Zertifizierte Qualitätsstadt: Rottacher als Vorreiter für das gesamte Tegernseer Tal?

Ergänzung vom 13. Oktober 2011 / 07:23 Uhr:
Als kurzen Nachtrag zum Impulsvortrag von Alexander Kotz möchten wir noch die Pressemitteilung, die uns die Gemeinde Rottach-Egern zugeschickt hat, veröffentlichen. Auch der komplette Impulsvortrag ist verlinkt und kann kostenlos heruntergeladen werden.

Alle interessierten Dienstleister können sich ab sofort bei der Gemeinde Rottach-Egern anmelden. Mehr Infos zu den geplanten Seminaren gibt es ebenfalls in der Meldung der Gemeinde.

“Nur gemeinsam werden wir einfach immer besser”

Auf Einladung der Gemeinde Rottach-Egern fand am Mittwoch, den 5. Oktober in der Gebirgsschützenhütte ein kostenloser Impuls-Vortrag zum Thema „ServiceQualität Deutschland in Bayern“ statt.

Als Referent erläuterte der Hotel-Betriebswirt Alexander Kotz sehr praxisnah und kompetent den rund 40 anwesenden Interessenten den Weg zum ServiceQualitäts-Zertifikat.

„ServiceQualität Deutschland in Bayern“ ist eine Initiative für bayerische Serviceleister unter Federführung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern e.V. und wird vom Bayerischen Wirtschaftministerium finanziell unterstützt.

Dahinter verbirgt sich ein branchenübergreifendes, innerbetriebliches Qualitätsmanagement-System, das den mittelständischen und kleinen Betrieben hilft, die Qualität ihrer Dienstleistungen zu verbessern.

Nur wer ein hochwertiges und nachhaltiges Angebot gewährleistet, sichert seinen Erfolg langfristig. Herr Kotz machte allen anwesenden Interessenten klar, dass hohe Servicekompetenz nicht von alleine kommt, sondern sie ist das Ergebnis eines systematischen Qualitätsmanagements.

Durchdachte Qualität, herzliche Gastfreundschaft und gelebte Kundenorientierung sind Garant für die Zufriedenheit unserer Gäste und deren Wiederkommen. In einem weiteren Schritt werden nun die interessierten Betriebe in einem Seminar für diese Zertifizierung vorbereitet.

Das Seminar dauert ca. 1 ½ Tage und die gesamten Kosten hierfür übernimmt die Gemeinde Rottach-Egern. Ferner erhalten die ersten fünf Betriebe die eine Zertifizierung durchführen lassen, die Gebühr von ca. 250 Euro erstattet. Rund 200 € kostet die Re-Zertifizierung nach drei Jahren für jeden Betrieb und auch diese Kosten übernimmt die Gemeinde.

Wie oben angekündigt gibt es hier den Impulsvortrag zum Herunterladen (6,64 MB PDF)

Ursprünglicher Artikel vom 07. Oktober
„2012 ist es soweit. Dann ist Rottach-Egern die dritte geprüfte Qualitätsstadt Deutschlands. Davon bin ich schon heute überzeugt.“

Mit diesen Worten eröffnete Alexander Kotz am Mittwochabend in der Gebirgsschützenhütte seinen Vortrag zum Thema unternehmerische Servicequalität.

„Jeder, und das schließt mich mit ein, kann sich verbessern“, so Rottach-Egerns Bürgermeister Franz Hafner selbstkritisch, der als einer von vielen dem kurzweiligen Vortrag beiwohnte.

"Überdurchschnittliche viele Teilnehmer" nahmen an dem Vortrag von Alexander Kotz teil.

Ehe Franz Hafner das Wort an Kotz übergab, warf Rottachs Bürgermeister noch ein: „Es soll immer alles besser werden, aber es darf sich nichts verändern.“ Das sei Hafners Meinung nach vielerorts ein grundlegendes Missverständnis und ein Grundeinstellungsproblem.

Kunden entscheiden was Qualität ist und was nicht”

Q wie Qualität. Service- und Dienstleistungsqualität. „Die sogenannte Betriebs- und Unternehmens-Software“, wie es Alexander Kotz beschrieb. Dabei zähle nicht die selbst wahrgenommene Leistung, sondern wie diese von Gästen und Kunden empfunden wird.

„Hier muss in viele Köpfen ein Perspektivenwechsel vollzogen werden“, beschwor Kotz die rund 40 anwesenden Unternehmensvertreter und fügte an: „Hohe Servicekompetenz kommt nicht von alleine, ist branchenübergreifend und sie ist Ergebnis eines systematischen Qualitätsmanagement-Prozesses.“

Gemeinde lässt sich Gütesiegel einiges kosten. “Daran solls nicht scheitern”

Damit Rottach-Egern tatsächlich deutschlandweit die dritte Qualitätsstadt wird, müssen sich mindestens 15 ortsansässige Betriebe und Unternehmen zertifizieren lassen. „Der Gemeinderat hat beschlossen, diesen Prozess nicht nur zu begleiten, sondern auch finanziell zu unterstützen“, betonte Hafner.

Die Gemeinde subventioniert die Vortragsreihe mit über 5000 Euro. „Am Geld soll es nicht scheitern, dass unser Ort in naher Zukunft zum Premiums-Ort aufsteigt“, betonte Hafner: „Und vielleicht können wir ja auch eine talweite Welle damit auslösen.“

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  • Thomas

    Und wie wichtig so ein Titel “Zertifizierte Qualitätsstadt” ist, sieht man schon daran das einem bei dem Begriff sofort die Namen der ersten beiden Städte einfallen. Das sind nämlich … ähhhh … und … genau …

    Hey wie wärs denn mit Tal als UNESCO Weltkulturerbe? Das wäre ein Titel der wirklich Werbewirksam wäre. Gut das hätte auch “negative” Konsequenzen man dürfte z.B. die Berghänge nicht mehr mit “schicken” Anwesen zukleistern.

    Dann doch lieber “Qualitätsstädte”, und welcher Einheimische würde bei so einem Wort schon sarkastisch Lachen? Eben!

    • Tobias

      In unserer Firma in Gmund haben wir uns vor 3 Jahren nach ISO 9001/2008 = Qualitätsmanagement zertifizieren lassen.
      Es bedeutet nicht nur, dass man eine Struktur mit eigenen fest definierten Abläufen dann hat und sich auch daran halten muss, sondern, dass jeder Vorgang nachvollziehbar ist und Abläufe klar und einfach durchdacht wurden.
      Die Arbeit und auch die Qualität der Arbeit wurde dadurch definitiv verbessert in unserem Betrieb. Verbesserungen in die Struktur einfliesen zu lassen ist z.B. auch ein großer Bestandteil des Qualitätsmanagements. – Eine Chance für viele Unternehmer und Unternehmen. Für viele Menschen, Firmenkunden und in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben ist es von Vorteil und sogar oft gewollt bzw. wird es gefordert.
      Die Vorteile für eine zertifizierte Qualitätsstadt liegen demnach auch unmittelbar auf der Hand: Zufriedene Firmenkunden und Gäste, die auch gerne wieder kommen, dadurch geregeltes Einkommen durch entsprechende Gewerbesteuern und durch das ständige Überwachen der Abläufe und daraus entstehende Verbesserungsvorschläge wird die Qualitätsstadt bestimmt einen weiteren Schritt richtung Zukunft machen.
      Dass Du, lieber Thomas, vielleicht kein Fan von einer ISO-Zertifizierung bist, kann vielleicht daher kommen, dass Du nicht den Hauch einer Ahnung hast, worum es hierbei geht.
      Ich für meinen Teil bin überzeugt davon, dass es auch andere Firmen weiter bringt, da es bei uns Vorteile gebracht hat. Und nur, wer überzeugt davon ist und weil er/sie die Zertifizierung will, sollte auch diesen schritt machen. – Nur dann bringt es was.
      Ich wünsch den Beteiligten dafür viel Glück und hoffe, dass es Rottach wirklich was bringt.
      Übrigens, mit einem hast Du recht, Thomas: Die beiden anderen Städte sind mir ebenso gänzlich unbekannt. – Aber vielleicht ist das ja auch nicht Ziel der Städte, damit anzugeben. Vielleicht wollen diese Städte auch nur vorwärts kommen, Arbeitsplätze sichern und sich somit für die Bewohner attraktiver machen. – Könnte das evtl. sein?

      Franz Hafner hat schon recht, wenn er sagt: „Es soll immer alles besser werden, aber es darf sich nichts verändern.“ – Damit meint er Dich Thomas und alle anderen, die bei neuen Ideen und Gedanken die geistige Handbremse ziehen und einfach mal darauf losgehen, anstatt darauf offen zuzugehen.

      Gruß

      Tobias

      • wie

        Und nachts ist es kälter als draußen…

        Anyway. Trotzdem finde ich, dass die Aktion Potential hat.

  • Thomas

    Leider, Tobias, vergleichst du Äpfel mit Birnen. Natürlich ist es sinnvoll sich als Betrieb an nachvollziehbare Abläufe zu halten, und es ist auch förderlich das mit einer ISO-Zertifizierung zum Ausdruck zu bringen.

    Nur Städte, sind keine Betriebe, und die “Qualitätsoffensive” der Kooperationsgemeinschaft des DTV ist keine ISO-Zertifizierung. Selbst ist die Kooperationsgemeinschaft nach ISO zertifiziert, aber das ist ja nicht übertragbar. Es ist nur eines von vielen Gütesiegeln, und nicht mal eines der bekannteren.

    Völlig widersprüchlich ist deine Aussage das die anderen Städte damit nicht angeben, aber trotzdem vorwärts kommen wollen. Was bitte ist denn der tiefere Sinn so eines Zertifikates als sich damit den potentiellen Kunden gegenüber zu profilieren? Was ist denn der tiefere Gedanke eines Tourismusverbandes wenn nicht koordinierte Werbung?

    Schon mal jemandem begegnet der sich für einen Urlaubsort nicht wegen des Angebotes an sich, sondern wegen eines Gütesiegels entschieden hat? Zumal wegen einem das so Unbekannt ist das man es erst im Netz recherchieren muss? Eben.

    Qualität, Freundlichkeit, Gute Beschwerdeabwicklung usw. ist nichts was DURCH eine Zertifizierung kommt, sondern etwas das da sein muss, und mir der Zertifizierung nachweisbar wird, und da ist z.B. eine ISO 9001 viel konkreter als das da oben.

    Neue Ideen? Aber gerne, warum fördert die Gemeinde nicht Betriebe welche nach ISO zertifizieren wollen auf steuerlichem oder finanziellen Weg, statt eine Vortragsreihe zu einem recht unbekannten Label. Klar, das würde erheblich mehr kosten, wäre aber auch etwas konkretes.

  • rainer

    Über den Wert einer Zertifizierung kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Man kann gut sein, ohne Zertifizierung und man kann schlecht sein, trotz Zertifizierung. Wenn ich Schwimmwesten aus Beton herstelle, kann ich auch dieses Produkt zertifizieren lassen. Ausschlaggebend ist, dass Handbuch und tatsächliche Handhabung, zumindest beim Audit, übereinstimmen.

  • andreas

    Schade, dass man diesen Prozess gleich wieder zerreden muss, bevor er überhaupt angefangen hat. Was soll so etwas?
    Hier meldet sich mit Thomas jemand zu Wort, der offensichtlich bestens Bescheid weiß. Leider hat er wohl nicht erkannt, dass es hier neben der Optimierung von Abläufen und der Steigerung der Servicequalität auch um eine Gemeinschaftsaktion für die Gemeinde geht. Man könnte auch von dem immer wieder gesuchten roten Faden oder dem Wir-Gefühl sprechen. Und das bekommt man mit einer ISO-Zertifizierung mit Sicherheit nicht hin. Kennen wir denn nicht alle ISO-zertifizierte Betriebe, die zwar sehr viel Geld für diesen Prozess ausgegeben haben, sich aber im zwischenmenschlichen Bereich leider nichts geändert hat, bzw. es noch standardisierter, neutraler und kälter wurde?
    Wenn man etwas verändern oder verbessern möchte, kann eine Zertifizierung durchaus ein Vehikel sein – viel wichtiger ist aber, über den Tellerrand hinauszuschauen und vor allem auch mal Neues zuzulassen.
    Und zukünftig wird der Gast, Besucher, Kunde und Neubürger eben nicht mehr nur nach dem Angebot entscheiden, sondern auch danach, wie ihm dieses Angebot “verkauft” wird.
    Und in diesem Prozess, der im übrigen nicht nur aus einer Vortragsreihe besteht und keinesfalls unbekannt ist, geht es eben nicht nur um den Urlaubsort Rottach-Egern. Aus diesem Grund ist die Qualitätsoffensive auch so konzipiert, dass eben auch diejenigen mitmachen können, die eine ISO-Zertifizierung personell und/oder finanziell nicht stemmen können – aber auch die haben ihre Existenzberechtigung und machen einen Ort attraktiv.

  • Tegernseer Stimme

    Die bayerische Stadt Beilngriess war die erste zertifizierte Qualitätsstadt Deutschland. Der dazugehörige Link: http://www.beilngries.de/index.php?content_id=196