondern dass es “genau unter die Fenster im ersten Stock des Haupthauses angebracht ist“, so Fritz Niedermaier.

In den BauplĂ€nen der Hausbesitzer sei eine ortssatzungskonforme Neigung von rund 25 Grad angegeben worden. Wie steil das Dach der Garage tatsĂ€chlich ist, darĂŒber war sich das Wiesseer Gremium allerdings nicht sicher. Daher ließ BĂŒrgermeister Peter HĂ¶ĂŸ im Beschluss vermerken, dass das Garagendach nur dann in dieser Form bestehen bleiben darf, wenn die Tatsachen auch den PlĂ€nen entsprechen.

Die ÜberprĂŒfung soll nun das Landratsamt ĂŒbernehmen.

UrsprĂŒnglicher Artikel vom 12. April mit der Überschrift: “Wiessee lĂ€sst Gnade vor Ortsrecht ergehen”

Der Betreiber eines GĂ€stehauses aus der Driessenstraße hat bei der Gemeinde Bad Wiessee einen Antrag auf NutzungsĂ€nderung gestellt. Laut Plan sollen aus mehreren GĂ€stezimmern Ferienwohnungen enstehen.

Außerdem will der EigentĂŒmer eine Garage an sein Haus stellen. Doch eine Ortsbesichtigung zeigte jĂŒngst, dass der Anbau nicht nur schon steht. Sondern dass dieser auch noch geltendem Baurecht widerspricht.

„Das kann man eigentlich nicht machen“, gibt die GĂ€stehausbesitzerin auf unsere Nachfrage reumutig zu. Sie möchte eigentlich aus 20 GĂ€stezimmern fĂŒnf Ferienwohnungen machen. Nur drei Zimmer sollen ĂŒbrig bleiben „Das kommt den WĂŒnschen unserer GĂ€ste deutlich besser entgegen“, so die EigentĂŒmerin.

Direkt an die Nachbarsgrenze zu bauen ist nicht erlaubt

So erklĂ€rt auch Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis: „In unserer AbstandsflĂ€chensatzung ist geregelt, dass bei Garagen, Carports und dergleichen zum NachbarsgrundstĂŒck drei Meter Platz gelassen werden mĂŒssen“, und fĂŒgt an: „Wir haben geplant diesen Abstand in der Satzung zukĂŒnftig auf 1,5 Meter zu reduzieren.“

Abgesehen davon können in Bad Wiessee jetzt schon Garagen bis zu einer NutzungsflĂ€che von 50 Quadratmeter ohne Bauantrag genehmigt werden. Einfach bauen – so wie im vorliegen Fall – ist aber eigentlich nicht drin.

Bei der ohne Antrag errichteten Garage ist nahezu gar kein Platz zum angrenzenden GrundstĂŒck vorhanden. Die Gemeinde hat laut Köckeis allerdings die Möglichkeit bei besonderen UmstĂ€nden den Bauherren von der Satzung zu befreien. Also Ausnahmeregelungen zuzulassen.

„Die Garage mĂŒsste normalerweise weg. Abgesehen davon ist sie gestalterisch unmöglich“, so Fritz Niedermaier (FWG) auf der Bauausschuss-Sitzung am Dienstag Abend, der damit auch auf die Dachneigung des Anbaus anspielt. Maximal zulĂ€ssig seien nur 20 bis 26 Grad. Dies ist in der Wiesseer Gestaltungssatzung geregelt. Bei der Garage schĂ€tzen die GemeinderĂ€te die SchrĂ€ge auf ĂŒber 30 Grad.

Ein Kompromiss mit nachtrÀglicher NutzungsÀnderung

Klaudia Martini (SPD) schlug abschließend einen Kompromiss vor: „Die Garage darf an dieser Stelle bleiben. Aber die Dachneigung muss deutlich reduziert werden“. Dem Vorschlag der SPD-GemeinderĂ€tin folgten auch die anderen fĂŒnf Gremiumsmitglieder. Auch der nachtrĂ€glichen NutzungsĂ€nderung wurde unter dieser Bedingung zugestimmt. Das Gremium ließ damit Gnade vor Recht ergehen, wie selbst Köckeis sagte.

Über die positive Entscheidung ist die GĂ€stehausbetreiberin mehr als glĂŒcklich, auch wenn der RĂŒckbau der Garage nach eigenen Angaben mit einigen Kosten verbunden sein dĂŒrfte. „Das Dach mĂŒssen wir dann wohl komplett entfernen und wieder neu machen.“

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  • HB

    Wer lang fragt, geht lang irr.

    Warum brauchen wir ĂŒberhaupt noch Baugenehmigungen, wenn sowieso jeder macht, was er will. Der Dumme ist der, der den normalen weg mit Genehmigung usw. geht.

    Und dann noch jammern, daß man wegen der DachĂ€nderung Kosten hat.

    • Erwin

      da muss ich Ihnen Recht geben. Genau so sieht es leider anscheinend aus.

  • Katjuschka

    mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich so etwas lese!
    Muss HB uneingeschrÀnkt zustimmen!

  • Respekt

    Man kann Anscheinend machen was man will ohne die Konsequenzen zu tragen. Da wird einem schlecht wenn man liest man Baut erst einmal und dann stellt man den Antrag u kommt ohne Strafe davon. Der Dumme der noch den normalen und richtigen Weg geht.
    Unglaublich

  • Schuhschachtel-Walmdach-Lachnummer

    Wenn ihr wisst, dass Euer Bauvorhaben nicht genehmigungsfĂ€hig ist, dann baut los und zwar ohne jeglicher RĂŒcksicht auf PlĂ€ne und AntrĂ€ge! Mit etwas GlĂŒck, bleibt der Schwarzbau stehen – wie hier – wer kein GlĂŒck hat braucht Geld und dann bleibt er auch stehen. Habt ihr beides nicht, lachen euch die aus, die es haben.

    Na wer ist der Dumme? Der ehrliche Bauantragssteller!
    Wer sind die wirklich Dummen (im Sinne von Blöd)? Die Damen und Herren, die Schwarzbauten legalisieren!

  • Sam

    Sehr informativer Beitrag. Da kann man doch einiges nĂŒtzliches erfahren.

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