Fragen an die Fraktionsvorsitzenden im Tal

“Mit Bad Wiessee den Anschluss verloren!”

Mittlerweile haben wir mit fast allen Fraktionen im Tal ein Interview geführt. Zum Teil kamen dabei sehr interessante Statements, unter anderem zu den Verkehrsproblemen oder der touristischen Zukunft der Tegernseer Tals, heraus.

Dieses Mal haben wir den Wiesseer SPDler und Zweiten Bürgermeister Robert Huber befragt, der den eigentlichen Fraktionssprecher Bernd Kuntze-Fechner vertritt. Huber spricht dabei in einer Offenheit kritische Themen an, die man so von der Wiesseer Führung bisher nicht gewohnt war.

Robert Huber (4. v. l.) beim Spatenstich des neuen Wiesseer Rettungszentrums. Foto: Archiv

Robert Huber (4. v. l.) beim Spatenstich des neuen Wiesseer Rettungszentrums. Foto: Archiv

Tegernseer Stimme: Hallo Herr Huber, fangen wir direkt mit einem schwierigen Thema an. Dem Verkehr. Wie sehen Sie die Verkehrsbelastung im Tegernseer Tal, und wo gibt es Ihrer Meinung nach Verbesserungsmöglichkeiten?

Robert Huber: Die Verkehrsproblematik ist ein Thema, das mich seit Jahren beschäftigt. Das Tegernseer Tal verkommt zur Durchfahrtsstraße. Der starke Durchgangsverkehr ist nicht mehr hinnehmbar, denn er schadet dem Tourismus und belastet die Einwohner am Tegernsee.

Tegernseer Stimme: Und wie kann man dieser Problematik entgegenwirken?

Robert Huber: Unkoordinierte Einzelmaßnahmen können das Problem sicher nicht lösen. Hier muss ein Gesamtkonzept auf die Beine gestellt werden, das bereits die Verkehrslenkung ab der Autobahnabfahrt in Holzkirchen beinhaltet.

Bei der Lösungsfindung müssen alle Ideen auf den Tisch, wie beispielsweise eine Untertunnelung des Tegernseer Tals – wie es einst Peter Janssen vorschlug. Ich persönlich meine, dass man auch einmal über eine separate Busspur ab Holzkirchen oder gar ab dem Münchner Bahnhof bis ins Tegernseer Tal nachdenken sollte.

Tegernseer Stimme: Kommen wir zum zweiten Thema, dem Tourismus. Wie sollte Ihrer Meinung nach die touristische Infrastruktur des Tegernseer Tals der Zukunft aussehen?

Robert Huber: In Bad Wiessee haben Politik und zum Teil auch die Hoteliers in der Vergangenheit die touristischen Entwicklungen etwas verschlafen, und so haben wir den Anschluss verloren. Hier müssen wir einiges nachholen – wobei das Jod-Schwefelbad nur ein Baustein von vielen ist. Wichtig ist auch, wie es auf dem Lederer-Spielbank-Gelände weitergeht. Auch hiervon hängt die weitere touristische Entwicklung Wiessees ab. Der ehemalige Hexal-Mitgründer Thomas Strüngmann ist noch im Gespräch, und es besteht die Möglichkeit, dass die RDR und Strüngmann zusammen etwas auf dem Gelände entwickeln.

Für die Zukunft sehe ich derzeit für das gesamte Tegernseer Tal vor allem im Sporttourismus unglaubliche Potenziale, weil unsere Gegend eigentlich prädestiniert dafür ist. Dieser touristische Zweig könnte noch viel mehr gefördert werden, und ich würde es sehr begrüßen, wenn sich ein solches Hotel in der Region ansiedelt.

Tegernseer Stimme: Bis 2035 soll der Landkreis Miesbach, und somit auch das Tegernseer Tal, energieautark sein. Welche erneuerbaren Energieformen kommen hier für Sie am ehesten infrage?

Robert Huber: Die Energiediskussion ist von sehr vielen Emotionen geprägt. Wobei ich mir Windkraft im Tegernseer Tal nicht vorstellen kann. Die Aufregung über die Fotovoltaikanlagen kann ich hingegen nicht wirklich nachvollziehen. Warum soll ein Dach nicht komplett mit solchen Anlagen belegt werden? Ob das Dach nun rot oder blau ist, ist letztlich egal. Außerdem sollte meiner Meinung nach das E-Werk das Potenzial der Wasserkraft stärker nutzen. Auch in Bad Wiessee gibt es noch den einen oder anderen Bach, der dafür geeignet wäre.

Tegernseer Stimme: Was halten Sie ganz persönlich von einem kompletten Zusammenschluss aller Tal-Gemeinden?

Robert Huber: Am Anfang meiner politischen Zeit war ich davon überzeugt, dass uns ein Zusammenschluss der Gemeinden weiterbringen könnte. Mittlerweile vertrete ich hier eine andere Meinung. Irgendwann macht es sicher einmal Sinn. Aber Stand heute noch nicht.

Tegernseer Stimme: Eine Frage zum Schluss: Wie nutzen Sie persönlich beziehungsweise ihre Fraktion das Internet?

Robert Huber: Ich persönlich habe eigentlich nach einem langen Arbeitstag kaum die Zeit, E-Mails zu schreiben oder zu beantworten.

Und wir als SPD-Fraktion haben in Bezug auf das Internet auch noch definitiv Defizite und brauchen Leute, die uns dabei an die Hand nehmen. Da hoffe ich beispielsweise auf unseren neuen Ortsvorsitzenden Robert Kühn. Wir von der alten Riege sind damit einfach nicht groß geworden.

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